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Endzeitstimmung im Kreis
PROJEKT. Aufgerissene Betonböden, rankendes Efeu und kahle Betonwände bilden die Kulisse für einen postapokalyptischen Spielfilm, dessen Drehbuch eigens von Auszubildenden des Hans-Böckler-Berufskollegs geschrieben wurde. Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit finden zurzeit die Dreharbeiten im Kreis statt.
Das Autoren- und Filmteam bilden die Auszubildenden zum „Staatlich geprüften gestaltungstechnischen Assistenten – Schwerpunkt Medien und Kommunikation“ (kurz GTA) am Hans-Böckler-Berufskolleg Marl/ Haltern. Aufgabenstellung ist es, einen Spielfilm zu drehen.
Schnell war klar, dass die Schüler einen Science-Fiction drehen wollen. Da keine passende Romanvorlage gefunden wurde, schrieben die Schüler die Geschichte selbst: Der Inhalt konzentriert sich auf den Alltag vier Überlebender, die nach einem verheerenden Ereignis auf sich selbst gestellt sind. Die vier Protagonisten kämpfen um ihr Überleben in einer menschenleeren und verwüsteten Umgebung. Dabei müssen sie nicht nur ihr Leben ohne die Bequemlichkeiten der Zivilisation, sondern auch ohne gesellschaftliche Strukturen neu organisieren und sichern…
Neben den eigentlichen Dreharbeiten musste das rund 20-köpfige Autoren-, Film- und Schauspielerteam auch die gesamte sogenannte Pre-Produktion selbst organisieren. Hierzu zählt zum Beispiel das Sichten und Auswählen geeigneter Drehorte, das Einholen der Drehgenehmigungen sowie die Erstellung eines Zeit– und Drehplans. Außerdem müssen die Drehorte dekoriert, die Schauspieler geschminkt, Requisiten und Kostüme vorbereitet und die Technik auf- und wieder abgebaut werden. Jede Menge Aufgaben, die im Team verteilt und erledigt werden. Neben einem Parkdeck in Marl sind weitere Drehorte ein Wald in der Nähe von Haltern und eine verlassende Gartenkolonie in Gladbeck.
Fachlehrer Jan Telgkamp resümiert: „Solche Projekte sind immer wieder spannend: Gerade die Zusammenarbeit bei einem Dreh fasziniert mich jedes Mal und ich hoffe, dass wir am Ende einen spannenden Film haben, auf den alle stolz sind.“ / Foto: Kreis RecklinghausenA

Probelauf für den Tag X
WASSERWIRTSCHAFT. Der Tag X rückt immer näher: Mit der anstehenden Teil-Inbetriebnahme des Abwasserkanals Emscher (AKE) am 24. September werden auch die neuen Pumpwerke Gelsenkirchen und Bottrop final in Betrieb gehen. Dann gilt es: Jede Pumpe muss für sich und im Zusammenspiel mit dem zufließenden Wasser aus dem AKE funktionieren.
Aktuell hat die Emschergenossenschaft daher eine Art „Probelauf“ unternommen – dafür wurden vier Schieber oberhalb des Pumpwerks Gelsenkirchen in den Abwasserkanal Emscher eingebaut. Damit kann während der Testphase der Wasserzufluss gestoppt bzw. variabel gesteuert werden. Bislang ist die Emschergenossenschaft mit den Ergebnissen zufrieden. Die Wassermenge für die Testphase, rund 14.400 Kubikmeter pro Tag, wird aus dem Rhein-Herne-Kanal mittels drei Pumpen in einen naheliegenden Schacht östlich des Pumpwerks Gelsenkirchen gepumpt. Die vier eingebauten Schieber sind ein Teil von insgesamt 13 Schiebern, die für eine notwendige Trockenlegung jeder Tunnelstrecke des „Canale Grande“ der Emschergenossenschaft benötigt werden. Zwei Schieber befinden sich in dem Schacht, der unmittelbar östlich des Pumpwerks Gelsenkirchen liegt. Von ihm verläuft eine Doppelröhre mit je einem Durchmesser von 2,40 Meter direkt zum Pumpwerk Gelsenkirchen. Zum Schutz eines Nebengebietes am aus Herten kommenden Holzbach vor rückwärtiger Überflutung wurde der dritte Schieber in einem Nebenschacht gesetzt. Der vierte Schieber begrenzt einen Aufstau nach oberhalb in den AKE – also in Richtung Dortmund. Die Edelstahl-Schieber haben ein Gewicht zwischen 2.010 (bei Kanaldurchmesser 2,20 Meter) und 3.060 Kilogramm (bei Kanaldurchmesser 2,40 Meter).
Seit 1992 plant und setzt die Emschergenossenschaft den Emscher-Umbau um, in den über einen Zeitraum von rund 30 Jahren prognostizierte 5,266 Milliarden Euro investiert werden. Diese Kosten werden zu rund 80 Prozent von den Mitgliedern der Emschergenossenschaft getragen, also von Bergbau, Industrie und Kommunen. Knapp 20 Prozent steuern das Land NRW und die EU über Fördermittel bei. Voraussichtlich Ende 2020 soll die Emscher, einst der „dreckigste Fluss Europas“, weitestgehend wieder vom Abwasser befreit und – wo der Platz es zulässt – naturnah umgestaltet sein. / Foto: EGLV


„Der letzte Strohhalm“
UMWELT. Plastik ist unser ständiger Begleiter: In Verpackungen oder Kleidung ist der Kunststoff zu finden, ja selbst Kosmetika und Zahnpasta können Mikroplastik enthalten. Doch trotz dieser Übermacht zeigt sich Anika Biel optimistisch, den Kampf gegen das Material gewinnen zu können. „Wir müssen etwas gegen Plastik unternehmen, sonst werden wir daran ersticken“, betont die Recklinghäuserin. „Allerdings muss man klein anfangen.“ Diesen Anfang hat die 36-Jährige gemacht und Ende Mai die Initiative „Der letzte Strohhalm für Recklinghausen“ ins Leben gerufen, der sich immer mehr Unternehmen und Privatpersonen anschließen.
Gut könne sie sich noch daran erinnern, wie die Glühbirne aus den Regalen verschwand. „Damals haben alle Hamsterkäufe getätigt, um im Nachhinein festzustellen, dass die Alternativen besser sind“, so die Ärztin, die im Kreisgesundheitsamt arbeitet. Alles Plastik mit einem Mal zu verbieten, würde auf ähnlichen Widerstand stoßen. „Mit der Aktion möchte ich ein Umdenken einläuten, sodass sich die Menschen fragen, ob sie Plastik – beispielhaft den Strohhalm – wirklich brauchen“, führt Anika Biel weiter aus. Dann würden viele merken, dass sie darauf verzichten könnten und diese Erkenntnis auch in ihren Alltag integrieren. „Der Strohhalm ist nur Deko und die in Folie verpackte Tomate kann man plastikfrei auf dem Markt kaufen.“
Bei dem Besuch eines Fast-Food-Restaurants mit Freunden ist ihr die Idee gekommen. „Zu jedem Getränk haben wir mindestens einen Strohhalm bekommen und keiner von uns hat ihn benutzt“, erinnert sich die Recklinghäuserin. „Wenn man das hochrechnet, landen ständig tausende Strohhalme unbenutzt im Müll.“ Dagegen müsse man doch etwas unternehmen, habe sie sich gedacht. Noch am selben Abend sei ihr dann der Slogan „Der letzte Strohhalm für Recklinghausen“ eingefallen und die Aktion war geboren.
Daraufhin habe sie E-Mails verschickt und auf Facebook sowie Instagram ihre Idee propagiert. Mit Erfolg: Nach etwa drei Monaten beteiligen sich schon rund 30 Unternehmen und über 100 Privatpersonen an der Aktion. „Das Café Helene, die Restaurants Ratskeller und Drübbelken sowie das Hotel Engelsburg sind mit von der Partie“, erklärt Anika Biel stolz. Eine Recklinghäuser Burger-King-Filiale sei ebenfalls dabei und sollte der dortige Feldversuch erfolgreich verlaufen, könnten noch weitere Filialen in der Region folgen. Und als neuesten Mitstreiter hat die Ärztin auch ihren Arbeitgeber für ihre Idee gewinnen können – so sollen nun Plastikhalme und -Rührstäbchen aus dem Kreishaus verschwinden.
Eine komplett plastikfreie Zone herrsche bei Anika Biel zu Hause nicht. „Ich bin kein Übermensch, eher ein Durchschnitts-Öko“, erklärt sie lachend. „Ich verspüre schon die Verpflichtung, dass Machbare auch umzusetzen – Lebensmittel kaufe ich auf dem Markt ein, benutze keine Plastiktüten und entsorge natürlich meinen Müll nicht achtlos in der Umwelt.“
Aber voll und ganz ohne Plastik auszukommen, schaffe sie nicht. „Auf Strohhalme aus Plastik zu verzichten, ist einfach“, erklärt die engagierte Frau, „doch bei anderen Dingen fehlen häufig Alternativen.“ Doch auch hier hofft die 36-Jährige, dass ein Umdenken einsetzt und Plastik in vielleicht fünf Jahren Seltenheitswert erlangen wird.
Ende dieses Jahres solle in jedem Restaurant in Recklinghausen der Gast gefragt werden, ob er einen Strohhalm haben wolle oder nicht – so der Plan. „Man hat mir gesagt, dass dieses Ziel äußerst ambitioniert sei“, erklärt Anika Biel. Aber ohne ambitionierte Ziele komme man nicht weiter. „Und in den Restaurants, die bereits mitmachen, ist der Strohhalm-Verbrauch nach eigenen Angaben um 80 Prozent zurückgegangen – das ist doch ein Erfolg.“

Interessierte, die sich an der Aktion „Der letzte Strohhalm für Recklinghausen“ beteiligen möchten, können sich mit Anika Biel per E-Mail an anikabiel@gmx.de in Verbindung setzten. /Foto: NBM


Investition in den Gesundheitsstandort
MEDIZIN. Grundsaniert und modern eingerichtet – so präsentiert sich die neue Frauenklinik des Klinikums Vest in der Paracelsus-Klinik Marl, die jetzt eröffnet worden ist. Rund drei Millionen Euro hat das Klinikum in die Geburtshilfe investiert. „Das war eine bewusste Entscheidung in einer Zeit, in der auch wieder mehr Kinder geboren werden“, so Klinikum-Vest-Geschäftsführer Peter Hutmacher in seiner Begrüßungsansprache.
In elf Monaten Bauzeit ist eine komplett neue Frauenklinik mit drei modern ausgestatteten Kreißsälen, Familienzimmer mit Bädern und Lounges für Angehörige entstanden. Was werdende Mütter, kommende Babys und natürlich erwartungsfreudige Väter am Lipper Weg zukünftig erwartet, davon überzeugten sich im Rahmen der Eröffnung Mitarbeiter des Hauses, niedergelassene Ärzte, Vertreter aus Politik und Verwaltung, die am Bau der neuen Station beteiligten Baufirmen sowie aktive und ehemalige, Hebammen.
Werner Arndt, Bürgermeister der Stadt Marl und selbst Mitglied im Aufsichtsrat des Klinikums Vest, freut sich über die Runderneuerung und Sanierung der Entbindungsstation. Diese Investition stärke den Gesundheitsstandort Marl und sichere die Gesundheitsversorgung der Bürger. Er betonte, dass die Familien hier optimale Bedingungen für die Geburt ihrer Kinder vorfinden, da ihnen neben einer attraktiven Ausstattung auch ein „engagiertes und professionelles Team aus Ärzten, Hebammen und Pflegekräften zu Seite steht“. Sibylle Borgers, leitende Hebamme, unterstrich in ihrer Rede, wie wichtig die äußeren Umstände für das Wohlbefinden der werdenden Mütter seien und hob besonders die farbliche Gestaltung der Räume und das ausgeklügelte Lichtkonzept hervor, das die Stimmung der Mütter bei der Geburt beeinflusse. Wichtig auch: Das neue Leben der neue Erdenbürger wird ab sofort direkt nach der Geburt mit einem Baby-Security-Bändchen ausgestattet. „Verwechslungen oder gar ungewollte Mitnahmen werden so bestmöglich verhindert“, sagte Borgers.
„Mutter und Kind stehen hier an erster Stelle. Hier wurde an alles gedacht. Wir sind auf dem neuesten Stand der Technik“, zeigte sich Claudia Held, Oberärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe – Brustzentrum, zufrieden mit dem Ergebnis. Denn gleich drei moderne Kreißsäle stehen nun für eine Entbindung bereit. Jeder Kreißsaal kann bei Bedarf umgehend zum Operationssaal umfunktioniert werden. „In einem Notfall kommt es für Mutter und Kind auf jede Sekunde an. Wir können sofort reagieren“, hob Held eine Besonderheit hervor.
Für Schalke-Fans unter den Gästen gab es bei der Eröffnung eine besondere Überraschung. So präsentiert sich das S04-Zimmer in den Farben königsblau und weiß. „Ist sehr, sehr schön geworden“, kommentierte Norbert Vongehr, Stellvertreter des Geschäftsführers und Krankenhausleiter der Paracelsus-Klinik Marl, das Ergebnis. / Foto: Klinikum Vest


Intensive Unterstützung bei der Arbeitssuche
ARBEITSMARKT. „Die Jobakademie ist für uns ein Quantensprung in unserem Dienstleistungsangebot“, erklärt Jobcenter-Leiter Dominik Schad. Das Projekt, das jetzt in Dorsten gestartet ist, soll Menschen, die auf die Unterstützung der Grundsicherung angewiesen sind, frühzeitig und flexibel bei der Vermittlung in Arbeit unterstützen. Die Betreuung der Kunden mit eigenem Jobcenter-Personal werde die Zusammenarbeit mit den Bildungsträgern der Region keinesfalls ersetzen, sondern eher noch intensivieren, so Schad.
Mit insgesamt 30 Job-Coaches und jeweils einer Standortleitung in Dorsten sowie in Kürze in Recklinghausen und Datteln hat die kreisweit tätige Jobakademie jetzt ihre Arbeit aufgenommen. Perspektivisch sollen weitere Standorte in Marl (in 2018) sowie in Gladbeck (Mitte 2019) entstehen.
Das erste Angebot der Jobakademie – die dreimonatige Maßnahme „job:first“ – wendet sich an neue Kundinnen und Kunden, denen direkt mit der Antragsstellung intensive Unterstützung in Einzel- und Gruppen-Coachings angeboten wird: bei der Stellensuche, beim Schreiben von Bewerbungen und der Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche. Bei den zunächst drei Standorten können etwa 2.000 Arbeitsuchende im Jahr an „job:first“ teilnehmen.
„Häufig sind es Unsicherheiten, die für die Menschen, die sich eine neue Arbeit suchen müssen, zu einem Problem werden“, erklärt Nina Franiczek, Standortleiterin in Dorsten. „In unserer Maßnahme geht es zum Beispiel darum, wie man passende Stellenangebote findet und dazu auch im Internet recherchiert. Es geht um gute Bewerbungsunterlagen und darum, eigene Stärken und Fähigkeiten herauszuarbeiten und selbstbewusst im Vorstellungsgespräch zu präsentieren“, so Franiczek weiter. Sollten zusätzliche Qualifizierungen für eine erfolgreiche Vermittlung notwendig sein, könne auch dies durch die Jobakademie organisiert werden.
Erste Anlaufstelle für alle, die Leistungen der Grundsicherung beantragen müssen, bleiben unverändert die Bezirksstellen des Jobcenters in allen zehn kreisangehörigen Städten. Hier können die Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter die für „job:first“ geeigneten Kundinnen und Kunden direkt an die Jobakademie überstellen. Der Standort an der Marienstraße 18 in Dorsten wird darüber hinaus die Angebote des Vermittlungsservices für Arbeitgeber und des Job-points, der bislang an der Lippestraße untergebracht war, bündeln und vernetzen. / Foto: Jobcenter Kreis Recklinghausen


Würdevolles Sterben für unheilbar Kranke
SOZIALES. In Marl unterstützt nun eine neue Stiftung Planung und Aufbau eines Hospizes, des Klara Hospizes. Regierungspräsidentin Dorothee Feller hat jetzt die Anerkennungsurkunde für die „Klara Hospiz – Werner Saake Stiftung“ an den 86-jährigen Stifter Werner Saake übergeben. „Mit der Gründung einer Stiftung kann der Stifter in seinem Sinn ein bestimmtes Anliegen beinahe für die Ewigkeit anstoßen und noch zu Lebzeiten die entscheidenden Impulse geben“, so Feller. „Dabei kann er außerdem etwas zum Wohle der Gesellschaft tun.“
Für Werner Saake ist die Gründung der „Klara Hospiz – Werner Saake Stiftung“ eine Herzensangelegenheit. „Mit dem Hospiz-Gedanken, unheilbar kranken Menschen ein schmerzfreies und würdevolles Sterben zu ermöglichen, fühle ich mich sehr verbunden“, sagte Saake. „Ich möchte daher mit der Gründung der Stiftung das geplante Klara Hospiz in Marl fördern, anderen als Vorbild dienen und so etwas an die Gesellschaft zurückgeben.“
Die Klara-Hospiz-Bewegung besteht seit gut zwei Jahren und plant am Standort Marl die Neuerrichtung eines stationären Hospizes mit zehn Betten für Marl und die umliegenden Städte. Kürzlich hat man sich mit der Stadt Marl auf die Übernahme eines Grundstücks ab Mitte 2019 grundsätzlich verständigt. Für das gleiche Jahr wird auch der Baubeginn angestrebt. Der Förderverein Marl e. V. zählt inzwischen knapp 800 Mitglieder. Die im vergangenen Jahr gegründete Klara Hospiz Marl gGmbH wird Träger des Bauvorhabens. Die Geschäftsführung freut sich über die hilfreiche und großzügige Unterstützung durch Werner Saake.
Die Stiftung ist mit einem Anfangsvermögen von rund 95.000 Euro in Form von Aktien ausgestattet. Dieses Vermögen muss ungeschmälert erhalten bleiben. Zuwendungen sowohl in das Stiftungsvermögen als auch zur zeitnahen Verwendung sind jederzeit möglich. Die „Klara Hospiz – Werner Saake Stiftung“ ist die siebte Stiftung in Marl und die 643. Stiftung im Regierungsbezirk Münster. / Foto: Bezirksregierung Münster


Von „solider Betten- Bilanz“ profitieren
BERUF. Tourismus auf Hochtouren: Rund 167.000 Urlauber und Geschäftsreisende kamen im ersten Halbjahr in den Kreis Recklinghausen. Dabei zählte der Kreis insgesamt 327.000 Übernachtungen in- und ausländischer Gäste. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mit. Die NGG Ruhrgebiet beruft sich dabei auf neue Beherbergungszahlen des Statistischen Landesamtes.
Von der „soliden Betten-Bilanz“ und immer neuen Umsatzrekorden in der Branche sollen jetzt aber auch die Mitarbeiter in Hotels, Pensionen und Restaurants profitieren, fordert die NGG. „Ohne sie wäre der Tourismus-Boom gar nicht vorstellbar“, sagt NGG-Gewerkschaftssekretär Adnan Kandemir. Die Gewerkschaft verlangt in der anstehenden Tarifrunde für das nordrhein-westfälische Gastgewerbe ein Lohn-Plus von sechs Prozent. Davon würden im Kreis Recklinghausen rund 10.080 Beschäftigte profitieren. „Eine gelernte Köchin hätte damit am Monatsende etwa 120 Euro mehr auf dem Lohnzettel“, so Kandemir. Auszubildende sollen in jedem Lehrjahr 100 Euro mehr pro Monat bekommen.
Zugleich verlangt die Gewerkschaft einen „Zukunftsplan“ für das NRW-Gastgewerbe. Kandemir: „Hotels und Restaurants finden mittlerweile kaum noch Fachkräfte. Deshalb muss sich nicht nur an der Bezahlung etwas ändern. Bewährte Mitarbeiter brauchen Karriereperspektiven und faire Arbeitsbedingungen. Betriebe, die vor allem für unbezahlte Überstunden bekannt sind, werden kaum Schulabgänger für eine Ausbildung gewinnen.“
Das nordrhein-westfälische Gastgewerbe beschäftigt nach Angaben der Arbeitsagentur rund 390.000 Menschen. Die Branche verzeichnete zuletzt einen Jahresumsatz von 16 Milliarden Euro. Die Tarifrunde zwischen NGG und Arbeitgebern beginnt am 30. August in Neuss. / Foto: Tobias Seifert / NGG


„Mittelmeer darf nicht zum Totenmeer werden“
SOZIALES. Etwas hat sich verändert, das spürt Helmut Flötotto. Der Flüchtlingsbeauftragte des Bistums Münster beobachtet, wie Deutschland mit Flüchtlingen umgeht und ihr Schicksal diskutiert. „Die niveaulose Diskussion, die vor allem die Unionsparteien geführt haben, ist unsäglich“, stellt er fest, „in den sozialen Netzwerken wird der Tonfall immer rauer. Man diskutiert abfällig über das Überleben von Menschen.“ Flötotto fordert ein Umdenken von Bundesregierung und Europäischer Union (EU) – und Achtsamkeit von jedem einzelnen.
Der jetzigen Diskussion liegen aus Flötottos Sicht zwei Denkfehler zugrunde: „Zum einen hat die deutsche Politik geglaubt, durch die Dublin-Verträge der EU auf der sicheren Seite zu sein, sich mit Fluchtursachen nicht auseinandersetzen zu müssen.“ Zum anderen sei Globalisierung keine Einbahnstraße: „Europa schöpft Vorteile durch weltweite Märkte ab, lässt aber Menschen außer acht, vor allem die, die zu den Verlierern der Globalisierung zählen“, kritisiert Flötotto, „gerade die Kirche mit ihren internationalen Hilfswerken weiß um die weltweiten Auswirkungen der Globalisierung, die uns in Deutschland oft gar nicht so bewusst sind.“
Vor diesem Hintergrund sei es fatal, dass die Bundespolitik das Engagement für Flüchtlinge aus dem Jahr 2015 nicht aufgreift, sondern vermehrt auf Abschottung setzt. „Ich habe große Bedenken dagegen, zentrale Flüchtlingslager unter zweifelhafter Leitung anzulegen“, sagt Flötotto, „und wenn wir Menschen durch die Wüste zurückschicken in ihr Herkunftsland, verlagern wir nur das Sterben, sodass wir es nicht mehr mitbekommen.“ Außerdem werde durch diese Politik das rechte Parteienspektrum gestärkt.
Das oft geforderte Einwanderungsgesetz für Deutschland hält Flötotto für wünschenswert – wenn es verantwortungsbewusst gestaltet wird: „Denn wenn wir gute Fachkräfte dauerhaft abwerben, ist Deutschland damit geholfen, den Herkunftsländern nicht“.
Ebenso wie Deutschland sieht der Flüchtlingsbeauftragte die EU in der Pflicht. „Das Grundprinzip Europas, Aushängeschild für Humanität zu sein, wird derzeit über Bord geworfen“, beklagt er und fordert: „Die EU-Mitgliedsstaaten müssen gemeinsam eine Flüchtlingspolitik erarbeiten, deren Kern nicht Abschottung ist, sondern die Schutz und würdige Behandlung bietet und die Mittelmeeranrainerstaaten nicht allein lässt.“ Langfristig müsse die EU faire Handelsbeziehungen zu den Herkunftsländern der Flüchtlinge aufbauen, anstatt etwa Altkleider oder Handelsüberschüsse an afrikanische Staaten zu liefern und so deren Märkte kaputt zu machen. Außerdem müsse die zu klein angelegte Entwicklungshilfe ebenso ausgebaut werden wie die Seenotrettung der EU: „Das Mittelmeer darf nicht zum Totenmeer werden.“ / Foto: PBM


Nächster Schritt zum „MarktQuartier“
ZENTRUM. Das ehemalige Karstadt-Gebäude an Markt und Schaumburgstraße erhält zukünftig eine komplett neue Nutzung (Kurier zum Sonntag berichtete). Im „MarktQuartier“ sollen neben einem Hotel, betreutem Wohnen, Gastronomie, Einzelhandel und Büros auch eine Kindertagesstätte untergebracht werden. Damit wird ein inzwischen zwei Jahre währender Leerstand der Immobilie beendet.
Um die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die Realisierung des Projektes im Herzen der Altstadt zu schaffen, führt die Stadt ein Bebauungsplan-Verfahren durch. Der Ausschuss für Stadtentwicklung hat in seiner Sitzung am 4. Juni die Durchführung der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit gemäß § 3 Absatz 1 Baugesetzbuch beschlossen. In diesem ersten Planungsschritt werden Interessierte über die allgemeinen Ziele und Zwecke der Planung und deren Auswirkungen informiert. Dazu findet am Dienstag, 28. August, eine Informationsveranstaltung im ehemaligen Karstadt-Warenhaus statt. Beginn ist um 18 Uhr.
Wer sich vorab informieren möchte: Die Planunterlagen zum „MarktQuartier“ liegen außerdem im Fachbereich Planen, Umwelt, Bauen, im Erdgeschoss des Technischen Rathauses am Westring 51, in der Zeit vom 20. August bis 21. September zur Einsichtnahme aus: montags bis mittwochs und freitags von 8 bis 13 Uhr und donnerstags von 8 bis 18 Uhr. Dort besteht Gelegenheit zur Äußerung und Erörterung. Es besteht auch die Möglichkeit, einen Termin für die Einsichtnahme mit Birgit Kohlhaas, der zuständigen Mitarbeiterin des Fachbereichs, unter ( (02361) 50-23 90 zu vereinbaren. Stellungnahmen können schriftlich oder zur Niederschrift abgegeben werden. Darüber hinaus können Bürgerinnen und Bürger im oben genannten Zeitraum die Planunterlagen unter www.recklinghausen.de/bplan abrufen. Dort können Stellungnahmen auch online abgegeben werden.
Eine weitere Beteiligungsmöglichkeit für die Öffentlichkeit soll folgen, wenn ein weiter ausgearbeiteter Entwurf des Bebauungsplans vorliegt. Die dann vorgebrachten Anregungen werden gesammelt und, wenn erforderlich, in den Bebauungsplanentwurf eingebracht. Voraussichtlich im Frühjahr 2019 soll das Bebauungsplan-Verfahren abgeschlossen sein. / GRS Beteiligungen GmbH


Senioren sind willkommen
MEDIZIN. Im März wurde die Geriatrische Tagesklinik im Gesundheitszentrum an der Paracelsus-Klinik in Marl eröffnet, deren Dienste ab sofort für Versicherte aller Krankenkassen zugänglich sind. Im ersten Stockwerk des Gesundheitszentrums ist eine moderne Einrichtung in ansprechender Optik entstanden, in der Menschen akutmedizinisch und rehabilitativ behandelt werden.
„Wir freuen uns, dass wir unser geriatrisches Angebot erweitern und komplettieren konnten“, sagt Dr. med. Ludger Springob, Chefarzt des Zentrums für Altersmedizin. Die Geriatrische Tagesklinik hat somit das vollstationäre Versorgungsangebot der Klinik für Geriatrie erweitert. Sie stellt die Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Versorgung dar und ergänzt die hausärztliche Betreuung.
Willkommen sind Seniorinnen und Senioren, die nicht mehr stationär behandelt werden müssen, die aber für ambulante Reha-Maßnahmen noch nicht „geeignet“ sind. Also Patientinnen und Patienten, bei denen ein weiterer akutmedizinischer Behandlungsbedarf besteht – zum Beispiel nach einem chirurgischen Eingriff – und die teilstationär in der neuen Tagesklinik versorgt werden können.
Zielgruppe sind ältere, meist über 70-Jährige, multimorbide, also mehrfacherkrankte Patienten mit funktionellen Beeinträchtigungen. Also Menschen, die durch akute oder auch durch chronische Erkrankungen in ihrer häuslichen Selbstständigkeit gefährdet sind. „Unsere Patienten sollten Alltagsaktivitäten wie zum Beispiel das Aufstehen und Waschen selbstständig oder mit Hilfe bewältigen können und noch körperlich und psychisch belastbar sein“, beschreibt Chefarzt Ludger Springob weitere Voraussetzungen.
Jeden Morgen von Montag bis Freitag startet der Betrieb um 9 und endet um 15 Uhr. In dieser Zeit werden Physio- und Ergotherapie sowie Logopädie angeboten. Die reine Therapiezeit beträgt täglich zwischen 60 bis 90 Minuten. Natürlich erhalten die Seniorinnen und Senioren während ihres Aufenthaltes auch Mittagessen und Kaffee.
In einer großzügigen Küche, die in die Tagesklinik integriert wurde, haben die Patienten zudem die Gelegenheit, in Vergessenheit geratene Kochkünste neu zu beleben und selbst zu kochen. In großzügigen Ruheräumen, die mit speziellen, altersgerechten Liegen ausgestattet sind, können die Patienten entspannen. Ein Gruppenraum lädt zum Spielen, zu Gesprächen und Abwechslung ein.
Und natürlich: Ärzte, Therapeuten und Pflegefachkräfte betreuen die Patienten. Ziel der Behandlung in der geriatrischen Tagesklinik ist es, eine vollstationäre Behandlung zu vermeiden und die krankheitsbedingt eingeschränkte Selbstständigkeit wieder herzustellen. Gesundheit und Wohlbefinden, Mobilität und geistige und körperliche Vitalität sollen die Patientinnen und Patienten ebenfalls wieder erlangen.
Nach Angaben von Chefarzt Dr. med. Ludger Springob dauert eine Behandlung in einer Geriatrischen Tagesklinik durchschnittlich zehn Tage. Der Hin- und Rücktransport zur Geriatrischen Tagesklinik, Lipper Weg 11 in Marl, erfolgt durch einen Fahrdienst. / Foto: Klinikum Vest GmbH


Engagieren und nicht nur einfach wegfahren
SOZIALES. „Das wird noch spannend, denn ich spreche kein Spanisch“, gibt Moritz Altenburger lachend zu. Der Recklinghäuser hat sich jetzt gemeinsam mit vier weiteren Freiwilligen auf den Weg nach Mexiko gemacht. Ein Jahr lang wird er dort für das Bistum Münster in einem sozialen Projekt mitarbeiten.
In dem 600 Einwohner zählenden Dorf Cardonal wird der 18-Jährige die Gemeinde in der Jugendarbeit unterstützen und gemeinsam mit dem Pfarrer und der Haushälterin im Pfarrhaus leben. „Ich konnte beide bereits während des Katholikentags in Münster kennenlernen, als das Bistum das 50-jährige Bestehen der Partnerschaft mit dem Bistum Tula gefeiert hat“, berichtet der Recklinghäuser.
Für Altenburger war klar, dass er sich nach dem Abitur ein Jahr im Ausland engagieren möchte. „Mir ist es wichtig, mich zu engagieren und nicht einfach nur wegzufahren“, berichtet er von seiner Motivation. Auf die Idee, nach Mexiko zu fahren, hätten ihn Propst Jürgen Quante und Pfarrer Dr. Detlef Ziegler gebracht. „Beide haben mir viel über die Projekte erzählt. Auch die ehemaligen Freiwilligen haben über ihre Zeit in den Gemeinden nur Gutes berichtet“, erzählt er.
Auf die Arbeit vor Ort freut sich Altenburger. „Ich werde beispielsweise Gruppenstunden mit den Messdienern organisieren und habe auch die Freiheit, weitere Angebote zu machen“, informiert er. Die Messdiener- und Jugendarbeit sind ihm nicht fremd, denn er ist in der Gemeinde St. Elisabeth in Recklinghausen den klassischen Weg vom Messdiener bis in die Leiterrunde gegangen. „Auch habe ich in einem Jugendzentrum mitgearbeitet. Ich fühle mich in der Jugendarbeit wohl und es macht mir viel Spaß“, fügt er hinzu. Um mit den Kindern ins Gespräch zu kommen, möchte Altenburger einen Fußball mitnehmen. „Ich spiele selbst gern, und man hat sofort ein gemeinsames Thema“, weiß er.
Wahrscheinlich wird sich auch seine Familie auf den Weg machen, um ihn zu besuchen. „Ebenso haben ehemalige Freiwillige ihren Besuch angekündigt“, berichtet Altenburger. Über seine Erlebnisse wird der 18-Jährige in einem eigenen Blog unter der Adresse moritzmexico.blogspot.com berichten. Und das Problem mit der Sprache löst sich bestimmt auch schnell. Denn nach der Ankunft in Mexiko besucht er gemeinsam mit den anderen zunächst einen vierwöchigen Sprachkurs. „Alles andere wird sich sicherlich ergeben“, ist Altenburger zuversichtlich und freut sich auf das, was ihn rund 9300 Kilometer von Zuhause entfernt erwartet.  pbm/mek / Foto: Bischöfliche
Pressestelle/Michaela Kiepe



Buntes Laufevent am Kanal
AKTION. Der Schleusenlauf Ende Juni war nicht nur ein Laufevent, sondern entwickelte sich zu einem bunten Fest für Jung und Alt. Über 1.000 Läuferinnen und Läufer ließen sich auf den Strecken von vielen Zuschauern feiern und der Sportplatz des TV Datteln 09 am Dattelner Meer bot für die ganze Familie ein breites Programm. Die große Resonanz spiegelt sich nun auch in der Spendensumme wieder: Jeweils 7.500 Euro wurden nun dem Kinderpalliativzentrum und der Spendenorganisation WeSeeHope übergeben.
„Wir sind unglaublich stolz und glücklich, dass der „Schleusenlauf“ so gut verlaufen ist. Der Tag blieb ohne große Verletzungen oder sonstige Vorfälle und verlief, bis auf ein paar Kleinigkeiten, problemlos“, so die beiden Initiatoren Kathrin Schopp und Georg Brauckmann-Berger, die vor genau einem Jahr mit den Planungen des „Schleusenlauf“ gestartet sind.
Noch größer war die Freude, als jetzt die Spendensumme feststand. Diese setzt sich aus Startgeldern der Läuferinnen und Läufer und Sponsorengeldern heimischer Unternehmen, Erlösen von Ständen sowie Sonderspenden zusammen. Das Kinderpallliativzentrum in Datteln ist damit in der Lage, eine neue Rollstuhlschaukel auf ihrem Gelände anzuschaffen, welche in den nächsten Wochen aufgebaut wird.
„Von der ersten Minute an waren wir beeindruckt, mit wie viel Professionalität und Herzblut die beiden Initiatoren dieses grandiose Benefizevent auf die Beine gestellt haben. Mit ihrer Begeisterung haben sie nicht nur uns, sondern ganz viele Menschen in unserer Region angesteckt. Mit der Rollstuhlschaukel können auch die gehbehinderten Patienten ganz neue Sinneserfahrungen machen und einfach Spaß haben. Die Vorfreude darauf ist riesig“, so Nicole Sasse, Geschäftsstellenleitung des Freundeskreis Kinderpalliativzentrum Datteln.
Die Spendenorganisation WeeSeeHope ist ebenfalls überwältigt von der Spende und kann damit weitere Projekte in Afrika z.B. in Uganda anstoßen, wo gerade jungen Waisenkindern mit wenig Mitteln geholfen wird, trotz schwieriger Umstände, ein eigenständiges Leben zu führen.
„Wir danken den Initiatoren und allen, die den ersten Schleusenlauf zu einem überwältigenden Erfolg gemacht haben. Mit ihren Spenden ermöglichen die Teilnehmer und Läufer des Schleusenlaufes, dass WeSeeHope die Ausbildung und den Schutz von über 65.000 Waisenkinder in über 200 der ärmsten Gemeinden Südost-Afrikas weiter ausbauen kann“, so Christof Majer, Vorstand von WeSeeHope.
Den „Schleusenlauf“ unterstützten neben der RTL-Moderatorin Inka Bause auch die drei Bürgermeister des Ostvest mit ihren Familien. Nicoles Moenikes – Bürgermeisterin der Stadt Waltrop vertrat bei der Spendenübergabe ihre beiden Amtskollegen: aus Datteln Andre Dora und aus Oer-Erkenschwick Carsten Wewers: „Der erste Schleusenlauf im Ostvest war eine ganz wunderbare Veranstaltung und hat mir und vielen Bürgerinnen und Bürgern im Ostvest ganz hervorragend gefallen. Mein besonderer Dank geht an die Initiatoren Kathrin Schopp, Georg Brauckmann-Berger und die Helferinnen und Helfer, die über viele Monate mit sehr großem Einsatz und Herzblut diese Charity-Veranstaltung organisiert haben. Alle hatten, denke ich, viel Spaß an diesem Tag und das Wunderbare war, alle waren Gewinner: die Teilnehmer, die Organisatoren und nicht zuletzt WeSeeHope und das Kinderpalliativzentrum Datteln.“
Zufrieden zeigte sich auch die Geschäftsführung des TV Datteln 09, die den Lauf mit Ihrem Sportplatz direkt am Kanal zur Verfügung gestellt hat. Dabei konnten sie sich auch auf die Anrainer verlassen, die zwar an dem Tag die Zugangswege zu Ihren Grundstücken nicht nutzen konnten, dies aber sofort unterstützt haben.
„Die Bereitschaft vieler Personen und Institutionen, diese super Veranstaltung zu unterstützen, insbesondere die ansässigen Vereine, die an diesem Tag Ihr Sportgelände nicht direkt erreichen konnten, waren ein Beleg für ein sportliches Miteinander“, sagte Roland Köster, Vorstandsvorsitzender TV Datteln 09. / Foto: NBM


erlin trifft auf Algerien
STADTGARTEN. Mit einem Doppel-Konzert endet am kommenden Donnerstag, 2. August, die Reihe „Odyssee – Musik der Metropolen“ im Stadtgarten. Zum Abschluss spielen die Bands Il Civetto und Sabâ.
Il Civetto steht für eine bunte Mixtur aus Saxophon und Snare-Drum, Ukulele und Gitarre, Cajon und Klarinette, Bass und Bongos sowie einem Percussion-Set. Als Straßenband 2010 gestartet, entwickelte sich Il Civetto schnell zur angesagten Partyband in Berlin. Mit einem Sprachmischmasch aus Spanisch, Arabisch, Französisch, Jiddisch und etwas Deutsch erzählen sie Geschichten, die von der Reiselust der Musiker aus der Hauptstadt erzählt. Il Civetto spielen einen Soundmix aus Latino-Rhythmen, Balkan-Beats, Gypsy-Swing, Flamenco und Klezmer. Beim Konzert im Stadtgarten treffen die Berliner Weltenbummler erstmals auf die franko-algerischen Musiker von Sabâ. Hier geht der Stilmix von Il Civetto mit den rauen, melancholischen Klängen von Sabâ eine Fusion ein, die erstmals auf den Bühnen des Ruhrgebiets präsentiert wird.
Die franko-algerische Combo um Malik Ziad, heute in Marseille zu Hause, vereint orientalische und moderne westliche Klangfarben von Oud, Mandoline, Akkordeon, Percussion und Gesang. Eine fremd klingende Melange zeichnet die Kompositionen und Arrangements aus, verhaftet in der Tradition, aber mit poetischem Gespür und raffinierten Interpretationen.
Los geht das Konzert um 19.30 Uhr, der Eintritt ist frei. / Foto: bear tv


Maximal acht Stunden am Tag arbeiten
RATGEBER. Vier Wochen lang kellnern und das Taschengeld aufbessern: Viele Jugendliche im Kreis Recklinghausen starten jetzt mit dem Ferienjob. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) gibt Schülern den Tipp, sich dabei auch über ihre Rechte zu informieren.
„Wer zwischen 15 und 17 Jahre alt ist, der darf maximal acht Stunden am Tag und 40 Stunden in der Woche arbeiten. Jugendliche, die länger als sechs Stunden täglich im Restaurant oder an der Bäckertheke jobben, haben außerdem Anspruch auf eine Stunde Pause“, sagt Adnan Kandemir von der NGG Ruhrgebiet. „Allein 750 Gastro-Betriebe gibt es im Kreis Recklinghausen – ein großer Teil von ihnen suche noch Saisonkräfte“, schätzt Kandemir.
Die Gewerkschaft rät, einen schriftlichen Arbeitsvertrag zu machen. „Darin sollten Aufgaben, Arbeitszeiten und Lohn ganz klar geregelt sein“, sagt Kandemir. Der NGG-Gewerkschaftssekretär kritisiert hierbei, dass 15- bis 17-Jährige noch immer vom gesetzlichen Mindestlohn ausgenommen sind. „Doch auch Schüler sollten mindestens die überall vorgeschriebenen 8,84 Euro pro Stunde bekommen. In Restaurants und Gaststätten müssten es sogar 9,25 Euro sein – so hoch ist nämlich der NRW-Mindestlohn für das Gastgewerbe.“
Ebenfalls wichtig: Riskante Arbeiten, etwa mit Gefahrstoffen, sind für Ferienjobber nach dem Jugendschutzgesetz tabu. Wenn doch einmal etwas passiert, dann greift die Unfallversicherung des Arbeitgebers. Der Schutz gilt ab dem ersten Arbeitstag und auch für den Weg zur Arbeit und zurück nach Hause. Zudem ist der Ferienjob klar begrenzt – für Schüler auf vier Wochen im Sommer. „Denn am Ende sind die Ferien ja auch zur Erholung da“, so Kandemir.
Jobangebote finden Jugendliche zum Beispiel unter www.schuelerjobs.de. Wer volljährig ist, kann auch die Online-Börse der Arbeitsagentur nutzen: www.jobboerse.arbeitsagentur.de.  NGG / Foto: Tobias Seifert/NGG


Das Umfeld der Halde Hoheward neu gestalten
FREIZEIT. Der Regionalverband Ruhr (RVR) hat von der Bezirksregierung Münster einen Förderbescheid über knapp 3,2 Millionen Euro für seinen „AktivLinearPark“ erhalten. Mit dem Projekt will der RVR das südliche Umfeld der Halde Hoheward an der Stadtgrenze von Herten und Recklinghausen neu gestalten.
Um die Halde Hoheward zukünftig aus allen Himmelsrichtungen erreichen zu können, soll der an der Südflanke gelegene Haldenfuß als Linearer Park neu definiert werden. Der Entwurf sieht den Bau eines Fuß- und Radweges inklusive barrierefreier Spiel-, Sport-, Lern- und Ruhemöglichkeiten vor. Hierbei soll den Besucherinnen und Besuchern der Umgang mit Natur und Historie spielerisch vermittelt werden.
Bei der Planung wurde insbesondere auf die Erhaltung der vorhandenen Industrienatur und -kultur wertgelegt. Hierzu soll die in Ost-West-Richtung verlaufende ehemalige Bahntrasse über eine Länge von rund 1,5 Kilometern zwischen Herten (Hohewardstraße) und Recklinghausen (Wanner Straße) erschlossen werden. Für das Projekt ist eine Bauzeit von 36 Monaten vorgesehen, beginnend im Herbst 2018. Die Gesamtkosten für das Projekt belaufen sich auf 3,9 Millionen Euro.
Seit 2004 realisiert der Regionalverband Ruhr das Gesamtprojekt Landschaftspark Halde Hoheward. Hierzu wurden 2006 mithilfe von Fördermitteln Grundstücke der Ruhrkohle AG (RAG) erworben, im Wesentlichen die Halde an sich. Der Erwerb von Grundstücken für das Projekt „AktivLinearPark“ wird fortgesetzt, sodass bei einer angenommenen Nutzungsdauer von 30 Jahren der Erhalt der Flächen in öffentlicher Hand gesichert ist.
Das Entwicklungskonzept sah vier Bauabschnitte vor. Drei Bauabschnitte wurden bis 2015 fertiggestellt. Der vierte Bauabschnitt konnte wegen Auslaufen des alten Förderprogrammes nicht mehr realisiert werden. Hier setzt das Projekt „AktivLinearPark“ an, wodurch die umlaufende Ringpromenade als Fuß- und Radweg fertiggestellt wird, aus der sich eine durchgehende Verbindung am Haldenfuß ergibt. Die Finanzierung erfolgt über das Förderprogramm „Grüne Infrastruktur“ im Rahmen des Integrierten Handlungskonzeptes „Emscherland 2020“. / Foto: Bezirksregierung Münster


Migenas Familie soll bleiben dürfen
SOZIALES. „Erst haben wir bitterlich geweint. Aber dann war klar, dass wir etwas machen müssen“, sagt eine Mitschülerin von Migena Cela. Die Mädchen umarmen sich. Auch die anderen Schulfreundinnen, die wie die 18-Jährige am Alexandrine-Hegemann-Berufskolleg in Recklinghausen eine Ausbildung zur staatlich geprüften Gymnastiklehrerin im vergangenen Jahr begonnen haben, stehen ihr zur Seite. Die gesamte Jahrgangsstufe 11 hat einen Stein ins Rollen gebracht.
Die Mitschülerinnen und Mitschüler der 18-Jährigen setzen sich ein, damit die angekündigte Abschiebung ihrer Eltern und ihres elfjährigen Bruders ausgesetzt wird. „Migena ist mit ihrer Familie 2015 aus Albanien nach Deutschland gekommen, damit ihr Bruder medizinisch behandelt werden kann. Als besonderes ‚Geschenk‘ zu ihrem 18. Geburtstag hat die Familie einen Brief erhalten. Darin stand, dass ihre Eltern und ihr Bruder Deutschland verlassen müssen. Sie dürfe bleiben, da sie eine Ausbildung begonnen habe“, fasst Gregor Rüter, Schulleiter an dem bischöflichen Berufskolleg, die Geschehnisse zusammen. Der Asylantrag war abgelehnt worden. „Rechtlich ist die Situation geklärt, denn Albanien gilt als sicheres Herkunftsland. Auch sei die medizinische Versorgung für den Bruder gewährleistet, heißt es. Das liest sich in der Krankenakte allerdings anders“, merkt Rüter an. Auch wenn die Entscheidung rechtlich unstrittig sei, menschlich sei sie eine Tragödie. „Dem müssen wir entgegenwirken“, betont der Schulleiter und fügt hinzu: „Gerade als Schule in kirchlicher Trägerschaft müssen wir Menschen in Not und Verzweiflung beistehen. Umso mehr freue ich mich, dass sich unsere Schülerinnen und Schülern auf vielfältige Weise für die Familie engagieren.“
Als die Mitschülerinnen und Mitschüler von den Problemen der 18-Jährigen erfuhren, fackelten sie nicht lange. Sie setzten eine Petition ins Internet, die bislang rund 500 Unterschriften verzeichnet. Gemeinsam mit der Elternschaft, dem Kollegium und der Schulleitung richteten sich die jungen Menschen in einem ausführlichen Brief an Landtags- und Bundestagsabgeordnete. „Der Vater ist Fliesenleger, die Mutter Schneiderin. Beide würden sicherlich schnell einen Job finden. Aber sie dürfen aufgrund ihres Status nicht arbeiten. Die Kinder sprechen ein hervorragendes Deutsch. Sie haben viele Freundschaften. Es ist ein wunderbares Beispiel für eine gelingende Integration“, konkretisiert Rüter die Situation.
„Wir wollten die Entscheidung nicht einfach so hinnehmen, denn wir finden es unmenschlich, wenn Familien auseinandergerissen werden“, sagt ein Mitschüler. Migena war das Engagement ihrer Klasse anfangs etwas unangenehm. Doch inzwischen ist sie sehr glücklich über die Unterstützung. „Wenn meine Eltern und mein Bruder gehen müssen, dann gehe ich mit. Ich könnte es nicht ertragen, wenn sie in Albanien in Armut leben müssten und mir ginge es in Deutschland gut. Wenn wir hierbleiben könnten, dann ….“ Ihre Stimme bricht weg. Für so viel Glück fehlen ihr im Moment die Worte.
Nun hoffen alle Beteiligten, dass sich ihr Engagement auszahlt. „Wir haben es nicht zu hoffen gewagt, dass wir so viel Unterstützung erhalten. Wir sind total dankbar“, sagt ein Mitschüler. Auch der Schulleiter hofft auf ein gutes Ende. „Damit die jungen Menschen erleben, dass sich ihr Einsatz für andere lohnt und sie merken, dass sie etwas bewirkt haben.“ Und Migena? Sie ist überwältigt von der Hilfsbereitschaft und betont: „Ich mache das nicht für mich allein, sondern für meine Eltern und meinen kranken Bruder, der in Albanien nicht behandelt werden kann.“  Foto: pbm/mek


„Vor allem nachhaltige Arbeit leisten“
SOZIALES. In die Region Ruvuma, im äußersten Süden Tansanias an der Grenze zu Mosambik gelegen, verirrt sich kaum ein Fremder. Die touristischen Zentren des ostafrikanischen Landes – Serengeti, Kilimandscharo oder die Insel Sansibar – sind hunderte Kilometer weit entfernt. Die Bevölkerung hier besteht zumeist aus armen Bauern. Die flächendeckende Stromversorgung befindet sich erst im Aufbau, Wasser muss mühselig aus Brunnen geschöpft werden und „die Medizin hinkt 50 Jahre hinter der unseren zurück“, erklärt Dr. Werner Jax.
Seit mehr als 17 Jahren engagiert sich der ehemalige Chefarzt des Marien-Hospitals Marl für die Region. Durch die „Tansania Hilfe Litembo“ unterstützen er und die Katholischen Kliniken Ruhrgebiet Nord (KKRN) seit rund einem Jahrzehnt das Diocesan Hospital Litembo samt 18 Außenstellen, bauen es zu einer funktionierenden Klinik aus, die rund 400.000 Menschen versorgt. Unterstützung erhalten sie dabei vom Marien-Hospital Marl und dem Rotary Club Recklinghausen-Haard. Hilfe zur Selbsthilfe, lautet die Devise.
„Anders als in vielen anderen afrikanischen Ländern sind die politischen Verhältnisse in Tansania stabil, sodass wir dort gute und vor allem nachhaltige Arbeit leisten können“, erklärt Jax. Lediglich medizinische Geräte in die Region zu liefern, habe schließlich keinen Nährwert. „Man braucht auch ein Team, das mit dem Equipment umgehen kann“, so der Mediziner. Man wolle eben nicht nur Technik, sondern auch sein Wissen importieren.
Der Staat bietet in der vorwiegend christlich geprägten Region, fast doppelt so groß wie Nordrhein-Westfalen, lediglich eine medizinische Basisversorgung an. „Früher sind ganze Dörfer an HIV, Malaria und Tuberkulose gestorben“, erinnert sich Jax. „Heute kann man dieses ‚Trio‘ flächendeckend behandeln, sodass beispielsweise auch HIV-Patienten dank nun erhältlicher Medikamente überleben können.“
Das Diocesan Hospital Litembo, in den 1960er-Jahren von der deutschen Ärztin Dr. Irmel Weyer gegründet, wird von der katholischen Diözese Mbinga getragen – Partnerdiözese der Diözese Würzburg, die die „Tansania Hilfe“ finanziell unterstützt. Es liegt in dem Dorf Litembo, verfügt über 320 Betten und beschäftigt rund 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Auch hier stand anfangs die Sicherung der Basisversorgung im Fokus. Mittlerweile sind allerdings weitere Schritte eingeleitet worden: So wurde beispielsweise ein Verwaltungsrat für das Krankenhaus gegründet, um die Finanzen auf eine stabile Basis zu stellen, und afrikanische Ärzte wurden und werden in Deutschland weitergebildet. „In diesem Jahr fahren wir mit drei Ärzten und zwei Intensiv-Schwestern des Marien-Hospitals dorthin, um das Personal vor Ort in Ultraschall zu schulen“, führt Dr. Werner Jax näher aus. Eine flächendeckende Ultraschallversorgung schwebt dem Mediziner langfristig vor. „Die Technik ist günstig und vielseitig einsetzbar, sodass man zum Beispiel mögliche Komplikationen einer Schwangerschaft frühzeitig erkennen und so die Mutter-Kind-Versorgung erheblich verbessern könnte.“
Unterstützung erhält Dr. Werner Jax jetzt auch von Audium Hörsysteme Senft aus Recklinghausen, einer Marke von Vitakustik. „Wir spenden Hörgeräte für die Internatsschule St. Vincent in Ruhuwiko, einem Dorf in unmittelbarer Nähe zur Provinzhauptstadt Songea“, erklärt Filialleiter Sebastian Senft. „Dort werden fast 160 Kinder mit Hörschädigung unterrichtet.“ Die insgesamt 80 gebrauchten Geräte stammen von Kundinnen und Kunden der Vitakustik-Gruppe in ganz Deutschland. „Wir haben die Geräte geprüft, generalüberholt und gereinigt, sodass sie jetzt wieder voll funktionsfähig sind und nach Tansania verbracht werden können“, erklärt der Hörakustik-Meister.
Die Schule St. Vincent wurde 1988 mit Unterstützung des Hilfswerks Misereor gegründet und wird von der Ordensgemeinschaft der Barmherzigen Schwestern des Hl. Vinzenz von Paul geleitet. „Zwar verfügt die Schule über Lehrpersonal, das in Gebärdensprache unterrichten kann“, erklärt Dr. Werner Jax. „Hörgeräte haben sie allerdings nicht – diese Spende bedeutet für die Einrichtung einen Quantensprung.“ Und dank einer Partnerschaft mit einer Hörgeschädigten-Schule im Baden-Württembergischen Schwäbisch Gmünd ist auch dafür gesorgt, dass die Geräte fachgerecht angepasst werden. „Aktuell sind dort drei Schwestern aus Tansania in der Ausbildung“, so Jax.
Für das Krankenhaus in Litembo erhofft sich Dr. Werner Jax, „dass wir langsam unsere finanzielle Unterstützung zurückfahren können“. Was allerdings den fachlichen Austausch betrifft, wolle man sich weiterhin unvermindert engagieren. „Unsere Kollegen in Tansania verfügen über schnelles Internet, schneller als in so manchen Regionen Deutschlands“, erklärt der Mediziner. „Telemedizin wäre da ein probates Mittel.“ So könnte beispielsweise ein Röntgenbild eingescannt und an einen Arzt in Deutschland geschickt werden, der die Mediziner vor Ort bei der Diagnose unterstützen könnte. Ferner soll die Fortbildung der Ärzte immer weiter ins Land selbst verlagert und ein im vergangenen Jahr gestartetes Mobil-Klinik-Programm weitergeführt werden. Langfristig soll dann die Klinik auf eigenen Füßen stehen. Alles getreu der Devise: Hilfe zur Selbsthilfe. 
INFO: Der Verein „Tansania Hilfe Litembo“ finanziert sich überwiegend über Spenden. Interessierte können Spenden überweisen auf das Konto: Volksbank Marl-Recklinghausen, IBAN: DE 69 4266 1008 0502 811 700, Stichwort: Tansania Hilfe Litembo. Alle Spenden sind vom zuständigen Finanzamt als gemeinnützig anerkannt und daher steuerlich abzugsfähig. Weitere Informationen im Internet unter www.tansania-hilfe-litembo.de. / Foto: André Przybyl



Geoinformationen zum Anfassen
KREIS/RE. Dreidimensionale Geo-Daten und dreidimensionaler Druck sind in der Praxis angekommen: Landrat Cay Süberkrüb und die Schulleiterin des Recklinghäuser Max-Born-Berufskollegs, Simone Holl (vorne), haben jetzt im Beisein von weiteren Vertretern des Berufskollegs und des Kreises einen Kooperationsvertrag für eine Zusammenarbeit im Bereich Geo-Information und Vermessung unterschrieben. Künftig können so maßgenaue Gebäudemodelle erstellt werden. Die Zusammenarbeit soll einen Technologietransfer zwischen Lehre und Verwaltung aufbauen und dem Unterricht sowie der Ausbildung zusätzlich einen stärkeren Praxisbezug geben. Darum sind auch Praktika, Workshops und konkrete gemeinsame Projekte Bestandteil der Kooperation.  —Foto: Kreis RE


Schleusenlauf feiert gelungene Premiere
SCHLEUSENLAUF. Über 1.000 Läuferinnen und Läufer gingen am vergangenen Sonntag beim ersten Dattelner Schleusenlauf rund um den Dattelner Hafen an den Start. Das Initiatoren-Gespann, Kathrin Schopp und Georg Brauckmann-Berger, hatte in kürzester Zeit aus einem „Läufer-Traum“ eine tolle Veranstaltung für den guten Zweck aus dem Boden gestampft. Sämtliche Startgelder fließen zwei renommierten wohltätigen Projekten zu: Dem Kinderpalliativzentrum an der Vestischen Kinder- und Jugendklinik und „We see hope“, eine gemeinnützige Organisation, die afrikanische Waisenkinder unterstützt. „Wir sind natürlich überwältigt von dem positiven Zuspruch“, erklärt Georg Brauckmann-Berger voller Stolz. „Aber ohne die vielen Helfer und Sponsoren wäre das alles nicht möglich gewesen“, so der Organisator weiter. Die Teilnehmer, die über 800 Meter, zwei, sechs und zehn Kilometern an den Start gehen konnten, zeigten sich bei bestem Laufwetter ebenfalls sehr zufrieden. Unterstützt wurden die Teilnehmer auch durch Inka Bause (auf dem Foto r.), TV-Moderatorin und Botschafterin der Kinder- und Jugendklinik. Auch die Bürgermeister der Städte Datteln, Waltrop und Oer-Erkenschwick gingen an den Start. „Das ist wirklich eine tolle Veranstaltung und eine super Werbung für unsere Stadt“, so Dattelns Bürgermeister André Dora.  —Foto: nbm


 
Schulden schrumpfen
FINANZEN. Die Städte und Kreise im Ruhrgebiet hatten 2017 weniger Schulden als noch im Jahr zuvor. Auf insgesamt 25,4 Milliarden Euro summierten sich die Verbindlichkeiten Ende 2017. Das waren mit ungefähr 600.000 Euro 2,3 Prozent weniger als 2016. Damit sank die Verschuldung in der Region analog zu der aller NRW-Kommunen.
Statistisch gesehen war jeder Bürger im Ruhrgebiet mit 5.160 Euro verschuldet. Damit war die durchschnittliche Pro-Kopf-Verschuldung zwar um 1,7 Prozent geringer als 2016, aber um 46,6 Prozent höher als vor zehn Jahren.
Der Kreis Recklinghausen war 2017 mit rund 2,8 Millionen Euro verschuldet. Im Vergleich zu 2016 ist damit die Verschuldung um 4,2 Prozent gesunken, verglichen mit dem Jahr 2007 allerdings um 31,1 Prozent gestiegen. Fleißigster „Schuldenabbauer“ unter den Kreisstädten war Marl, das seine Verbindlichkeiten im Vergleich zum Vorjahr um 8,5 Prozent auf 267.474 Euro reduzieren konnte. In Oer-Erkenschwick waren dagegen die Schulden gestiegen – um 6,1 Prozent auf 149.793 Euro.

Vesthalten statt Wegwerfen
RECKLINGHAUSEN. Der neue Vestbecher ist da. Ganz in grün und unter dem Motto „Vesthalten statt Wegwerfen“ stellen die Kommunalen Servicebetriebe Recklinghausen (KSR) den umweltfreundlichen Becher für den „Coffee to go“ ab sofort für Bäckereien und andere Kaffeeanbieter in Recklinghausen zur Verfügung.
„Mit dem Vestbecher wird unsere Stadt umweltfreundlicher“, sagt der Technische Beigeordnete Norbert Höving. „Er besteht aus natürlichen Materialien, vermeidet Müll und spart Ressourcen – ein praktischer und zugleich schicker Mehrwegbecher für unterwegs.“ Der Vestbecher besteht aus Lignin, das ist ein Holzbestandteil, der bei der Papierherstellung anfällt. Ein bisher nicht genutztes Nebenprodukt wird damit zum Rohstoff für den Vestbecher. „Das ist Ressourcenschutz von Anfang an“, sagt KSR-Betriebsleiter Uwe Schilling. So ist der Vestbecher vollständig biologisch abbaubar, zu 100 Prozent aus natürlichen Rohstoffen, recyclingfähig, für heiße und kalte Getränke geeignet, spülmaschinenfest sowie bruch-, kratz- und stoßfest.
Den Vestbecher kann man entweder für zwei Euro Pfand ausleihen – und somit wieder abgeben oder einfach immer wieder benutzen. Silikondeckel und Manschette kann man für 2,50 Euro dazu kaufen. Weitere Informationen unter www.zbh-ksr.de. / Foto: Stadt RE


Entlastung für städtische Haushalte
FINANZEN. Das Jobcenter Kreis Recklinghausen entlastet die Haushalte der zehn kreisangehörigen Städte um insgesamt 10,3 Millionen Euro, die aus dem Haushaltsjahr 2017 zurückfließen. Denn das Jobcenter brachte im vergangenen Jahr mehr Frauen und Männer in Arbeit als erwartet.
Damit sank die Zahl der Menschen, die einen Anspruch auf die von den Städten getragene Übernahme der Miet- und Heizkosten haben. Positiv wirkten sich auch die allgemeine Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt sowie die in 2017 nicht so stark wie prognostiziert gestiegenen Mieten aus.
Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften, die auf Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende angewiesen sind, ging in 2017 insgesamt zwar nur leicht von 38.491 auf 38.339 zurück. Dies sei zurückzuführen auf den Zuwachs von Menschen mit Fluchthintergrund, die nun Anspruch auf SGB-II-Leistungen haben, erläutert Jobcenter-Leiter Dominik Schad. „Für die Zugewanderten übernimmt allerdings der Bund die Kosten für Miete und Heizung in voller Höhe. Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften, bei denen die Städte diese Kosten zum überwiegenden Teil tragen, haben wir im vergangenen Jahr um knapp 1.700 reduziert“, so Schad weiter.
Die positiven Entwicklungen seien bei der Aufstellung des Jobcenter-Haushaltes für 2017 im Frühjahr 2016 so nicht vorhersehbar gewesen. „Sie zeigen aber, dass eine Verbesserung der Situation der auf die Grundsicherung angewiesenen Menschen im Kreis umgehend in den Städten zu einer spürbaren Entlastung bei den Sozialausgaben führt“, erklärt der Jobcenter-Leiter. Davon können jetzt, mit dem vorläufigen Rechnungsergebnis für 2017, anteilig alle kreisangehörigen Städte profitieren. / Foto: Jobcenter Kreis Recklinghausen


Neubau statt Sanierung
VERWALTUNG. Das alte Kreishaus wird nicht saniert. Das hat der Kreistag in seiner Sitzung am 11. Juni mit 34 zu 30 Stimmen beschlossen. Stattdessen soll ein neuer Sitz der Kreisverwaltung am Ossenbergweg zwischen Hauptbahnhof und Campus Vest in Recklinghausen entstehen, der rund 120 bis 180 Millionen Euro kosten soll.
Damit habe sich der Kreistag für die wirtschaftlichste Variante entschieden, heißt es in einer Pressemitteilung des Kreises. Ein Wirtschaftlichkeitsvergleich der Kreisverwaltung hatte zuvor ergeben, dass der Neubau etwas günstiger ausfallen würde als die grundlegende Sanierung des Bestandsgebäudes. Ferner vorteilhaft sei bei dieser Variante der Verzicht auf eine Zwischenlösung, denn es sei nur ein Umzug der Verwaltung notwendig. Darüber hinaus könne mehr Fläche eingespart werden, da der Grundriss neu geplant werde und nicht an vorhandene Strukturen gebunden sei. In den Neubau integriert sollen auch Nebenstellen der Kreisverwaltung wie das Straßenverkehrsamt in Marl werden, die zum Teil ebenfalls sanierungsbedürftig sind.
Mit dem Beschluss hat der Kreistag die Verwaltung beauftragt, das europaweite Verfahren zur Vergabe der Planungs- und Bauleistungen an einen Gesamtunternehmer einzuleiten und durchzuführen. Außerdem soll der Grunderwerb unter Einbeziehung des Bestandsgrundstücks finanzwirtschaftlich sichergestellt werden. Diese Schritte werden nun von der Verwaltung auf den Weg gebracht.
Zweifel, ob der Neubau wirklich die sinnvollste und wirtschaftlich nachhaltigste Lösung für den Kreis und seine zehn Städte sei, hatten zuvor die Bürgermeister der Städte Recklinghausen, Dorsten, Haltern am See, Herten sowie Oer-Erkenschwick und die Bürgermeisterin Waltrops geäußert. „Aus unserer Sicht ist die Argumentation nicht stichhaltig, dass ein kaum 40 Jahre altes Kreishaus nicht mehr effektiv saniert werden kann – ein Neubau aber über die üblichen 80 Jahre, also eine doppelt so lange Zeitspanne, abgeschrieben werden soll“, so die Stadtoberhäupter in einem Brief an Landrat Cay Süberkrüb und die Mitglieder des Kreistags./ Foto: NBM


„Theater muss ein Fest für alle sein“
INTERVIEW. Als „Krisenmanager“ ist Frank Hoffmann zu den Ruhrfestspielen gekommen. Ende 2004 war das, als sein Vorgänger Frank Castorf im selben Jahr mit lediglich 22.000 Besuchern ein desolates Ergebnis eingefahren hatte und das Theaterfestival am Abgrund stand. Der Neuanfang gelang und Hoffmann bescherte den Ruhrfestspielen in der Folge Besucherrekorde, hob das Fringe Festival aus der Wiege und leitet das Recklinghäuser Theaterfestival nun seit 14 Jahren – so lange wie keiner seiner Vorgänger. Doch nach dieser Spielzeit ist Schluss für den Luxemburger, verlässt Hoffmann Recklinghausens „grünen Hügel“.
Ein Gespräch über den schmerzlichen Abschied, wie die Ruhrfestspiele seine Einstellung zum Theater verändert haben und das Geheimnis seines Erfolgs.

Herr Hoffmann, Sie hören auf. Diese Festspiele sind die letzten unter Ihrer Intendanz. Warum jetzt?
Hoffmann: Ich bin ursprünglich angetreten, um die Ruhrfestspiele aus der Krise zu führen. Auf zwei Jahre war mein Vertrag zunächst angelegt. Im Laufe der Zeit wurde dieser dann vier Mal verlängert. Das Ende des Steinkohlebergbaus in diesem Jahr ist eine Zäsur für die Region und auch für die Ruhrfestspiele. Menschen aus anderen Landesteilen werden das nur schwer verstehen, aber dieser Einschnitt hat eine symbolische Dimension. Es schien mir einfach der geeignete Zeitpunkt zu sein, um mich zu verabschieden.

Fällt Ihnen der Abschied schwer?
Hoffmann: Frohen Herzens gehe ich natürlich nicht. Dieser Schritt ist schmerzlich und es schwingt eine große Portion Wehmut mit. Ich muss mir einen Teil aus meiner Seele reißen, um hier loslassen zu können. Dennoch ist es richtig. Es ist besser zu früh zu gehen, als zu spät.
Sie waren 14 Jahre lang Intendant der Ruhrfestspiele. Was hat Sie so lange hier gehalten?
Hoffmann: (überlegt) Die Ruhrfestspiele sind für mich das spannendste Festival Deutschlands geworden. Wir haben Spielstätten, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und ein Programm, das vom großen Schauspiel bis zum schrägen Fringe alle Gattungen des Theaters zeigt. Außerdem habe ich das beste Team der Welt. Kluge und hoch motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die schnell arbeiten und mitdenken – das ist ein Geschenk für jeden Festivalleiter. Obendrein ist die Region bezaubernd und warmherzig und ich habe die meisten Menschen hier ins Herz geschlossen. Und dann natürlich das Festspielhaus, eingebettet in den Park… Was kann man mehr verlangen? Ich musste mich nicht selber überreden, um immer weiter zu machen.

Unter Ihrer Leitung sind die Ruhrfestspiele von einem Besucherrekord zum nächsten geeilt. Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?
Hoffmann: Ich habe von Anfang an dem Publikum die Hand gereicht und es hat sie genommen. Gleich zu Beginn hatten wir 2005 ein Programm auf die Beine gestellt, das – trotz der kurzen Vorbereitungszeit – sicherlich nicht das schlechteste in der Geschichte der Ruhrfestspiele war. Schon darauf ist das Publikum eingegangen. Mir schien es, als hätten die Menschen nur auf jemanden gewartet, der Ihnen die Tür öffnet und sie hereinbittet. Im Laufe der Jahre sind dann sowohl wir als auch unser Publikum immer mutiger geworden – wir haben uns parallel entwickelt. Die Zuschauer haben uns nie im Stich gelassen und haben auch moderne und hoch komplizierte Produktionen angenommen. Darin liegt der Erfolg begründet.

Hat die Arbeit bei den Ruhrfestspielen Ihre Einstellung zum Theater verändert?
Hoffmann: (überlegt) Ja, ich glaube schon. Als Kind habe ich ein besonderes Gefühl im Bauch bekommen, wenn sich der Vorhang hob, ein Stück begann. Theater war für mich immer ein Ereignis, ein Erlebnis, das mich berührt hat. In Recklinghausen habe ich darüber hinaus gelernt – und auch immer daran gearbeitet –, dass Theater ein Fest für alle sein muss, das die Menschen mitnimmt, so viele wie möglich. Für mich sind die Ruhrfestspiele nicht nur das größte Fest der Stadt, sondern der gesamten Region und darüber hinaus. Dabei ist nicht eine steife Veranstaltung in Abendgarderobe gemeint, sondern ein Fest, das zwar auch prunkvoll sein kann, aber immer herzlich bleibt. Außerdem bringt das Publikum den Schauspielerinnen und Schauspielern hier eine große Liebe entgegen, die ich so nur an wenigen Orten kenne.

Ihre Nachfolge wird Olaf Kröck antreten. Gibt es etwas, das Sie ihm mit auf den Weg geben möchten?
Hoffmann: Ich kann nur sagen, dass die Ruhrfestspiele ein Juwel sind, mit dem man behutsam umgehen muss.

Muss dieses Juwel noch geschliffen werden oder hat es schon den nötigen Schliff?
Hoffmann: Das kann ich nicht entscheiden.     André Przybyl / Foto: André Przybyl (Archiv)

Die Zukunft gemeinsam entwickeln
WETTBEWERB. Nach Phase zwei folgt Phase drei – das erhofft sich zumindest der Kreis Recklinghausen, wenn es um den Wettbewerb Zukunftsstadt geht. Am Ende des zweiten Abschnittes sind die Projektverantwortlichen nun angelangt und stellen ihre bisherigen Ergebnisse, aber auch die Pläne für die Bewerbung um Phase drei vor.
„Wie sehen Städte und Kreise von morgen aus?“ – um diese Frage geht es im Wettbewerb Zukunftsstadt, der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Der Kreis Recklinghausen hat sich bereits in einer ersten Runde mit 51 Kreisen und Kommunen durchgesetzt und beendet als eine von insgesamt 20 Kommunen aktuell die zweite Runde.
Eine attraktive Region für Fachkräfte, Bildung und Kultur für alle, soziale Sicherheit und ein gute Pflegesituation in einer Gesundheitsregion – diese positive Vision ist es, die sich der Kreis im Jahre 2030 wünscht. „Wir können die Zukunft nur gemeinsam gestalten. Darum ist es gut, dass wir mit vereinten Kräften schon vieles auf einen guten Weg gebracht haben“, sagt Landrat Cay Süberkrüb. „Das Projekt Zukunftsstadt lebt genau von dieser Idee, dass die Zukunft unserer Region gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern entwickelt wird“, führt er weiter aus.
Gelingen soll dies über die ausgewählten Zukunftsfelder „Digitalisierung als Chance“, „Beste Bildung für alle“, „Vielfalt als Markenzeichen“ und „Altengerechte Quartiere“, in denen seit 2015 insgesamt 2.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in 33 Bürger- und Expertenworkshops arbeiteten. Konkrete Ideen sind das Ergebnis, mit dem es in der dritten Phase weitergehen soll. In sogenannten „Reallaboren“ können diese mit der Förderungssumme im letzten Abschnitt des Wettbewerbs umgesetzt werden.
„Das ‚Haus der Ideen‘ ist das Herzstück der erarbeiteten Ideen, in dem alle Zukunftsfelder gebündelt werden“, berichtet Dr. Richard Schröder, Fachbereichsleiter Gesundheit, Bildung und Erziehung des Kreises. Was sich hinter diesem Begriff versteckt? „Ein barrierefreies Gebäude, in dem es in allen Etagen um das Thema Digitalisierung geht. Geschaffen werden so neue Formen des Lernens miteinander und voneinander – von Jung und Alt, Einheimischen und Zuwanderern, Menschen mit Beeinträchtigung und ohne.“ Teil dieses Hauses könnte zum Beispiel eine digitalisierte Mensa sein, ein Medienzentrum, ein Kreativlabor für Jugendliche, eine kleine Bücherei oder auch ein Beratungszentrum für verschiedene Zielgruppen.
Daneben gibt es weitere Ideen, die in naher Zukunft verwirklicht werden könnten. PhänomexX-Schülerlabore, außerschulische Lernorte mit dem Schwerpunkt auf MINT-Fächern, an mehreren Standorten im Kreis zum Beispiel.
Oder eine Neustrukturierung der Datenbank www.weiter-mit-bildung.de, Fortbildungen für Frühkindliche Medienbildung sowie ein Internationales „SchultheaterVestival“ könnten realisiert werden.
„Die Bewerbung für die dritte Phase wird gerade erstellt. Nun heißt es Daumen drücken, dass unser Konzept und unsere Ideen für die Zukunft des Kreises die Jury überzeugen“, fasst Dr. Schröder zusammen. / Foto: Kreis RE


Ein Brunnen für ein Dorf
HERTEN. Mehrere Stunden müssen junge Mädchen zu Fuß gehen, um für die Familie Wasser zu besorgen. Meist in viel zu schweren Eimern. „Im Norden und Osten von Äthiopien ist es relativ trocken und nicht so fruchtbar, da ist es oft schwierig, Trinkwasser zu finden“, sagt Dejene Eticha, der selbst aus Äthiopien kommt, in Hannover promoviert hat und inzwischen in Dülmen lebt. Gemeinsam mit dem Brunnenhof in der Ried setzt er sich dafür ein, dass in dem Dorf Kersa, in dem 300 bis 400 Familien leben, ein Brunnen gebaut wird.
Der Brunnenhof lädt am Sonntag von 9 bis 18 Uhr zum Brunnenfest mit Essen und Trinken ein. Es gibt unter anderem Spargel, Suppen und äthiopischen Kaffee, den Etichas Frau zubereitet. „In Äthiopien trinken wir Kaffee in Gesellschaft, mit zwei oder drei Nachbarn“, erklärt der 42-Jährige. Das sei jedoch nicht nur ein Kaffeeklatsch, sondern vielmehr ein Informationsaustausch – vor allem früher, wo nicht jeder Fernsehen oder Internet hatte.
Besucher des Festes können den Brunnenbau in Kersa unterstützen. Eine Spendenbox steht am Sonntag auf dem Hof bereit. 200 bis 300 Familien könnten durch einen Brunnen versorgt werden, der ungefähr 10.000 Euro kostet, schätzt Eticha.
„Von jedem Kilo Spargel der verkauft wird, gehen jeweils zwei Euro an das Brunnenprojekt“, sagt Bauer Dirk Große-Streuer. Ein Kilogramm von dem Edelgemüse kostet derzeit je nach Sortierung zwischen fünf und zehn Euro. Mindestens spendet der Brunnenhof jedoch 3000 Euro. „Wir sind immer auf der Suche nach neuen Projekten mit möglichst persönlichem Kontakt, damit wir genau wissen, wo das Geld landet“, betont Große-Streuer.
Mit dem Brunnenbau in Kersa würde auch die Bildung der Kinder in dem Dorf unterstützt werden. „Dort muss jeder in der Familie mithelfen, auch die Kinder“, sagt Eticha. „Einige können deshalb nicht in die Schule gehen, weil sie die Aufgaben erledigen müssen.“ / Foto: NBM/Engels


Digitalisierung soll Region voranbringen
WIRTSCHAFT. Die Bezirksregierung Münster fördert drei Projekte aus dem Programm „Umbau 21 – Smart Region“ mit 5,1 Millionen Euro. „Die Digitalisierung und innovative Wirtschaftsprojekte werden die Emscher-Lippe-Region voranbringen“, erklärte Regierungspräsidentin Dorothee Feller jetzt bei der Übergabe der Förderbescheide im Recklinghäuser Kreishaus.
Beim Projekt „Emscher-Lippe-Thingsnet – Internet of Things (IoT) für die Emscher-Lippe-Region“, eine Kooperation des Evangelischen Kirchenkreises Recklinghausen und der IST planbar GmbH, soll ein Daten-Netzwerk für kleine Datenmengen und große Entfernungen aufgebaut und exemplarisch mit Mess-Sensoren – beispielsweise Verkehrsdaten – ausgerüstet werden. Im Rahmen des Projektes „Emscher-Lippe4 – Digitalisierung erleben im Lern- und Demonstrationslabor für Innovation, Integration, Transfer und Bildung“ der Hochschule Ruhr West (HRW) soll durch die HRW in Kooperation mit sieben Weiterleitungsmittelempfängern eine High-Tech-Werkstatt aufgebaut werden. Für das Projekt „RegHUB – Smart Social Solutions“ kooperiert die Gesellschaft für Beruf und Bildung e.V. mit dem Diakonischen Werk im Kirchenkreis Recklinghausen gGmbH und der Bergischen Universität Wuppertal. Hauptziel ist es, Menschen mit Beeinträchtigungen durch die Entwicklung innovativer digitaler Lern- und Assistenzsysteme zu befähigen, in Werkstätten und Betrieben der Region ihre Arbeitsplätze zu sichern und auszubauen.


Bedenkenlos baden
FREIZEIT/UMWELT. Die Qualität der Badegewässer im Ruhrgebiet ist sehr gut. In der jährlichen Untersuchung der NRW-Gesundheitsämter schneiden 14 der 16 überprüften Seen und Strandbäder in der Region mit dem Prädikat „ausgezeichnet“ ab – so auch der Badeweiher in Marl sowie das Seebad und der Silbersee II in Haltern.
In ganz Nordrhein-Westfalen wurde fast allen der mehr als 100 untersuchten Badegewässer eine ausgezeichnete Qualität bescheinigt. Die nach EU-Kriterien bewerteten Seen werden während der Badesaison mindestens alle vier Wochen untersucht.
Die neue Badestelle in der Ruhr am Seaside Baldeney in Essen wurde noch nicht bewertet. Ein Urteil wird erst vergeben, wenn in vier aufeinanderfolgenden Jahren eine gleichmäßige Wasserqualität nachgewiesen werden konnte. Ein weiteres Gewässer, das Naturfreibad Bettenkamper Meer in Moers, erhielt die Wertung „gute Wasserqualität“. Weitere Informationen unter www.badegewaesser.nrw.de. / Foto: pixabay.com/ Tetzemann


Neubau oder Komplettsanierung?
VERWALTUNG. Vom Brandschutz über die Technik bis zur Fassade – das Recklinghäuser Kreishaus ist in die Jahre gekommen, die Liste der Mängel an dem Gebäude dementsprechend lang. Am 11. Juni entscheidet nun der Kreistag, was mit der 1979 errichteten Immobilie geschehen soll. Dabei reichen die Möglichkeiten von einer Komplettsanierung bis zu einem Neubau am Ossenbergweg in Recklinghausen.
Nur in wenigen Teilbereichen wie der Eingangshalle und einzelnen Sitzungsräumen wurde das Kreishaus in den vergangenen fast vier Jahrzehnten technisch überarbeitet. Entsprechend umfangreich stellt sich nun der Sanierungsbedarf dar, der an dem 32.000 Quadratmeter großen Gebäude festgestellt worden ist: So sei aktuell die Betriebssicherheit aufgrund von Brandschutzmängeln erheblich eingeschränkt. Die elektrische Infrastruktur sei ebenso veraltet und sanierungsbedürftig wie die EDV-Verkabelung, die Lüftung, die Toiletten sowie Dach, Fenster und Fassade, die zum Teil sogar nicht mehr reparaturfähig seien. Und der Teppichboden aus dem Jahr 1979 stelle gar ein Gesundheitsrisiko dar.
Experten der Kreisverwaltung haben nun gemeinsam mit externen Beratern die wirtschaftlichste Lösung erarbeitet und verschiedene Sanierungs- und Neubauvarianten untersucht. Bei den allesamt flächenreduzierten Varianten würde die Sanierung über Jahrzehnte finanziert werden, was für die einzelnen Kreisstädte eine konstante Belastung mit sich brächte. Dabei kann der Kreis auch aus seiner eigenen Liquidität schöpfen. Ferner könnten durch die Flächenreduzierung Nebenstellen der Kreisverwaltung aufgegeben werden, bei denen zum Teil auch erheblicher Sanierungsbedarf besteht.
Die Beschlussvorlage stand bereits auf der Tagesordnung des Ausschusses für Landschaftsplanung, Umweltfragen und Bauangelegenheiten am 30. Mai. Am 4. Juni berät der Kreisausschuss zu dem Thema. Eine abschließende Diskussion und Beschlussfassung steht dann am 11. Juni im Kreistag an.
INFO: Informationen rund um die Sanierungs-Notwendigkeit, die politischen Beschlüsse seit 2007 und einige Fragen und Antworten gibt es ab sofort auf der Internetseite der Kreisverwaltung unter www.kreis-re.de. Die Vorlage für die aktuelle Sitzungsfolge ist auf der Seite ebenso hinterlegt wie die Stellungnahme des Personalrats und ein Schreiben der Stadt Recklinghausen zum möglichen Neubau-Standort. / Foto: NBM


Große Feier zum zehnten Geburtstag
RECKLINGHAUSEN. Zehn Jahre ist es her, dass die Kommunalen Servicebetriebe Recklinghausen – kurz KSR – gegründet worden sind. Am 1. Januar 2008 wurden die Technischen Dienste und der Entsorgungsbetrieb Recklinghausen zu dieser neuen schlagkräftigen Einheit zusammengeführt.
Am 16. Juni 2018 soll der runde Geburtstag gefeiert werden: mit einem großen Familienfest und vielen Informationen, Attraktionen und natürlich auch Leckereien. „Ich gratuliere den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der KSR zum Zehnjährigen und muss sagen, dass ich jedes Mal aufs Neue fasziniert bin von dem Gebäude, das auch nach zehn Jahre immer noch sehr modern und funktional ist“, sagt Bürgermeister Christoph Tesche.
Für alle Recklinghäuser Bürgerinnen und Bürger gibt es am 16. Juni von 11 bis 16 Uhr rund um den Zentralen Betriebshof ein volles Programm. So werden zum Beispiel die unterschiedlichen Fahrzeuge ausgestellt – und nicht nur das: Eine Rundfahrt mit einem Müllwagen und eine Hubsteigerfahrt werden ebenfalls angeboten. „Wir freuen uns jetzt schon, den Bürgerinnen und Bürgern am Tag der offenen Tür zu zeigen, welche Leistungen wir anbieten“, sagt KSR-Leiter Uwe Schilling. „Außerdem werden wir, soweit möglich, alle Fragen beantworten. Es ist also eine gute Chance für die Bürgerinnen und Bürger, alles zu fragen, was sie immer schon einmal über die KSR oder den Betriebshof wissen wollten.“
Abfallberatung, Abfallentsorgung, Baumkontrollen, Baumschnitt, Baumschutz, Containerdienst, Forst, Friedhofsverwaltung, Grün- und Straßenunterhaltung, Hundetoiletten, Müllabfuhr, Mülltonnen bestellen/abbestellen, Problemabfälle, Sperrmüll, Straßenreinigung, Tierpark, Umweltbrummi, Winterdienst: „Daran sieht man schon: Die KSR haben viele Aufgaben, und alle dienen dem Ziel, ein sauberes und gepflegtes Stadtbild zu erzielen“, sagt der Technische Beigeordnete Norbert Höving. „Die Pflege und die Entwicklung des Tierparks ist eine Sonderaufgabe, die ebenfalls engagiert wahrgenommen wird, damit diese Attraktion für Jung und Alt angeboten werden kann.“
Alle Bereiche werden am Tag der offenen Tür zu sehen sein. So werden auch Technikfreunde voll auf ihre Kosten kommen, denn die KSR-Mitarbeiter geben einen Einblick in die Werkstätten. Kinder können sich auf der Hüpfburg, auf einer großen Rutsche, im Sandkasten und auf vielen weiteren Spielgeräten austoben.
Außerdem wird ein Wettbewerb um den besten Straßenkehrer veranstaltet und jeder kann ausprobieren, ob er Bälle in Mülltonnen schießen kann. Beim Umweltpfad gibt es Tipps für den heimischen Garten, Bastelfreunde können Vogelhäuser bauen. Für Speisen und Getränke ist gesorgt. / Foto: Stadt RE


18 neue Staatsbürger im Kreis Recklinghausen
GESELLSCHAFT. In Waltrop haben am Montag 18 Frauen und Männer mit der Einbürgerungsurkunde ihre deutsche Staatsbürgerschaft erhalten.
Landrat Cay Süberkrüb begrüßte die neuen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger. „Die Einbürgerung zu beantragen, ist ein wichtiger Schritt. Das zeigt den Willen, die eigene Zukunft in dem Land zu gestalten, in dem man zukünftig leben will“, sagte Süberkrüb.
Vier der Eingebürgerten kommen aus Waltrop, sechs aus Datteln, fünf aus Oer-Erkenschwick und drei aus Haltern am See. Die neuen deutschen Staatsbürger sind zwischen 21 und 66 Jahren alt, elf von ihnen sind 30 Jahre oder älter.
Sie stammen aus insgesamt sieben verschiedenen Nationen, darunter Syrien, Polen, Russland und die Türkei. Acht der neuen Staatsbürger sind im Kreis Recklinghausen geboren. / Foto: Kreis RE


Meilensteine des Emscher-Umbaus
KREIS/REGION. Im September dieses Jahres – neun Jahre nach dem ersten Spatenstich – plant die Emschergenossenschaft, den Abwasserkanal Emscher (Foto) schrittweise im Abschnitt zwischen Dortmund und Bottrop in Betrieb zu nehmen – und damit auch im Kreis Recklinghausen. Laut Vorstandsvorsitzendem Dr. Uli Paetzel „wird dies einer der größten Meilensteine in der Geschichte des Emscher-Umbaus sein“. 
 Auf einer Länge von 35 Kilometern wird nach und nach das Emscher-Abwasser in den Abwasserkanal Emscher (AKE) eingeleitet werden. Der Fluss wird dadurch in den kommenden Jahren immer sauberer.
Insgesamt 10.661 Rohr-Elemente mit Innendurchmessern zwischen 1,60 und 2,80 Metern und einem Gesamtgewicht von 213.747 Tonnen sind hier verlegt worden. Neben dem Abwasserkanal Emscher zwischen Dortmund und Bottrop sollen im Herbst auch die beiden in rund 40 Meter Tiefe liegenden Abwasser-Pumpwerke in Gelsenkirchen und Bottrop in Betrieb genommen werden. In diesen Teil des modernsten Abwasserkanals Europas hat die Emschergenossenschaft mehr als eine halbe Milliarde Euro investiert.
Der Abwasserkanal beginnt in Dortmund in einer Tiefenlage von rund acht Metern unter der Geländeoberkante und sinkt mit einem stetigen Gefälle von 1,50 Metern je Kilometer bis zu 40 Meter tief in die Erde ab. Es war unumgänglich, Pumpwerke zwischenzuschalten, die das Abwasser wieder aufwärts befördern. Ohne sie hätte der Kanal bei Dinslaken eine Tiefe von rund 80 Metern erreicht. Insgesamt gibt es drei neue große Pumpwerke in Bottrop, Gelsenkirchen und Oberhausen. Der AKE wird zunächst nur bis Bottrop schrittweise in Betrieb gehen, da der Abschnitt bis zur Kläranlage Bottrop inklusive der beiden Pumpwerke bereits fertiggestellt ist. Im westlichen Abschnitt bis Dinslaken arbeitet die Emschergenossenschaft derzeit noch sowohl an den letzten drei Kilometern des AKE sowie am letzten AKE-Pumpwerk in Oberhausen. Diese Abschnitte werden voraussichtlich 2020 fertiggestellt, sodass der gesamte Kanal mitsamt allen drei Pumpwerken voraussichtlich 2020/ 2021 in Betrieb gehen kann.
Mit der schrittweisen Inbetriebnahme des AKE bis Bottrop wird auch der Emscher-Fluss zwar schrittweise sauberer – dies kann sich jedoch über mehrere Monate hinziehen. Die weitestgehende Abwasserfreiheit in der Emscher werde laut Emschergenossenschaft nach der vollständigen Inbetriebnahme des AKE 2020/2021 erreichet werden.
Seit 1992 plant und setzt die Emschergenossenschaft den Emscher-Umbau um, in den über einen Zeitraum von rund 30 Jahren prognostizierte 5,266 Milliarden Euro investiert werden. Diese Kosten werden zu rund 80 Prozent von den Mitgliedern der Emschergenossenschaft getragen, von Bergbau, Industrie und Kommunen. Knapp 20 Prozent steuern das Land NRW und die EU über Fördermittel bei. / Foto: Stefan Kuhn/EGLV  —Rupert Oberhäuser/EGLV


„Mit Kritikern habe ich kein Problem“
KULTUR. Frauen meuchelnder Serienmörder, alternder Weiberheld – John Malkovich hat bei den Ruhrfestspielen eine erstaunliche Karriere hingelegt. In „The Music Critic“, am kommenden Montag im Ruhrfestspielhaus zu sehen, setzt er diese nun fort, schlüpft der US-Schauspieler in die Rolle von Vertretern einer Zunft, die ebenfalls umstritten sind: die Kritiker.
Er habe mit Kritikern kein Problem, sagt John Malkovich. „Sie haben ihre Meinung, ich habe meine.“ So einfach ist das. Vielmehr freue er sich über Kritik. „Wenn gute Freunde oder Kollegen mir ihre Perspektive schildern, schätze ich das sehr – sowohl privat als auch beruflich.“
Vor nunmehr acht Jahren machte der Hollywood-Mime den Ruhrfestspielen erstmals seine Aufwartung. In „The Infernal Comedy“ spielte er seinerzeit den Serienmörder Jack Unterweger, der als Gefängnis-Literat Berühmtheit erlangte. Ein Jahr später, 2011, erklomm Malkovich dann ein zweites Mal Recklinghausens „grünen Hügel“, um in „The Giacomo Variations“ den alternden Casanova zu geben.
„Bei den Ruhrfestspielen hatten wir immer eine gute Zeit“, erinnert er sich. „Beide Produktionen hatten hier die meisten Aufführungen hintereinander – und ein Stück verbessert sich schneller, wenn man es mit einer gewissen Kontinuität spielt.“ So könne man entscheiden, wo man stehe, was gut und was verbesserungswürdig sei und was man verändern müsse. „Deshalb war Recklinghausen für uns eine wichtige Station.“
In „The Music Critic“ steht Malkovich nun ein drittes Mal bei den Ruhrfestspielen auf der Bühne. Der Komponist und Geiger Aleksey Igudesman hat dafür eine Kollektion grandioser Fehlurteile der Musik-Geschichte zusammengetragen – vom unbegabten Bastard Brahms über den Dilettanten Schuhmann bis hin zum völlig überschätzten Beethoven.
Zu Musik der Kritisierten leiht Malkovich den Verrissen seine Stimme, um schließlich im Finale aus „The Malkovich Torment“ zu lesen – einer Sammlung voller Schmähungen der eigenen Schauspielkunst. „Aleksey hat mir seine Idee in Wien eröffnet, wo ich gerade an einer anderen klassischen Musikproduktion gearbeitet habe“, erinnert sich der 64-Jährige. „Ich fand das Konzept von Anfang an ausgezeichnet – es ist sowohl witzig als auch aufschlussreich.“
Allen drei Stücken gemein, in denen Malkovich bei den Ruhrfestspielen auf der Bühne stand oder stehen wird, ist die Musik. Schon in „The Infernal Comedy“ strangulierte er seine Opfer zu klassischen Klängen. Und in „The Giacomo Variations“ sang er gar selbst. „Ich liebe Musik“, erzählt er. Aber Musiker wolle er doch lieber nicht werden. „Dafür braucht man Talent und ich sehe keinerlei Anzeichen dafür, dass ich dieses jemals hatte.“ Da schauspielere er doch lieber weiter, führe Regie und produziere Filme. „Gerade Theater mag ich, weil es organisch und flüchtig ist.“ Davon brauche er keine Aufzeichnung. „Ich weiß, was passiert ist und das ist gut genug für mich.“
Ob er erneut zu den Ruhrfestspielen zurückkehren wird? „Ich hoffe“, erklärt John Malkovich. „Aber wer weiß schon, was die Zukunft bringt – wir werden sehen.“/ Foto: NBM(Archiv)


„Nachhaltige Bereicherung für den Chemieverbund“
WIRTSCHAFT. Der Chemiekonzern INEOS Phenol plant den Bau einer Anlage im Chemiepark Marl, in der Cumol – ein Kohlenwasserstoff – produziert werden soll. Das hat das international tätige Unternehmen mit Hauptsitz in der Schweiz jetzt bekannt gegeben. Die endgültige Entscheidung solle allerdings erst Ende des Jahres fallen. Zuvor soll eine Studie technische Anforderungen und Kosten des Projekts ermitteln.
Die Anlage, die laut Unternehmen 2020 ihren Betrieb aufnehmen könnte, soll die Versorgungssicherheit der INEOS-Werke in Gladbeck und Antwerpen verbessern. Ferner würde das neue Werk in die BP-Raffinerie in Gelsenkirchen eingebunden werden. Der Stofftransport zwischen Marl, Gladbeck und Gelsenkirchen soll via bereits vorhandener Pipelines erfolgen.
Marls Bürgermeister Werner Arndt begrüßt die Pläne. „Das Investitionsinteresse unterstreicht die Attraktivität des Chemieparks“, so Arndt. Der Bau der neuen Anlage würde zusätzliche Arbeitsplatze schaffen und so die Beschäftigung in der Stadt und der Region stärken. „Das geplante INEOS-Investment wäre eine nachhaltige Bereicherung für den Chemieverbund in der Emscher-Lippe-Region“, zeigt sich das Stadtoberhaupt überzeugt.
Bereits im Frühjahr hatte der Chemiekonzern EVONIK eine 400-Millionen-Euro-Investition für Marl und die Erweiterung der Polyamid-12-Produktion angekündigt. Auch der Kunststoff-Recycler ALBA baut derzeit im Chemiepark, investiert Millionen und schafft somit neue Arbeitsplätze.

Begegnung  auf Augenhöhe

AUSTAUSCH. „WOZA“ – „komm, mach mit“ – heißt ein Projekt des Recklinghäuser Max-Born-Berufskollegs mit seiner Partnerschule Shongwe Boarding School Driekoppies in Südafrika. Dabei besuchten zunächst acht Schüler aus Recklinghausen Südafrika, um dort gemeinsam mit südafrikanischen Schülern die Wäscherei einer Internatsschule zu renovieren. Nun waren acht südafrikanische Jugendliche nach Recklinghausen gekommen, um hier ihre beruflichen Kenntnisse zu erweitern und zu vertiefen. Die Schulpartnerschaft soll den südafrikanischen Jugendlichen bei der Berufsorientierung helfen. Sie mussten sich nun – wie schon ihre Recklinghäuser Kollegen zuvor – neuen beruflichen An- und Herausforderungen in einem fremden Land stellen und wurden mit fremdartigen Werkstoffen, andersartigen Bauweisen und Verfahrensabläufen in einem ganz anderen Klima konfrontiert. Außerdem lernten sie Recklinghausen und Umgebung kennen. Auf dem Programm standen Besuche diverser Unternehmen oder eine Fahrt zur Zeche Zollverein in Essen. Wichtig bei der Schulpartnerschaft sei laut Max- Born-Berufskolleg die Begegnung auf Augenhöhe. Durch gemeinsames Arbeiten und das gegenseitige Kennenlernen sollen Empathie, Engagement und Solidarität bei den Schülerinnen und Schülern gefördert werden. Liefie Ngwamba, Schulleiterin der Partnerschule in Südafrika, und Lehrer Albert Mavuso wollen in Südafrika ferner ein sogenanntes Skill- Training-Center mit dem Schwerpunkt „Erlernen von Maler- und Putzarbeiten“ errichten. Mavuso interessierte sich darüber hinaus für die duale Ausbildung in Deutschland. Durch zahlreiche Gespräche kann der Lehrer jetzt eine Menge Ideen und Erkenntnisse mit nach Südafrika nehmen, um das Thema Bildung weiter voranzutreiben und die Bildungschancen für die Jugendlichen weiter zu verbessern. —FOTO: MAX-BORN-BERUFSKOLLEG  


Schulden auf mehrere Schultern verteilen

FINANZEN. Um den finanziell notleidenden Städten zu helfen, sollen die Kommunalschulden auf mehrere Schultern verteilt werden: Der Bund, die betroffenen Länder sowie Städte und Gemeinden sollen jeweils ein Drittel der Last tragen. Diese Forderung erhob jetzt das Aktionsbündnis „Für die Würde unserer Städte“– dem auch Stadt und Kreis Recklinghausen angehören – bei seiner Kommunalkonferenz in Cuxhaven. „Die Notlage der finanzschwachen Kommunen ist in der Hauptsache eine Folge von Gesetzen vor allem im Sozialbereich zulasten der Kommunen“, heißt es in dem sogenannten Cuxhavener Appell. Daran seien alle politischen Ebenen beteiligt gewesen. Daher sei ein solidarischer Entschuldungsfonds kombiniert mit einer strukturellen Entlastung der kommunalen Haushalte bei den Lasten der sozialen Sicherung notwendig. Der Appell richtet sich an die Fraktionen des Deutschen Bundestages, die Bundesregierung und den Bundesrat. Das Bündnis setzt große Hoffnungen in die Mitglieder der in Berlin zu bildenden Kommission zur Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse, die vor der Bundestagswahl von allen im Bundestag vertretenen Parteien verbindlich zugesagt wurde. Die Initiative „Für die Würde unserer Städte“ wurde zunächst von Städten und Kreisen im Ruhrgebiet und im Bergischen Land ins Leben gerufen. Ihren Sitz hat sie in Mülheim an der Ruhr. Mittlerweile gehören dem Aktionsbündnis 71 finanzschwache Kommunen aus acht Bundesländern an. Die Initiative hat bereits erreicht, dass der Bundesrat über die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse debattierte. Auch der Bundestag hatte das Thema auf der Agenda, ebenfalls auf Drängen der Initiative. —FOTO: STADT CUXHAVEN 
 

„Ein Meilenstein für den newPark“

WIRTSCHAFT. „Das ist gut für die Region, gut für newPark“, zeigt sich Landrat Cay Süberkrüb erleichtert über einen aktuellen Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts zur Bundesstraße 474n (Ortsumgehung Datteln). Dieses hat jetzt entschieden, dass der Umweltverband BUND keine Revision gegen ein vorheriges Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster einlegen darf. Damit ist einem neun Jahre währenden Gerichtsverfahren ein Ende gesetzt worden. „Jetzt muss es auch losgehen“, fordert Süberkrüb, „ohne weitere Verzögerungen, konsequent und zügig.“
Nun muss das Bundesverkehrsministerium seine Zustimmung zu einem unverzüglichen Baubeginn geben. Der Landesbetrieb Straßen.NRW könnte nach der Mittelfreigabe voraussichtlich Mitte des Jahres mit den Arbeiten starten. Die geplante B 474n soll das südöstliche Münsterland mit dem Ruhrgebiet verbinden und das geplante Industrieareal newPark an die Autobahnen A 2 und A 45 anbinden. Geplant sind zwei Abschnitte von insgesamt zwölf Kilometern. Die Gesamtkosten für die B 474n im Abschnitt Datteln sind mit rund 24,3 Millionen Euro veranschlagt.
Als „einen Meilenstein für das newPark-Projekt“, bezeichnet der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Peter Schnepper das Urteil. Mit dem nunmehr bestehenden Baurecht für den nördlichen Teilabschnitt der B 474n erhalte insbesondere das geplante Industrieareal zusätzlichen Rückenwind, so Schnepper. Noch im Februar hatte NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart das Areal, auf dem newPark entstehen soll, besucht und die Unterstützung der Landesregierung versichert. Erwartungsvoll schaue die Wirtschaft nun auch auf das noch laufende Planfeststellungsverfahren im südlich angrenzenden Abschnitt zur A 2. „Ich hoffe, dass der baldige Baubeginn auf Dattelner Gebiet dazu führt, dass nunmehr auch das Waltroper Teilstück mit Hochdruck vorangetrieben wird“, so der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer.
Auch Dattelns Bürgermeister André Dora zeigt sich erleichtert, dass es nun weitergehen kann: „Die Entscheidung ist ein doppelter Gewinn für uns Dattelner“, erklärt Dora. „Das Projekt newPark kann endlich starten. Und gleichzeitig kann unsere Hauptverkehrsstraße, die B 235, entlastet werden.“/ Foto:  Mueller + Partner Landschaftsarchitekten BDLA, ökologische Architektur Willich


gate.ruhr erhält Dämpfer
WIRTSCHAFT. In ihrem Vorhaben, das ehemalige Bergbaugelände Auguste Victoria 3/7 zum Industrie- und Gewerbegebiet gate.ruhr zu entwickeln, haben die RAG Montan Immobilien GmbH (RAG MI) und die Stadt Marl eine Dämpfer erhalten: Aus wirtschaftlichen Gründen muss nun das ursprünglich geplante Umklappen einer ehemaligen Halde aufgegeben werden. Alternative Planungen würden allerdings bereits laufen, erklärt die Stadt Marl in einer Pressemitteilung.
Ursprünglich war vorgesehen, die vorhandene Plateau-Halde auf dem Gelände der ehemaligen Schachtanlage abzutragen und zwölf Hektar zusätzliche Ansiedlungsflächen für Industrie und Gewerbe zu erhalten. Das Material sollte genutzt werden, um das benachbarte ehemalige Kraftwerksgelände aufzufüllen und auf diese Weise ein einheitliches Höhenniveau zu schaffen.
Auf der Zielgeraden der seit zwei Jahren laufenden Machbarkeitsstudie haben sich allerdings neue Erkenntnisse ergeben. Jüngsten Untersuchungsergebnissen zufolge ist das Umklappen der Halde aufgrund der Konsistenz und Beschaffenheit des Bodenmaterials mit deutlich höheren Kosten verbunden, sodass das Vorhaben sich als wirtschaftlich nicht vertretbar darstellt.
Die RAG MI und die Stadt Marl hätten auf den neuen Sachverhalt umgehend reagiert und im Rahmen der Machbarkeitsstudie zusätzliche Studien im Hinblick auf alternative Planungen in Auftrag gegeben. „Auf jeden Fall bleibt die gewerblich-industrielle Entwicklung der ehemaligen Schachtanlage Auguste Victoria 3/7 zu gate.ruhr ein wichtiges Zukunftsprojekt für die gesamte Region“, so Markus Masuth, Geschäftsführer der RAG MI.
„gate.ruhr genießt weiterhin die volle Unterstützung der Landesregierung als einer von wenigen Kooperationsstandorten im Ruhrgebiet“, erklärt Marls Bürgermeister Werner Arndt. Das habe die Landesregierung in aktuellen Gesprächen erneut bestätigt. Arndt: „Wir werden gate.ruhr gemeinsam mit unserem Partner RAG MI mit der erforderlichen Entschlossenheit vorantreiben und international engagierten Unternehmen hier das Tor zum Ruhrgebiet und zu den europäischen Wirtschaftszentren öffnen, um so neue Arbeitsplätze zu schaffen, die nach dem Ende des Bergbaus dringend benötigt werden.“


Olympia im Ruhrgebiet?

SPORT. Der Traum von Olympischen Spielen im Ruhrgebiet hat neue Nahrung erhalten: Die privatwirtschaftliche Initiative „Rhein Ruhr City 2032“ hat in Düsseldorf ihr Konzept für eine mögliche Bewerbung Nordrhein-Westfalens um die Ausrichtung Olympischer und Paraolympischer Spiele vorgestellt. Insgesamt 14 Städte beteiligen sich als mögliche Austragungsorte an der Initiative, darunter die Ruhrgebietskommunen Duisburg, Dortmund, Essen, Gelsenkirchen, Oberhausen, Recklinghausen und Bochum.
Das Konzeptpapier diene als eine Art Arbeitsgrundlage für Politik und andere Beteiligte, hieß es bei der Vorstellung. Die Initiative wolle damit Potenziale der Region für eine Olympia-Bewerbung aufzeigen, so Sportmanager Michael Mronz als Initiator des Konzepts. Wichtig sei vor allem, die Menschen in der Region zu beteiligen. Mehr als 80 Prozent der benötigten Sport- und Veranstaltungsstätten seien an den 14 Standorten bereits vorhanden. Gut 640.000 Zuschauer finden aktuell in den Stadien und Arenen Platz.
Die Ruhrgebietskommunen empfehlen sich mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Unter anderem ist im vorgestellten Sportstätten-Plan Bochum als Austragungsort für Fußball vorgesehen, Duisburg für Fußball sowie Kanu- und Ruderwettbewerbe. In Gelsenkirchen könnten Schwimmen, Synchronschwimmen, Turmspringen und Wasserball stattfinden. Recklinghausen käme als Austragungsort für Mountainbike-Wettkämpfe infrage. Hier eigne sich der Landschaftspark Hoheward hervorragend. / Foto: Land NRW/A. Bowinkelmann



Dem Wandel mit Vielfalt begegnen

STADTENTWICKLUNG. Nach rund zwei Jahren Leerstand soll das ehemalige Karstadt-Haus in der Recklinghäuser Innenstadt neu belebt werden. Doch: „Es ist ein Traum zu glauben, dass aus dem Gebäude jemals wieder ein Warenhaus wird“, erklärt Architekt Gerd Rainer Scholze, Initiator des Projekts. Die Städte befänden sich insbesondere durch den Internet-Handel in einem gewaltigen Wandel, „dem man mit Vielfalt begegnen muss“, zeigt sich Scholze überzeugt. Nach umfangreichen Umbaumaßnahmen soll sich unter dem Namen MarktQuartier Recklinghausen (MQR) diese Vielfalt in der Immobilie am Altstadtmarkt widerspiegeln, sollen hier Einzelhandel und Gastronomie, Wohnungen, Büros, ein Hotel, betreutes Wohnen und eine Kindertagesstätte untergebracht werden.
Am 12. Februar vergangenen Jahres, es war ein Sonntag, sei Scholze gemeinsam mit seiner Frau nach Recklinghausen gekommen – ursprünglich um sich das Einkaufszentrum Palais Vest anzuschauen. „Doch dann habe ich das Karstadt-Haus gesehen und war von dessen Architektur begeistert“, erinnert er sich. Damit müsse man etwas machen, habe er sich seinerzeit gesagt.
Gesagt, getan: Nun soll die GRS Beteiligungen GmbH aus Düsseldorf die Regie am Altstadtmarkt übernehmen. Der Projektentwickler ist Teil der AIP Unternehmensgruppe, die 1990 von Gerd Rainer Scholze als Architekturbüro gegründet wurde und bereits ähnliche Projekte durchführt oder schon realisiert hat.
„Den Rohbau und die Fassade zum Markt sowie einen Großteil der Fassade zur Schaumburgstraße werden wir erhalten“, gibt Scholze einen Einblick in seine Pläne. „Der Treppenhausturm an der Schaumburgstraße wird jedoch abgerissen – und das so schnell wie möglich.“ Ebenfalls der Abrissbirne zum Opfer fallen würden die Brücke zwischen Haupt- und Nebengebäude über die Herrenstraße sowie ein Teil des Haupthauses an gleicher Stelle, der durch einen zeitgemäßen Neubau ersetzt werden soll.
Nahversorgung, Einzelhandel und Gastronomie, Wohnungen, Büros und betreutes Wohnen soll das künftige MQR beherbergen. „Aktuell werden Gespräche mit potenziellen Mietern geführt“, erklärt Scholze, „wir stehen auch schon vor einigen Abschlüssen.“ An der Schaumburgstraße, Ecke Herrenstraße soll ein Hotel mit etwa 130 Zimmern entstehen, das drei oder vier Sterne haben werde. Im ersten und zweiten Obergeschoss soll zudem eine Kindertagesstätte inklusive Spielplatz untergebracht werden. „Diese Idee hat mir zunächst eine schlaflose Nacht bereitet“, erzählt Gerd Rainer Scholze. „Was passiert, wenn ein Kind dort runterfällt?“ Doch mit Glaswänden könne man für die nötige Sicherheit sorgen. Außerdem geplant sind ein begrünter Innenhof in der ersten Etage und eine Tiefgarage mit rund 70 Stellplätzen im Untergeschoss. Ende 2020, Anfang 2021 soll das MQR fertig sein.
Über die genaue Investitionssumme schweigt sich Scholze aus. „Wir werden einen zweistelligen Millionenbetrag investieren und haben schon jetzt rund eine Million Euro in die Vorplanung gesteckt“, verrät der Architekt dann doch. Von seinem Projekt zeigt er sich überzeugt: „Natürlich ist ein derartiges Vorhaben immer mit Risiken verbunden – die Chance zu scheitern ist allerdings gering.“  André Przybyl / Foto: GRS Beteiligungen GmbH


An einem Strang ziehen
FEUERWEHR. Brandbekämpfung, Technische Hilfe, Gefahrgutkunde und Staatsbürgerkunde – diese Themen bilden nur einen kleinen Ausschnitt aus dem Lehrplan der dritten interkommunalen Grundausbildung der Feuerwehren im Kreis Recklinghausen. Jetzt wurden die zukünftigen Fachkräfte zu ihrem Dienstantritt von den Leitern der Feuerwehren und Vertretern der Städte in der Feuer- und Rettungswache Marl begrüßt.
„Unser gemeinsames Erfolgsmodell geht in die nächste Runde“, freut sich Rainald Pöter, Leiter der Marler Feuerwehr, zum Start des Ausbildungslehrgangs. Auch in diesem Jahr sind mehrere Feuerwehren des Kreises an der Qualifizierung zum Brandmeister beteiligt. Marls Bürgermeister Werner Arndt begrüßt die Kooperation der Wehren: „Die gemeinsame Ausbildung ist von großem Wert und ein hervorragendes Beispiel für interkommunale Zusammenarbeit.“
Insgesamt 32 Brandmeisteranwärter der Feuerwehren aus Castrop-Rauxel, Dorsten, Marl, Recklinghausen und der Werkfeuerwehr RÜTGERS umfasst der diesjährige Lehrgang, der aufgrund der Größe in zwei Gruppen unterteilt worden ist. Allein 18 Brandmeisteranwärter schickt die Feuerwehr Castrop-Rauxel ins Rennen. Unter den 32 Auszubildenden findet sich auch wieder eine Frau, welche die Ausbildung für die Stadt Dorsten absolviert. Erstmals werden auch zwei Brandmeisteranwärter der Werkfeuerwehr RÜTGERS aus Castrop-Rauxel ausgebildet. Federführend für die Ausbildung sind die Feuerwehren Dorsten und Recklinghausen, sie werden durch Ausbilder der Feuerwehren aus Castrop-Rauxel, Herten, Marl und Haltern unterstützt.
In den kommenden 18 Monaten durchlaufen alle Brandmeisteranwärter eine Ausbildung in den vielen Facetten des Berufsbildes. Neben der Feuerwehrausbildung erhalten 15 Auszubildende zusätzlich eine rettungsdienstliche Ausbildung zum Rettungssanitäter, die übrigen Anwärter verfügen bereits über eine entsprechende Ausbildung. „Es wird begonnen mit dem Einmaleins der Feuerwehr: Schläuche rollen und Brandbekämpfung“, führt Thorsten Schild, Leiter der Feuerwehr Recklinghausen, aus. „Anschließend folgen unter anderem Atemschutzlehrgang und ABC-Ausbildung.“ Zu den Grundlagen gehören außerdem die Sprechfunker- sowie Realbrandausbildung, die Ausbildung zum Maschinisten für Löschfahrzeuge und die technische Hilfeleistung im Wald.
In weiteren Ausbildungsteilen lernen die angehenden Brandmeister dann unter anderem wie eine Drehleiter eingesetzt und bedient wird. Hinzu kommt ein sechsmonatiges Praktikum in der eigenen Dienststelle. Währenddessen machen die Teilnehmer auch den LKW-Führerschein. Es folgen Prüfungsvorbereitungen und im September 2019 dann die Laufbahnprüfung. Insgesamt 50 Ausbilder werden zum Ausbilderstab der neuen Brandschützer gehören. / Foto: Stadt Recklinghausen


„Wir behandeln kostenlos und unbürokratisch“

SOZIALES. Der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) Recklinghausen e.V. hat eine medizinische Ambulanz für Bedürftige in Recklinghausen Süd eröffnet. In der Praxis Am Neumarkt 34 behandeln ehrenamtlich tätige Ärzte zweimal im Monat kostenlos Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht den Weg in eine normale Praxis finden.
Damit erweitert der Sozialverband sein Angebot an existenzsichernden Hilfen für Menschen in prekären Lebenssituationen. Bislang wurden in den Räumen am Neumarkt ausschließlich Flüchtlinge aus den Unterkünften medizinisch versorgt. „Wir reagieren auf den abnehmenden Flüchtlingsstrom und die Tatsache, dass viele der von uns betreuten Flüchtlinge inzwischen im deutschen Gesundheitssystem angekommen sind und nicht mehr in dem Maße auf unsere Hilfe angewiesen sind“, erklärt Ute Pahnke, stellvertretende Vorsitzende des Vereins. „Stattdessen sehen wir den Bedarf bei anderen Personenkreisen, die wir nun verstärkt in den Blick nehmen.“
Die Praxis, die bislang im hinteren Bereich der Immobilie untergebracht war und zur Neueröffnung ins Vorderhaus gezogen ist, wird im 14-tägigen Rhythmus an jedem zweiten und vierten Donnerstag von 17.30 bis 18.30 Uhr öffnen. In der Innenstadt bieten bereits das Gasthaus an der Heilige-Geist-Straße 7 und die Wohnungslosenhilfe des Diakonischen Werkes, Herner Straße 8, Zugang zu medizinischer Hilfe an.
Die Ärzte wie Dr. Markus Dechêne arbeiten am Süder Standort ehrenamtlich und kostenlos. Versorgt werden unter anderem Personen ohne Krankenversicherung und Wohnungslose. „In unseren Betreuungs- und Beratungsangeboten zeigt sich immer wieder, dass trotz des flächendeckenden Gesundheitssystems nicht alle Menschen den Weg in eine reguläre Arztpraxis finden“, weiß SkF-Mitarbeiter Pascal Thyron, der die Medizinische Hilfe koordiniert. Die Gründe dafür seien vielfältig. „Häufig sind sie psychischer, sozialer oder bürokratischer Natur“, fügt Thyron an.
So verlieren psychisch Erkrankte häufig die Tagesstruktur und schaffen es nicht zum Arzt. Obdachlose meiden den Weg in eine Hausarztpraxis unter anderem aus Scham. Menschen, die sich keine Krankenversicherung leisten können, scheuen die Behandlungskosten. Natürlich steht die Hilfe auch weiterhin Flüchtlingen und Migranten offen, deren Aufenthaltsstatus nicht klar geregelt ist oder die besondere Anliegen haben. „Wir behandeln kostenlos, unbürokratisch und niederschwellig“, versichert Thyron.
Der SkF möchte den Kontakt darüber hinaus nutzen, um den Patienten bei Bedarf zusätzlich unter die Arme zu greifen. Fachleute aus der allgemeinen Sozialberatung und anderen Bereichen bieten ihre Hilfe an. Nach Prüfung der Bedürftigkeit kann auch eine Karte ausgestellt werden, die zum vergünstigten Einkauf von Lebensmitteln in der „Recklinghäuser Tafel“ berechtigt. / Foto: SkF


„Mein neues Ich“ Krankenkassenzertifiziert
PROJEKT. Im Mai steht schon die zehnte Aktion „Mein neues Ich“ auf dem Programm der „Casa Sport“ in Oer-Erkenschwick. Es ist Wahnsinn, wie sich dieses Programm entwickelt hat“, erzählt Inhaber Naim Obeid voller Stolz. Und das mit Recht: Vor drei Jahren entwickelte Obeid ein Konzept für Menschen, die abnehmen wollen, den Körper straffen oder sich einfach gesünder ernähren möchten. Der Erfolg ist da, das Programm funktioniert und erfreut sich großer Beliebtheit. „Natürlich müssen die Leute auch eine Portion Ehrgeiz mitbringen und eine Veränderung wollen“, so Naim Obeid, der nach einer langwierigen Armverletzung ebenfalls deutlich an Gewicht zugenommen hat und sein Leben unbedingt wieder ändern wollte. „Mein neues Ich“ wurde ins Leben gerufen. Das Programm ist sogar so gut, dass jetzt Teile der Kosten mit den Krankenkassen verrechnet werden können. „Es war ein langer und aufwendiger Weg, aber wir haben jetzt endlich eine Krankenkassenzertifizierung“, so Obeid.
„Mein neues Ich“ geht im Mai in die nächste Runde (Anmeldungen sind ab sofort möglich.) Doch bevor der neue Kurs startet, gibt es weitere Neuigkeiten bei „Casa Sport“. Am 17. April startet zum ersten Mal „Mein neues Ich - Kids“. „Es lag klar auf der Hand“, so Obeid. „Was bei Erwachsenen funktioniert, das funktioniert auch bei Kindern. Viele Eltern haben uns angesprochen und gefragt, ob es nicht auch die Möglichkeit geben würde, ein Programm für Kinder anzubieten. Jetzt machen wir es einfach!“ Gerade in der jetzigen Zeit, wo Kinder sich immer weniger bewegen und immer mehr ungesundes Essen zu sich nehmen, wäre ein Projekt für Kinder ein möglicher Start in ein neues und gesundes Leben und das ohne Diät, aber mit Bewegung und Veränderungen im Denken und Handeln. Studien zeigen, dass bereits 40 Prozent aller Schulanfänger in Deutschland übergewichtig sind. Beunruhigende Zahlen, da 80 Prozent dieser Kinder ihre Gewichtsprobleme mit ins Erwachsenenalter nehmen. Ebenso werden in jungen Jahren die Anlagen für ernährungsbedingte Erkrankungen, wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Verfettung der Organe, gelegt.
Durch das neue spezielle Sportprogramm, einer Nahrungsumstellung und persönlicher psychologischer Begleitung, sollen die Kinder motiviert werden und den Spaß an Bewegung zurück finden. Mitmachen können Kinder Schulkinder ab der ersten Klasse. Ein Infoabend für die Eltern findet am 10. April in den Räumen der „Casa Sport“, Karlstaße 40, in Oer-Erkenschwick statt. Naim Obeid und Sandra Kulawik von der „Casa Sport“ haben sich für das neue Programm weitere Unterstützung ins Boot geholt. Ernährungsberater Heiner Lütke-Twenhöven und die Psychologische Beraterin, Sabine Hoffarth, komplettieren das Team.
Eine telefonische Anmeldung für den ersten Infoabend am 10. April wird erbeten. Der Abend ist kostenlos. Infos gibt es telefonisch unter 02368-57060. Geöffnet ist „Casa Sport“ montags bis freitags von 8 bis 22 Uhr und am Wochenende von 10 bis 20 Uhr. / Foto: NBM


„Das ist keine Gruppe fürs Verdrängen“
SOZIALES. Vor über 70 Jahren musste Joachim G. mit seinen Eltern aus dem Osten fliehen. Heute ist er 82 Jahre alt und erinnert sich genau an die Telefonnummer der Gaststätte seines Vaters: „Drei-fünfundvierzig-fünfundsiebzig“, nennt er sie ohne zu zögern. Er muss sie nicht suchen im Gedächtnis. Aber was gestern war oder eben rund um den Kaffeetisch im Treffpunkt Hachhausen der Caritas Datteln und Haltern am See? Oder die Namen der anderen Teilnehmer der Selbsthilfegruppe für Demenzkranke? Dass Ingrid Töpper und ihre Kollegin Angelika Fürcho zu den Treffen immer die liebevoll gestalteten Namensschilder aufstellen, hat Gründe.
Derzeit sieben Gäste tauschen sich zu Beginn immer in der Runde aus, wie es ihnen geht, was war, welche Probleme anliegen, was sie Schönes erlebt haben. Alle haben die Diagnose „Demenz“ erfahren und müssen ihr Leben darauf einstellen. Noch ist es erst das Anfangsstadium, fällt dem Außenstehenden kaum und nur bei genauerer Beobachtung auf, dass da „was“ sein muss: Der eine oder andere sucht zwischendurch nach Worten, erzählt wieder das, was ihn vor zehn Minuten schon offensichtlich stark bewegt hat.
Ohne fremden Besuch wird es durchaus noch emotionaler, versichert Töpper, die über langjährige Erfahrungen mit Demenzkranken verfügt und viele Gruppen in unterschiedlichen Konstellationen anbietet. Die Selbsthilfegruppe ist für diejenigen gedacht, die noch „über viele gesunde Ressourcen verfügen, aber erste Einschränkungen durch den Verlust der Merkfähigkeit wahrnehmen“, erklärt die Demenzberaterin. Da das Abspeichern von Informationen nicht mehr gelinge, führe dies zu einer großen Verunsicherung bei den Betroffenen.
Emotional wird es in der Runde häufig – in beiden Richtungen. Verzweiflung muss aufgefangen werden, „aber es wird auch viel gelacht“, sagt Töpper. Klar ist: „Das ist keine Gruppe fürs Verdrängen“. Probleme werden angesprochen, zum Beispiel das Thema „Bevormundung“ durch Angehörige, die es gut meinen, aber vielleicht doch zu viel helfen wollen. Traurig auch der Abschied von Freiheit und Selbstbestimmung, wenn das Autofahren zu gefährlich wird und aufgegeben werden muss.
„Sich austauschen können über die Krankheit, über die Probleme sprechen, die mit der Vergesslichkeit auftauchen, das ist eine Voraussetzung für die Teilnahme“, erklärt Ingrid Töpper zu den Rahmenbedingungen. Natürlich sei die Krankheit mit Angst besetzt, aber in der Gruppe werde versucht, wertschätzend auf das zu schauen, was trotzdem noch geht. Fasziniert ist sie, „wie liebevoll die Teilnehmer miteinander umgehen“.
Vor vier Jahren hat sie das „Angebot für Früherkrankte“ ins Leben gerufen. Zwischen 54 und 85 Jahren reicht die Lebensspanne der Teilnehmer. Körperlich sind sie alle recht fit für ihr Alter und so geht es üblicherweise nach dem Kaffee auf einen Spaziergang, heute eine Runde am Kanal entlang um die Schleuse Datteln-Henrichenburg. Auch das weckt Erinnerungen an früher, für die hier Geborenen und Aufgewachsenen an Jugendzeiten.
Ein Wermutstropfen bleibt für Ingrid Töpper die Finanzierung. Die ist prekär und es geht nicht ohne Spenden. Weil die Teilnehmer noch im Frühstadium sind, gebe es kein Geld von der Pflegekasse. Erst nach Einstufung in einen Pflegegrad, kann die Teilnahme an der Gruppe abgerechnet werden. Sie ist deshalb froh, in der Wilhelm-Becker-Stiftung einen verlässlichen Sponsor gefunden zu haben, der die Selbsthilfe-Gruppe seit vier Jahren unterstützt.
„Aber es macht Sinn, schon früh mit der Begleitung anzufangen“, sagt Ingrid Töpper: „Dadurch werden Ängste abgebaut und Ressourcen gestärkt.“ Die Caritas in Datteln und Haltern am See hat seit vielen Jahren ein besonders breit ausgebautes Angebot in der Demenz-Beratung, im Frühstadium zum Beispiel auch als spezielles Angebot ein ganzheitliches Gedächtnistraining. Dann gibt es Betreuungsgruppen über drei Stunden, in denen die Angehörigen eigene Termine wahrnehmen oder einfach mal abschalten können, Gruppen für Ehepaare und einen Gesprächskreis für Angehörige sowie Schulungen für sie, um den Umgang mit der Erkrankung und die Kommunikation mit demenziell Erkrankten erlernen zu können. Wer in keine Gruppe möchte, den berät Ingrid Töpper auch individuell an vielen Stunden in der Woche.  Cpm  / Foto: Harald Westbeld/Münster