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Bontrup für Lebenswerk geehrt
WISSENSCHAFT. Prof. Dr. Heinz-Josef Bontrup von der Hochschulabteilung Recklinghausen der Westfälischen Hochschule erhält das Bundesverdienstkreuz am Bande. Gewürdigt wird damit das Lebenswerk des 65-jährigen Diplom-Ökonomen.
Bontrup kam 1996 als Professor an die Hochschule in Recklinghausen und gehört zu denen, die den zwei Jahre zuvor gegründeten Fachbereich Wirtschaftsrecht mit aufbauten. Schon damals lautete das persönliche Credo des Wirtschaftswissenschaftlers mit dem Schwerpunkt Arbeitsökonomie, dass der Mensch in den Mittelpunkt des Unternehmens gehöre. Dieser Maxime blieb er bis heute treu. In der Begründung für die Ordensverleihung finden sich daher Punkte wie sein lebenslanges Engagement im wirtschaftswissenschaftlich-sozialpolitischen Bereich und seine umfangreich ehrenamtliche und bundesweite Aufklärungsarbeit in sozialpolitischen und wirtschaftlichen Fragen: „Die Tätigkeit von Herrn Professor Bontrup dient neben einer langen Liste seiner Publikationen in den öffentlichen Medien im besten Sinne der ,ökonomischen Alphabetisierung‘ breiter Bevölkerungskreise.“
Neben seiner Eigenschaft als Direktor im Energieinstitut der Westfälischen Hochschule war Bontrup mehrere Jahre ehrenamtlich Mitglied im Expertenrat „FINE“ des NRW-Ministeriums für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien zur Verbesserung der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion. Als wissenschaftlicher Sachverständiger arbeitete er in einer NRW-Untersuchungs-Kommission zur Bewertung öffentlicher Haushalte bei Schuldenbremse und demografischem Wandel. Bontrups ökonomische Expertise war und ist auch im Bundestag und in Landtagen gefragt. Bereits seit 1978 ist Bontrup Mitglied und Akteur in der „Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik e.V.“.
Diese erstellt beispielsweise jährlich ein Gegengutachten zum Sachverständigenrat der „Fünf Weisen“, das sich an der Sicherung sinnvoller Arbeitsplätze, der Verbesserung des Lebensstandards, dem Ausbau der sozialen Sicherheit für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie an wirksamer Umweltsicherung in Deutschland orientiert. Im Herbst vergangenen Jahres wählte ihn die Frankfurter Allgemeine Zeitung unter die Top 40 der Ökonomen Deutschlands. / Foto: WH/BL


„Wir dürfen nicht schweigend zusehen“
POLITIK. Wie können Politik und Journalismus mit Unzufriedenheit, Hass oder Gewalt in den Medien und der Gesellschaft umgehen? Dieser Frage gingen Landrat Cay Süberkrüb und Gastrednerin Dunja Hayali beim Vestischen Jahresempfang im Ruhrfestspielhaus nach. Für die Journalistin und Fernsehmoderatorin Hayali war die Veranstaltung ein Heimspiel: „Es ist immer wieder schön, zu Hause zu sein und mit den Menschen aus meiner Heimat ins Gespräch zu kommen“, so die gebürtige Dattelnerin.
„Es ist heute leichter als je zuvor, die Menschen glauben zu lassen, dass sie von negativen Entwicklungen umzingelt sind“, sagte Cay Süberkrüb in seiner Rede vor weit über 300 Gästen aus Vereinen, Verbänden, Kirchen, Gewerkschaften und der Politik. Dabei seien es oftmals Ausnahmen und Einzelfälle, die Schlagzeilen in den sozialen Netzwerken auslösen. „Wir müssen mit offenen Augen auf das Ganze schauen – aus allen Blickwinkeln – und dürfen uns nicht auf einzelne Informationskanäle verlassen“, betonte der Landrat.
Trotz aller realen Probleme sollte nicht der Blick für das Positive verloren gehen: „Wir geben gemeinsam alles dafür, die Situation der Menschen zu verbessern“, so Süberkrüb weiter. Erfolgreiche Beispiele für die Stärkung der Region seien unter anderem die Ansiedlungen von Unternehmen wie Metro Logistics und Arvato. Auch bei den Entwicklungen des Industrie-Projekts newPark zog Süberkrüb eine positive Bilanz: „Die neue Landesregierung hat dieses Projekt als einziges in NRW in den Koalitionsvertrag aufgenommen – das ist ein deutliches Zeichen.“
Die zunehmende digitale Kommunikation verändert auch die Arbeit des Journalismus. Hetze und Vorurteile gegenüber etablierten Medien sowie Fake News schwächen das Vertrauen in den unabhängigen Journalismus. Der Wahrheitsgehalt einer Information scheint in den sozialen Netzwerken immer mehr in den Hintergrund zu treten– Gefühle entscheiden über Richtig oder Falsch. „Sie können Ihre eigene Meinung haben, aber nicht Ihre eigenen Fakten“, stellte Dunja Hayali in ihrer Rede klar. Im Netz gebe es keine Qualitätssicherung von Nachrichten, was wiederum zur Verunsicherung der Menschen führt. „Journalisten müssen in Zeiten, in denen jeder seine Meinung frei verbreiten kann, versuchen, Orientierung zu bieten“, sagte Hayali. Medien sollten versuchen, Vertrauen zurück zu gewinnen, indem sie auf die Menschen zugehen: Es braucht mehr Transparenz, Bürgerbeteiligungen, Diskussionen und Dialoge. Dabei muss berechtigte Kritik ausgehalten werden – „auch, wenn es manchmal wehtut“. Darüber hinaus appellierte Hayali an die Medien, mehr Haltung gegenüber Hasskommentaren, Diskriminierung und Rassismus einzunehmen: „Wir dürfen nicht schweigend und tatenlos zu sehen.“ / Foto: Kreis Recklinghausen, Lena Heimers



Jugendliche Straftäter sollen „Kurve kriegen“
PRÄVENTION. Straffällig gewordene Kinder und Jugendliche will die NRW-Landesinitiative „Kurve kriegen“ vor einem endgültigen Abdriften in die Kriminalität bewahren. Jetzt soll die Initiative auch im Kreis sowie in Bottrop umgesetzt werden. Die Recklinghäuser Polizei, die Kommunen im Kreis sowie die Stadt Bottrop haben dazu eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet.
„Mit der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung gehen wir nicht nur einen weiteren wichtigen Schritt in der Präventionsarbeit, sondern wir senden auch ein wichtiges Signal: Wir kümmern uns und helfen“, so Polizeipräsidentin Friederike Zurhausen. „Die Landesinitiative ‚Kurve kriegen‘ ist dabei ein ganz wichtiger Baustein. Die Entwicklung von Kindern wird maßgeblich von den persönlichen Lebensumständen beeinflusst. Negative Lebensumstände können Straftaten begünstigen. Genau da müssen wir ansetzen, genau da setzt ‚Kurve kriegen‘ an.“
Im Kreis soll die Initiative bereits laufende Konzepte wie das „Präventions- und Handlungskonzept gegen Gewalt in Marl“ – 2013 mit dem „Landespreis für Innere Sicherheit“ ausgezeichnet – ergänzen. Dafür wollen Polizei, die beteiligten Kommunen und pädagogische Fachkräfte sich künftig gemeinsam um Kinder und Jugendliche kümmern, die bereits im Alter zwischen acht und 15 Jahren viele Straftaten begangen haben. In einem Netzwerk sollen Maßnahmen getroffen werden, die verhindern sollen, dass die Jugendlichen dauerhaft in die Kriminalität abrutschen.
„Kriminalitätsprävention ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die bezogen auf das Kindes- und Jugendalter besonders wichtig ist“, erklärt Hertens Bürgermeister Fred Toplak. „Kinder und Jugendliche befinden sich noch in der Entwicklung und sind auf der Suche nach einem Platz in der Gemeinschaft. Dabei brauchen sie Begleitung, aber auch konkrete Hilfe und Unterstützung, um nicht den kriminellen Weg einzuschlagen oder sich die Zukunft zu verbauen. Hier gilt es Werte zu vermitteln und als gute Vorbilder voran zu gehen.“
Und Oer-Erkenschwicks Bürgermeister Carsten Wewers ergänzt: „Die enge Verzahnung der Polizei und der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe ist eine sehr sinnvolle Vorgehensweise. Oer-Erkenschwick unterstützt das Präventionsprogramm mit ganzem Herzen, da hier dem dauerhaften Abgleiten in die Kinder- und Jugendkriminalität gezielt und vor allem frühzeitig entgegengesteuert wird. Die damit verbundene Erarbeitung von Individualmaßnahmen halte ich für einen überzeugenden Ansatz, so können Straftaten wirklich verhindert und gleichzeitig neue Perspektiven für die Kinder und Jugendlichen geschaffen werden.“ / Foto: www.polizei-beratung.de


Schlanke Büste ragt empor in den Himmel
MARL. Fast sechs Meter hoch ragt sie auf dem Gelände des ehemaligen Hallenbades in den Marler Himmel: die Großskulptur „Schlanke Büste“ des bedeutenden Bildhauers Franz Bernhard.
Der Aufbau des sieben Tonnen schweren Kunstwerks, das als Dauerleihgabe nach Marl kommt, war keine ganz einfache Aktion. Eines der wohl bekanntesten monumentalen Objekte von Franz Bernhard ist nun für längere Zeit an der Kamp-straße in Marl zu sehen.
Die Großskulptur „Schlanke Büste“ wurde trotz kalten Windes mit Hilfe eines Krans dort errichtet und montiert, wo einst das städtische Hallenbad stand. „Es sieht schon jetzt beeindruckend aus“, findet Georg Elben, Direktor des Skulpturenmuseum Glaskasten Marl. Bürger und Gäste der Stadt blicken auf eine Skulptur, deren Kopf im Gleichgewicht auf dem Torso balanciert.
„Das Objekt scheint zu kippen, die Balance zu verlieren“, erklärt Elben. „Ein Balanceakt in der Stadtmitte und ein guter Anlass, die Themen ‚Kunst im öffentlichen Raum‘ und ‚Stadtraum‘ unter breiter Beteiligung weiterzuführen“. Die Skulptur „Schlanke Büste“ ist eines von rund 60 Werken der Ausstellung „Franz Bernhard. Die menschliche Figur – Skulpturen und Zeichnungen“.
Franz Bernhard (1934-2013) verwendete seit den 1960er-Jahren bevorzugt die Materialien Holz und Eisen. Noch während des Studiums an der Karlsruher Akademie begann er damit, aus einfachen Holzbalken gerüsthaft die Form von Büsten nachzubauen.
Die autonome, konstruktive Formkonstellation und das Bild des Menschen – besonders der Kopf als Motiv – bilden die Kristallisationspunkte seines Werks. In der Gegenüberstellung von Konstruktion und Dynamik, Labilität und Massivität erfasst Franz Bernhard die Widersprüchlichkeit des modernen Menschen.
Weiterführende Infos zur Ausstellung gibt’s im Internet unter www.skulpturenmuseum-glaskasten-marl.de . / Foto: Stadt RE



„Natürlich gibt es uns noch“

ENGAGEMENT. Vor gut anderthalb Jahren haben sich die „Sisters in Action“ in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Nicht zu verwechseln mit den „Sisters in Motion“: „Hallo wir leben noch“, so Schwester Dagmar Duvinage. Die kleine Verwechslung sorgte für ein unruhiges Jahr.
Seit dem Ende von „Sisters in Action“ sind die Buchungen deutlich zurückgegangen. „Die meisten glauben, dass wir uns aufgelöst haben, aber die Sisters in Motion gibt es noch und das soll auch noch lange so bleiben“, erklärt Schwester Daggi. Es kann also fleißig gebucht werden. Egal ob Geburtstag oder Hochzeit, die „Sisters“ sind Garant für gute Stimmung und Unterhaltung à la „Sister Act“. „Tatsächlich kommt das Programm des erfolgreichen Kinofilms aus dem Jahr 1992 immer noch an“, so Schwester Heike. „Zwar sind die Auftritte weniger geworden als vor ein paar Jahren, aber so ein Pensum wie früher können wir einfach nicht mehr leisten. Aber pro Monat sind es dann doch noch gut zwei Auftritte.
„Verstärkung ist immer willkommen“, so Schwester Heike, leidet man aktuell unter Nachwuchssorgen. „Willkommen sind alle, die Spaß daran haben, andere zu erfreuen und dann noch Geld für den guten Zweck zu sammeln. Auch Männer sind gefragt.“
Über 320.000 Euro haben die „Sisters in Motion“ im Laufe der Jahre gesammelt. Eine Summe, auf die man stolz sein kann. Das meiste Geld geht seit vielen Jahren an das André-Streitenberger-Haus in Datteln. Auch im Jahr 2017 war die Dattelner Gruppe, bestehend aus „noch“ 22 Schwestern, unterwegs, um für den guten Zweck Geld zu sammeln. So kam in Zusammenarbeit mit einem Cabrio-Klub eine stolze Summe von 5.000 Euro für das André-Streitenberger-Haus zusammen. „Geld, was dringend benötigt wird“, erklärt Einrichtungsleiter Michael Schwerdt. Auch weitere Spenden werden für das Haus für langzeitbeatmete Kinder und Jugendliche benötigt.
Kontakt und Infos zum André-Streitenberger-Haus gibt es direkt bei Michael Schwerdt unter ( 02363-975-660. Kontakt zu den „Sisters“ unter ( 0151-25100371. / Foto: NBM


50 Jahre kritisch fernsehen

JUBILÄUM. Jubiläum beim Grimme-Preis: Die Marler Gruppe, die Publikumsjury des Fernsehpreises, feiert in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag. Bereits seit einem halben Jahrhundert zeichnet die Gruppe preiswürdige Fernsehproduktionen mit einem Grimme-Preis aus – als Kurs der Marler Volkshochschule, aus der auch der Grimme-Preis hervorging.
„Die Marler Gruppe ist der lebendige Beleg dafür, wie eng der Grimme-Preis mit unserer Volkshochschule und Marl verbunden ist“, sagt Stefanie Dobberke, Leiterin der Marler Volkshochschule „die insel“. „Hier erhalten Marler Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit, unmittelbar bei einem der bedeutendsten Fernsehpreise mitzuwirken und einen eigenen Preis zu vergeben“.
Jahr für Jahr verfolgen die Mitglieder der Gruppe, zu der aktuell rund 30 Jugendliche und Erwachsene gehören, kritisch aktuelle Produktionen und Entwicklungen im Fernsehen. Einmal im Monat sichtet und diskutiert die Gruppe ausgewählte Fernsehbeiträge und schlägt gegebenenfalls Beiträge zur Nominierung für den Grimme-Preis vor.
Jeweils im Spätherbst bildet sich aus der Marler Gruppe die Publikumsjury mit 13 Mitgliedern, darunter mehrere Schülerinnen und Schüler aus den Oberstufen der weiterführenden Schulen und aktuelle zwei Leiter. Für die Jury beginnt dann Ende Januar ein einwöchiger Fernseh-Marathon in der insel-VHS. Bis weit in den Abend werden die für den Grimme-Preis nominierten Beiträge gesichtet, diskutiert und bewertet. In diesem Jahr hat sich die Publikumsjury die Nominierungen in der Preiskategorie Fiktion vorgenommen.
„Wir treffen unsere Entscheidungen völlig unabhängig, egal ob wir zum gleichen Urteil gelangen wie die Profi-Jurys oder andere Produktion auszeichnen“, sind sich Mark Blumberg und Kurt Langer einig. Beide sind seit zwei Jahren gemeinsam Vorsitzende der Marler Gruppe. Langer: „Wir möchten mit unserer Arbeit deutlich machen, dass Zuschauerinnen und Zuschauer die Fernsehbeiträge durchaus fachlich und kritisch zu bewerten wissen und vom Fernsehen durchaus qualitativ hochwertige Beiträge jenseits des Mainstreams erwarten“.
Der Grimme-Preis wurde 1961 auf Initiative von Dr. Bert Donnepp, dem ehemaligen Leiter der Marler Volkshochschule, vom Deutschen Volkshochschulverband gestiftet. Die ersten 13 Wettbewerbe wurden unter Donnepps Verantwortung von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der „insel“ organisiert. Seit 1978 ist das Grimme-Institut für die Organisation und Weiterentwicklung des Grimme-Preises verantwortlich. Das Medieninstitut wurde 1973 gegründet und hat sein Domizil im denkmalgeschützten ehemaligen Gebäude der Volkshochschule, dem Bert-Donnepp-Haus, nur wenige Meter vom Rathaus entfernt.
Wenn am 13. April die begehrten Grimme-Preise bei der großen Gala im Theater Marl verliehen werden, werden Jury-Mitglieder der Marler Gruppe auf der Bühne stehen und gemeinsam mit Marls Bürgermeister Werner Arndt den Publikumspreis übergeben. / Foto: Stadt Marl


Wohin man geht, woher man kommt

KULTUR. „Früher, als junger Regisseur in der Fremde, habe ich oft einen Blick in die hell erleuchteten Fenster geworfen, wenn ich am Abend auf dem Weg ins Theater war“, erinnert sich Frank Hoffmann. Dort hätten die Familien zusammengesessen. „Und Du Idiot gehst zur Arbeit!“, habe er sich dann gesagt. Diese Fenster seien für ihn zum Sehnsuchtsbild geworden, hätten für ihn Heimat bedeutet.
Heimat steht nun auch im Mittelpunkt der Ruhrfestspiele 2018, der 14. und letzten Spielzeit unter Hoffmanns Intendanz. „Dabei ist Heimat kein statischer Begriff“, führt der Luxemburger weiter aus, „sondern etwas, das in Bewegung ist, Identität schafft, wohin man geht oder woher man kommt und das man erst zu schätzen weiß, wenn man es verloren hat.“
Heimat als gemeinschaftsstiftendes, aber genauso ausgrenzendes Element und deren Verlust durch Vertreibung sowie Flucht und nicht zuletzt das diesjährige Ende des Steinkohlebergbaus als entscheidende Zäsur in der Heimat der Ruhrfestspiele, dem Ruhrgebiet, thematisiert das Recklinghäuser Theaterfestival in seiner kommenden Spielzeit. Schauspiel, Tanz- und Musiktheater, Zirkus, Konzerte, Kabarett und Lesungen – insgesamt 111 Produktionen in 298 Veranstaltungen und 19 Spielstätten bringen die Ruhrfestspiele vom 1. Mai bis 17. Juni auf die Bühne, darunter 13 Uraufführungen sowie sechs Deutschland- und eine Europapremiere. Werke von Hauptmann und Shakespeares über Brecht sowie Dürrenmatt bis hin zu zeitgenössischen Autoren werden von national und international renommierten Theatern inszeniert.
Namhafte Schauspielerinnen und Schauspieler geben sich dabei ein Stelldichein – allen voran die Hollywood-Mimen John Malkovich und Bill Murray, beide in Musikproduktionen zu erleben. Murray – in den 80er- und 90er-Jahren mit Komödien wie „Ghostbusters“ und „Täglich grüßt das Murmeltier“ berühmt geworden – erklimmt erstmals Recklinghausens „grünen Hügel“. „In ‚New Worlds‘ tritt er in einen Dialog mit Cellist Jan Vogler und weiteren Musikern, treffen Texte von amerikanischen Autoren wie Hemingway oder Whitmann auf klassische Stücke von Bach und Beethoven“, erklärt Frank Hoffmann.
John Malkovich dagegen macht nach 2010 und 2011 bereits zum dritten Mal den Ruhrfestspielen seine Aufwartung. „Vor rund einem Jahr haben wir uns in einem Café in Luxemburg getroffen“, erinnert sich Hoffmann, „und ich habe ihn gefragt, ob er nicht ein Stück für uns hätte.“ Er hatte! Zu klassischer Musik verleiht Malkovich nun in „The Music Critic“ diversen Musikkritikern seine Stimme. „Ein Abend voller Verrisse“, verspricht Hoffmann, „der in einem Verriss über John Malkovich selbst mündet.“
Dominique Horwitz, Joachim Król, Corinna Harfouch, Wolfram Koch oder Johanna Wokalek – auch nationale Schauspielgrößen stehen in Recklinghausen auf der Bühne. Musical-Weltstar Ute Lemper singt „Lieder für die Ewigkeit“, die während des NS-Regimes in Gettos und Konzentrationslagern entstanden sind, und mit unter anderem Nina Hoss und Ulrich Matthes sind auch die Lesungen prominent besetzt.
Als Eröffnungsstück inszeniert Frank Hoffmann „Der Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt – eine Koproduktion der Ruhrfestspiele mit dem Burgtheater Wien. „Ein Klassiker des Heimkehrens“, findet Hoffmann, „der heute moderner denn je ist.“
Darüber hinaus zeigt vom 22. Mai bis 16. Juni das Fringe-Festival die ganze Bandbreite der freien Theaterszene von Schauspiel und Tanz über Zirkus und Akrobatik bis hin zu Figurentheater und Musik. Insgesamt 26 Produktionen aus 14 Ländern von Europa bis Nord- und Südamerika bringt das „schräge Festival“ auf die Bühne. Und zum Bergfest am 2. Juni findet erstmals ein Fringe-Fest für Künstler und Publikum statt.
Den Schlusspunkt der Ruhrfestspiele 2018 setzt schließlich am 16. Juni erstmals ein Doppelkonzert, bei dem sowohl Leslie Clio als auch „2raumwohnung“ auf der Bühne stehen. Mit vielen Freunden und Bekannten sagt Frank Hoffmann dann am 17. Juni Adieu. „Jedem Abschied wohnt ein Zauber inne…“, so der Titel der Gala, bei dem sich der langjährige Intendant von seiner zweiten Heimat, den Ruhrfestspielen, seinen Zuschauern und Mitarbeitern verabschiedet.   /Foto: NBM



„Ein starkes Jahr für die Privaten“

FERNSEHEN. Insgesamt 70 Produktionen und Einzelleistungen sind für den 54. Grimme-Preis nominiert. Aus mehr als 900 Einreichungen und Vorschlägen haben die vier Kommissionen in den Kategorien Fiktion, Information & Kultur, Unterhaltung sowie Kinder & Jugend die Nominierten ausgewählt. Ab dem 27. Januar tagen in Marl die Jurys, die insgesamt bis zu 16 Grimme-Preise vergeben können.
„Die Zahl der Einreichungen zeigt, dass sich der Serien-Boom weiter fortsetzt“, so Frauke Gerlach, Direktorin des Grimme-Instituts. Insgesamt 27 Serien waren in der Kategorie Fiktion in der Auswahl, fünf davon wurden für einen Grimme-Preis nominiert.
Weiterhin aktuell – nicht nur in der Kategorie Information & Kultur – sind die Themen Flucht und Migration. Gerade beim Kinder- und Jugendfernsehen fanden sich sehr viele Produktionen im Wettbewerb, die das Thema zielgruppengerecht thematisiert haben.
Steigende Qualität konnte die zuständige Kommission beim Unterhaltungsprogramm nicht feststellen. Von den insgesamt 20 möglichen Nominierungen wurden nur elf vergeben, davon keine für den Bereich Innovation, der in diesem Jahr allerdings von keiner der vier Kommissionen bedacht wurde.
Für die besondere journalistische Leistung in der Kategorie Information & Kultur wählte die Kommission aus insgesamt 35 Einreichungen und Vorschlägen der Vorauswahlkommission sechs Personen und Produktionen aus.
Bemerkenswert in diesem Preisjahr: In drei der vier Kategorien wurden Produktionen der privaten Sender und Anbieter nominiert, davon zwei in der Fiktion und zwei in der Kategorie Information & Kultur. Dazu die Grimme-Direktorin: „Die Nominierung von insgesamt neun privaten Produktionen für den diesjährigen Grimme-Preis zeigt eine positive Tendenz bei der Programmqualität der Privaten – eine für das Fernsehen insgesamt wünschenswerte Entwicklung.“
Die Preisträgerinnen und Preisträger des 54. Grimme-Preises werden am 14. März im Essener Grillo-Theater bekannt gegeben. Die Auszeichnungen selbst werden dann am 13. April im Theater der Stadt Marl verliehen. Durch die Preisverleihung führt die Moderatorin und Journalistin Annette Gerlach. / Foto: NBM(Archiv)


Beratungen rund ums Studium
STUDIUM. Vom 15. Januar bis 9. Februar bietet die Westfälische Hochschule (WH) im Rahmen der „Wochen der Studienorientierung“ viele Vorträge, Workshops und Beratungen rund ums Studium an ihren Standorten Gelsenkirchen, Bocholt und Recklinghausen an.
Auf „Schüler-Eltern-Informationsabenden zur Studienorientierung“ werden beispielsweise Strategien gezeigt, sich im Studienangebot von bundesweit etwa 16.000 Studienmöglichkeiten zu orientieren sowie Basiswissen zu Zugangsvoraussetzungen, Bewerbungsverfahren und dem Studium im Allgemeinen vermittelt. Nach den Vorträgen besteht die Möglichkeit, individuelle Fragen zu stellen und sich beraten zu lassen. Die Veranstaltungen finden am Campus Gelsenkirchen am 16. Januar, am Campus Recklinghausen am 23. Januar und am Campus Bocholt am 31. Januar jeweils ab 17 Uhr statt.
In „Workshops zur Studienorientierung“ wird Schülerinnen und Schülern in kleinen Arbeitsgruppen zum selber Ausprobieren gezeigt, wie sie sich im „Studiengangs-Dschungel“ orientieren und informieren können, um anschließend eine für sie passende Studienwahl zu treffen. Die Workshops an den Hochschulstandorten Gelsenkirchen und Bocholt finden am 20. Januar von 10 bis 13.30 Uhr statt, in Recklinghausen wird der Workshop am 27. Januar von 10 bis 13.30 Uhr angeboten.
Die Teilnahme an den Angeboten ist kostenfrei, allerdings wird bei einigen Formaten eine Anmeldung erbeten. Das Programm sowie Anmeldeformulare unter www.w-hs.de/wochen-der-studienorientierung. / Foto: WH/Lisa Erhorn


Diagnose Brustkrebs
MEDIZIN. Am 19. und 20. Januar lädt das BrustZentrum Kreis Recklinghausen bereits zum zehnten Mal zum Senologietag ein. Denn Brustkrebs ist heute gut behandelbar und im Frühstadium sogar mit hoher Erfolgsquote heilbar. Selbst in fortgeschrittenen Krankheitsstadien können Betroffene eine hohe Lebensqualität erhalten. Nach einem fachlichen Austausch der Ärzte am 19. Januar stehen Betroffenen und Interessierten am Samstag, 20. Januar, die Türen des Ruhrfestspielhauses Recklinghausen offen.
Ab 10 Uhr gibt es in Fachvorträgen Neues über Diagnose und Therapie zu hören: Chefarzt Prof. Dr. Harald Eufinger und Dr. Solaiman Mufti von der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie erläutern „Die Bisphosphonattherapie aus Sicht des Kieferchirurgen“. Dr. Brauckhoff, Chefarzt der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin berichtet über „Neues aus der Mammadiagnostik - Tomosynthese“. Dr. Wilhelms, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, spricht über die „Bedeutung und Aussagekraft von Gentests“ und Dr. Natalie Herold vom Zentrum Familiärer Brust- und Eierstockkrebs bietet eine „Genetische Beratung“.
Zwischendurch präsentieren Sanitätshäuser und Haarstudios eine Modenschau für Körper und Kopf unter dem Motto „Mich gestalten und wohlfühlen“. Durch den Tag führen Dr. Dorothee Drüppel, Chefärztin in der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und Koordinatorin des BrustZentrums, sowie Dr. Ludger Heflik von der Praxis und Tagesklinik für Onkologie. Sie moderieren auch die Schlussrunde gegen 14 Uhr, in der alle Ärzte des BrustZentrums für Fragen zur Verfügung stehen.
Ergänzt wird das medizinische Wissen durch ein umfangreiches Programm mit Live-Demonstrationen und Ausstellungen von Industrie, Dienstleistern und Selbsthilfegruppen. Unter anderem erhalten Interessierte wertvolle Tipps zur Selbstuntersuchung, bei der Besucherinnen am Brustmodell lernen, sich richtig abzutasten.
Weitere Informationen sowie alle Programmpunkte sind im Internet unter www.brustzentrum-re.de zu finden. / Foto: pixabay.com/AlarconBenthos


„Alters-Hartz-IV“ fast verachtfacht
SENIOREN. Altersarmut auf dem Vormarsch: Die Zahl der Menschen, die im Kreis Recklinghausen neben ihrer Rente auf Grundsicherung angewiesen sind, hat sich in den vergangenen zehn Jahren fast verachtfacht. 8.360 Bezieher von „Alters-Hartz-IV“ zählte der Kreis zuletzt. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit.
Die NGG Ruhrgebiet bezieht sich hierbei auf Angaben des Statistischen Landesamts. NGG-Geschäftsführerin Yvonne Sachtje nennt die Zahlen einen „Weckruf“ und fordert einen Kurswechsel in der Rentenpolitik.
„Zwar ist die Rentenkasse so gut gefüllt wie lange nicht, aber Geringverdiener profitieren kaum von der nächsten Erhöhung“, so Sachtje. Gerade Frauen und Alleinerziehenden bleibe trotz vieler Arbeitsjahre der Gang zum Sozialamt häufig nicht erspart. Verschärfen dürfte sich die Lage in den nächsten zwei Jahrzehnten: Nach einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung wird das Armutsrisiko besonders für die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er- und 1960er-Jahre ansteigen– von aktuell 15 auf 20 Prozent im Jahr 2036. Als armutsgefährdet gilt ein Rentner, dessen Netto-Einkommen unter 958 Euro monatlich liegt.
Die NGG Ruhrgebiet plädiert für eine Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung. „Das Rentenniveau – also der Anteil der späteren Rente am Netto-Verdienst – muss unbedingt stabilisiert werden. Im Moment sind es 48 Prozent – langfristig sollten wir eher auf 50 Prozent kommen“, sagt Gewerkschafterin Sachtje. Die Politik müsse dringend handeln: Denn die Bundesregierung geht in ihrem aktuellen Rentenversicherungsbericht noch von einem Absinken des Rentenniveaus auf 44,6 Prozent bis zum Jahr 2031 aus.
„Enorm wichtig ist aber auch die betriebliche Altersvorsorge. Sie ist ein großer Schutz gegen Altersarmut, gerade wenn sie fest im Tarifvertrag verankert ist“, betont Sachtje. So hat die NGG tarifliche Zusatzrenten etwa in der Süßwaren- und Getränkeherstellung durchgesetzt.
Immerhin gilt ab Januar: Betriebsrenten dürfen nicht mehr voll auf die Grundsicherung angerechnet werden. Ein neues Gesetz garantiert hier Freibeträge. „Damit haben etwa Kellner und Bäcker im Ruhestand deutlich mehr in der Tasche – vorausgesetzt, im Betrieb gilt ein tariflicher Altersvorsorgevertrag“, so Sachtje. Genau das wolle die NGG 2018 weiter vorantreiben.  / Foto; NGG


„Sie alle sind Vorbilder“
AUSZEICHNUNG. „Ob das Engagement für unsere Umwelt, für die Welt, in der wir leben, ob im sozialen Bereich für die Mitmenschen oder, wie in diesem Jahr im Fokus, bei den Feuerwehren und Hilfsorganisationen – ohne ehrenamtliches Engagement wäre unsere Gesellschaft sehr arm“, so Landrat Cay Süberkrüb bei der Verleihung des „Vestischen Preis für Menschen mit Ideen“. Die Auszeichnung für ehrenamtliches Engagement im Kreis ist in diesem Jahr an Menschen gegangen, die sich in besonderer Weise bei der Feuerwehr oder Hilfsorganisationen engagieren.
Preisträger sind die Jugendfeuerwehr Herten-Scherlebeck, die Rettungsschwimmer der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) der Ortsgruppe Marl und das Technisches Hilfswerk (THW) des Ortsverbandes Recklinghausen. Sie bekommen neben der Auszeichnung jeweils 500 Euro. Eine unabhängige Jury hatte über die drei Gewinner entschieden.
Die Jugendfeuerwehr Herten-Scherlebeck hat den Vestischen Preis für ihr außergewöhnliches Engagement für den Feuerwehr-Nachwuchs erhalten. Unter der Anleitung von Benjamin Lipps und Andreas Schmidt werden Kinder und Jugendlichen an viele Aufgaben aus dem Feuerwehr-Alltag heran geführt. Dafür treffen sie sich jeden Mittwoch und üben unter anderem Knoten und Stiche oder entnehmen Wasser aus offenen Gewässern. Die aktive Jugendarbeit soll dazu beitragen, Interesse für das Berufsbild zu entwickeln.
Zweiter Preisträger sind die Rettungsschwimmer der DLRG Ortsgruppe Marl, die nicht nur in Freibädern, an Badeseen oder am Kanal für die Sicherheit der Menschen sorgen. Mit ihrer Arbeit engagieren sie sich auch dafür, Nichtschwimmern das Schwimmen beizubringen. Darüber hinaus besetzt die Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft am Wesel-Datteln-Kanal zwischen den Schleusen Dorsten und Flaesheim eine eigene Station für den Wasserrettungsdienst.
Der dritte Preis ist an das THW Ortsverband Recklinghausen gegangen, der sich in besonderem Maße für den Katastrophen- und Bevölkerungsschutz im Kreis einsetzt. Das Ausleuchten von Einsatzstellen und das Beseitigen von Gefahrenstellen auf Gehwegen oder Straßen sind nur einige Aufgaben der ehrenamtlichen Kräfte. Darüber hinaus setzt sich der Ortsverband auch für die Flüchtlingshilfe und die Jugendarbeit ein. Neben der Ausbildung bietet das THW jungen Menschen auch Hilfestellung bei den Hausaufgaben an.
„Sie alle sind Vorbilder, Ihr Engagement ist außergewöhnlich. Berichten Sie anderen, warum es sich lohnt, sich einzubringen“, erklärt Landrat Süberkrüb. „Ihr Ideenreichtum, Ihr Mut, Ihre Kreativität und Ihr Durchhaltevermögen beeindrucken mich sehr!“
Der „Vestische Preis für Menschen mit Ideen“ wird jährlich mit einem wechselnden Schwerpunkt verliehen. Er soll das ehrenamtliche Engagement der Menschen im Kreis Recklinghausen sichtbar machen und in seiner Vielfalt würdigen. / Foto: Kreis RE


Unterstützung und Dank für die Tafeln
SOZIALES. „Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Tafeln im Kreis tragen mit ihrem selbstlosen Engagement dazu bei, die Not der Menschen ein Stück weit zu lindern. Für diesen Einsatz bin ich sehr dankbar“, so Landrat Cay Süberkrüb bei einer Stippvisite der Einrichtungen.
Gemeinsam mit Dominik Schad, dem Leiter des Jobcenters Kreis Recklinghausen, besuchte der Landrat alle Tafeln im Kreis. Zur Unterstützung ihrer ehrenamtlichen Arbeit haben die gemeinnützigen Einrichtungen einen großen Korb mit weihnachtlichen Produkten sowie eine Spende von 200 Euro bekommen. „Mit Lebkuchen und Schokolade möchten wir das Angebot der Tafeln weihnachtlich ergänzen“, sagt Schad. Auch für die Helferinnen und Helfer hatten die beiden etwas dabei: Weihnachtssterne als kleines Zeichen des Danks und der Anerkennung für ihr ehrenamtliches Engagement.
Im Kreis versorgen insgesamt elf Tafeln bedürftige Menschen mit Lebensmitteln und dem Nötigsten. „Besonders zur Weihnachtszeit sollten wir uns auf das Wesentliche besinnen und dabei die Menschen unterstützen, die den Schwächsten in unserer Gesellschaft beistehen“, betont Landrat Süberkrüb. / Foto: Kreishaus Recklinghausen


Bequem und bargeldlos ein Parkticket kaufen
RECKLINGHAUSEN. Einfach, bequem und bargeldlos ein Parkticket kaufen – das ist jetzt auf allen öffentlichen Parkplätzen rund um die Recklinghäuser Innenstadt möglich. Seit Anfang Oktober macht hier die kostenlose App „Lavreso Parken“ den Gang zum Automaten überflüssig, denn damit lässt sich per Smartphone im Handumdrehen das gewünschte Ticket digital kaufen.
Entwickelt hat „Lavreso Parken“ der Softwarespezialist InfoTech mit Sitz in Recklinghausen. Vertrieben wird die App von der Lavreso GmbH, einer 100-prozentigen Tochter des Unternehmens. „Zunächst haben wir die App auf unserem Parkplatz an der Alten Feuerwache erfolgreich eingeführt“, erklärt InfoTech-Geschäftsführer Rainer Hans. Es folgte ein Vertrag mit der Stadt Recklinghausen, demzufolge die Lavreso GmbH das Parken per App für die Stadt auf allen öffentlichen Parkplätzen anbieten kann. „Zukünftig wollen wir das System in der ganzen Emscher-Lippe-Region und darüber hinaus etablieren“, so Hans weiter.
Die Handhabung von „Lavreso Parken“ ist denkbar einfach: Die App steht für alle Mobilplattformen – für iOS, Android und Windows Phone – zur Verfügung und kann aus den App-Stores geladen werden. Nach der Installation führt die App den Benutzer durch die ersten Schritte, hilft bei der Erstellung eines Kontos, über das dann das Parkticket bezahlt wird. Aufgeladen wird das Konto zum Beispiel per Lastschrift. „In diesem Fall steht dem Benutzer das Guthaben sofort zur Verfügung“, erklärt Rainer Hans. Alternativ ist auch das Aufladen per Überweisung oder – völlig anonym – per Lavreso-Guthabenkarte möglich, die man in diversen Geschäften in Recklinghausen bekommt.
Möchte der Benutzer ein Parkticket kaufen, kann er zunächst den betreffenden Parkplatz entweder aus einer Liste auswählen oder – noch einfacher – die App ermittelt den Parkplatz mittels GPS automatisch. Dann löst man für den gewünschten Zeitraum sein Ticket. Ähnlich einem Papierticket, das hinter der Windschutzscheibe zu sehen ist, liegt das elektronische Parkticket (E-Ticket) in einer Datenbank und kann dort zur Kontrolle durch die Stadt eingesehen werden. Der Benutzer selbst hat ebenfalls Einblick darin und kann so zum Beispiel schnell prüfen, wie viel Parkzeit noch übrig ist und diese gegebenenfalls verlängern.
Der Clou: „Sowohl für den Benutzer als auch für die Stadt Recklinghausen entstehen keinerlei Zusatzkosten“, führt Hans weiter aus. „Der Benutzer zahlt lediglich den Ticketpreis, den er auch am Parkautomaten zahlen würde. Diese Einnahme leiten wir eins zu eins an die Stadt weiter.“ Entwicklung und Vertrieb der App sollen über Werbung in der App finanziert werden.
Weitere Informationen sind unter www.lavreso.com zu finden. / Foto: NBM


„Wir sind für unsere Nächsten da“
SOZIALES. Norbert Homann ist ein Mann der Tat, ein Mann, der sich nicht so leicht unterkriegen lässt. Das war früher schon so und hat sich bis heute nicht geändert. Der 74-Jährige war vor mehr als 30 Jahren maßgeblich daran beteiligt, dass das Hospiz zum heiligen Franziskus in Recklinghausen gegründet wurde. Für sein langjähriges Engagement ist Homann jetzt mit der Paulus-Plakette des Bistums Münster ausgezeichnet worden, die er „stellvertretend für die vielen ehren- und hauptamtlichen Helfer seit der Gründung 1986, insbesondere die Verstorbenen“ angenommen hat.
Gemeinsam hat sich Homann Mitte der 1980er-Jahre mit der inzwischen verstorbenen Schwester Reginalda Kuss und Pfarrer Hans Overkämping für ein Hospiz stark gemacht. Das war zu einer Zeit, als die Hospiz-Idee in Deutschland noch völlig unbekannt war. „Auch beim Bistum mussten wir anfangs für unser Anliegen ordentlich kämpfen“, blickt der Halterner zurück und fügt hinzu: „Diese Auszeichnung wird uns künftig daran erinnern, dass unsere Arbeit trotz aller Schwierigkeiten gewürdigt wird.“ Wenn sich der ehemalige Verwaltungsdirektor des Elisabeth-Krankenhauses an diese Zeit erinnert, lächelt er: „Gut, dass wir so jung waren. Ansonsten wären wir sicherlich nicht so blauäugig an das Thema herangegangen.“
Das Hospiz zum heiligen Franziskus in Recklinghausen ist das älteste in Deutschland. „Wir arbeiten im franziskanischen Geist. Das bedeutet für uns, dass wir für unseren Nächsten da sind – und nicht nur für die Sterbenden“, macht Homann ein besonderes Anliegen deutlich. Ebenso sei Offenheit gefragt: für die Menschen, die im Hospiz ihre letzte Zeit verbringen ebenso wie für diejenigen, die sich beruflich oder ehrenamtlich engagieren.
Mehr als 120 Freiwillige setzen ihre Talente rund um das Hospiz inzwischen auf unterschiedliche Weise ein. Einige helfen bei Wohnungsauflösungen, andere kümmern sich um den Verkauf im Second-Hand-Laden oder im Ebay-Shop, wieder andere engagieren sich in der stationären oder auch in der ambulanten Begleitung Sterbender. „Und sie alle erleben, wie viel Menschlichkeit die Hospizarbeit zurückgeben kann“, sagt Homann, der seit Bestehen des Hauses ehrenamtlich als Geschäftsführer tätig ist.
Die Hospizarbeit habe sich in den vergangenen 30 Jahren sehr verändert. „Damals standen wir noch allein da, heute ist unsere Arbeit in Recklinghausen und weit darüber hinaus anerkannt. In Deutschland gibt es inzwischen 235 stationäre Hospize“, klärt Norbert Homann auf. Wichtig sei immer der Geist, der in einem Haus wehe. „Eitelkeiten sind nicht angebracht. Toleranz und Nächstenliebe spielen die größte Rolle.“ Jeder, der ins Hospiz komme, werde so angenommen wie er sei – egal ob Mitarbeitende, Ehrenamtliche oder Patienten.
Die Auszeichnung des Bistums, die ihren Platz im Raum der Stille erhalten wird, ist für Homann aber auch Ansporn, weiter nach vorn zu schauen. „Die 30 Jahre dienen nicht dazu, sich darauf auszuruhen. Wir wollen nicht stehen bleiben, sondern es soll immer weitergehen“, sagt er. Das ist auch nach außen sichtbar. Vor knapp vier Jahren erfolgte der Umzug in einen Neubau auf dem Gelände der ehemaligen Heilig-Kreuz-Kirche mit Platz für elf Patienten. Hinzu gekommen ist seit April das Angebot, acht unheilbar erkrankte Menschen in ihren eigenen vier Wänden medizinisch und psychosozial zu betreuen. „Wenn etwas gut ist und einen Segen hat, dann packen wir es an“, sagt Homann. Und in diesem Sinn wird sicherlich noch das eine oder andere Projekt am, im und um das Hospiz verwirklicht. 
Seit 1968 verleiht der Bischof von Münster die Paulus-Plakette „in Anerkennung der um das Bistum Münster erworbenen Verdienste“. Damit zeichnet der Bischof Menschen aus, die sich in besonderer Weise engagiert haben. Überreicht wird die Auszeichnung in der Regel vom jeweiligen Regionalbischof. / Foto: Michaela Kiepe/Bischöfliche Pressestelle


Authentisch für die Ausbildung
BERUF. Neugier auf eine Ausbildung im Handwerk wecken – das beabsichtigten 86 Lehrlinge aus dem Münsterland und der Emscher-Lippe-Region, die in diesem Jahr als Ausbildungsbotschafter in Schulklassen gingen, sechs davon kamen aus dem Kreis Recklinghausen. In 220 Einsätzen berichteten sie von ihrem Weg in eine handwerkliche Ausbildung und ihren eigenen Erfahrungen im Wunschberuf. Authentisch und auf Augenhöhe erreichten sie dabei 4.700 Schülerinnen und Schüler von 51 allgemeinbildenden Schulen.
Für ihr Engagement wurden die jungen Botschafter und ihre Ausbildungsbetriebe jetzt von der Handwerkskammer (HWK) Münster geehrt. „Ich finde es toll, dass Sie bereit waren, Ihre Begeisterung für das Handwerk in die Schulklassen zu bringen und die Jugendlichen damit anzustecken“, lobte Heinz Börding, Vorsitzender des HWK-Berufsbildungsausschusses, die beteiligten Lehrlinge und Betriebe.
70 Handwerksunternehmen haben den Auszubildenden die Teilnahme an den Einsätzen ermöglicht, für die diese vorab von der Handwerkskammer geschult wurden. In den Klassen erklärten die Lehrlinge, was bei der Berufswahl wichtig ist und wie man Ausbildungsbetriebe findet. Sie gaben Tipps für die Bewerbung und zeigten die Aufstiegsperspektiven auf. Schließlich beantworteten sie zahlreiche Fragen der Schüler rund um die Ausbildung im Handwerk. „Ich weiß, dass Sie mit Ihrer glaubwürdigen Art gut in den Klassen ankommen“, ist Heinz Börding überzeugt. Die Einsätze wurden von der Handwerkskammer koordiniert. Seit Anfang 2015 werben insgesamt 225 Ausbildungsbotschafter für die betriebliche Ausbildung im Handwerk.
Weitere interessierte Betriebe und Auszubildende werden gesucht und können sich bei der HWK melden: Heidi Bülow, ( (0251) 705-17 86. / Foto: Handwerkskammer Münster



Rettungsdienst wird aufgestockt
RECKLINGHAUSEN. Die Einsatzzahlen im Rettungsdienst und Krankentransport steigen seit Jahren stetig – das ist nicht nur ein bundesweiter Trend, sondern auch in Recklinghausen spürbar. Alleine im Zeitraum von 2011 bis 2016 stiegen die Einsatzzahlen der Rettungswagen in Recklinghausen um 2.300 Einsätze, die Krankentransportzahlen im selben Zeitraum um 1.500 Einsätze. Zahlen, denen der Kreistag nun durch seinen überarbeiteten Rettungsdienstbedarfsplan Rechnung trägt.
Der Kreistag hat nun die Fortschreibung des Rettungsdienstbedarfsplans für den Kreis Recklinghausen beschlossen – auch für die Stadt Recklinghausen hat das konkrete Auswirkungen. Um den gestiegenen Zahlen im Krankentransport Rechnung zu tragen und insbesondere in den Nachtstunden Rettungswagen für Notfälle einsatzbereit zu halten, wird in den Städten Castrop-Rauxel, Marl und Recklinghausen rund um die Uhr ein zusätzlicher Krankentransportwagen (KTW) vorgehalten. Einer dieser 24-Stunden-KTW wird an der Feuer- und Rettungswache Recklinghausen stationiert. Unberührt davon sind tagsüber unter der Woche in Recklinghausen drei weitere KTW einsatzbereit. „Durch die Installation des 24-Stunden-KTW in Recklinghausen werden Notfall-Rettungsmittel auch für Notfälle frei gehalten und nicht mehr so stark durch Krankentransporte belastet. Dies entlastet unsere bereits stark ausgelasteten Rettungsmittel, was wir bereits seit längerem gefordert haben“, sagt der Beigeordnete Ekkehard Grunwald.
Da die Auslastung der Rettungswagen (RTW) in Recklinghausen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist und nicht im ausreichenden Maße die sogenannte „Hilfsfrist“ von acht Minuten eingehalten werden konnte (76,79 Prozent in 2015), wenn Rettungswagen von fremden Wachen zum Einsatz kommen mussten, gibt es demnächst auch mehr Rettungswagen in Recklinghausen. Neben den bisherigen insgesamt vier Rettungswagen an der Feuer- und Rettungswache in der Stadtmitte, in Recklinghausen-Süd und Ortloh gibt es demnächst tagsüber zwei weitere Rettungswagen. Je einer wird an der Feuer- und Rettungswache an der Kurt-Schumacher-Allee und einer an der Rettungswache Recklinghausen-Süd am Elisabeth-Krankenhaus stationiert. Bereits seit Oktober gibt es auch nachts einen weiteren Rettungswagen. Um den gestiegenen Einsatzzahlen bei adipösen, also überschweren Patienten, gerecht zu werden, wird in Recklinghausen zusätzlich ein spezieller Schwerlast-RTW stationiert.
„Die Umsetzung der nun beschlossenen Maßnahmen wird in Gänze jedoch noch etwas Zeit benötigen. Neben Personal und den erforderlichen Fahrzeugen für die Erweiterung werden erst bauliche Maßnahmen erforderlich sein, um Platz für die Rettungsfahrzeuge zu schaffen, „ erläutert der Leiter der Feuerwehr, Thorsten Schild. „Auch dies ist im Rettungsdienstbedarfsplan bereits fest gehalten.“
Spätestens im Jahr 2022 wird sich der Kreistag erneut mit einer Überprüfung des Rettungsdienstbedarfsplans befassen müssen. Auch in den weiteren Städten des Kreises gibt es Erweiterungen im Rettungsdienst. Für die Aufstellung des Rettungsdienstes ist der Kreis verantwortlich. Die Kosten des Rettungsdienstes werden durch die Krankenkassen getragen. Diese wurden im Vorfeld konsultiert und haben dem Bedarfsplan in dieser Form zugestimmt. Für den Bürger entstehen keine höheren Kosten. / Foto: pixabay.com/Golda


Im Ausland fit für den Arbeitsmarkt werden
AUSBILDUNG. Arbeitslose Jugendliche und junge Erwachsene in Ausbildung, Arbeit oder zu einem Schulabschluss zu bringen, ist Ziel von „EUfit plus“. Bei dem Projekt verbringen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer drei Monate in Irland, wohnen dort in Gastfamilien, absolvieren ein betriebliches Praktikum und engagieren sich in einem sozialen Projekt. Am 1. Dezember ist das Projekt im Kreis gestartet, doch es sind noch Plätze frei.
„EUfit plus“ wird im Rahmen der „ESF-Integrationsrichtlinie Bund, Handlungsschwerpunkt Integration durch Austausch (IdA)“ durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert. Es handelt sich um ein Kooperationsprojekt vom Bildungszentrum des Handels e.V. und RE/init e.V., der das Projekt im Kreis durchführt.
Das Projekt möchte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Chance eröffnen, neue Verhaltensmuster auszuprobieren und zu etablieren. Sie sollen neue Fähigkeiten und Fertigkeiten erwerben und so ihr Selbstbewusstsein sowie ihre Persönlichkeit stärken. Durch die im Ausland erworbenen Sozial- und Handlungskompetenzen soll den Jugendlichen ein Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtert werden. Sie werden ermutigt, ihre Flexibilität und Mobilitätsbereitschaft zu erweitern.
Das Projekt gliedert sich in drei Phasen und dauert insgesamt zehn Monate. Von Dezember bis Februar steht eine dreimonatige Vorbereitung auf den Aufenthalt in Irland mit Englischunterricht sowie Bewerbungs-, Sozialkompetenz- und interkulturellem Training auf dem Programm. Von März bis Mai/Juni folgt dann der Aufenthalt in der irischen Stadt Cork. Dort wohnen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Gastfamilien, absolvieren einen dreiwöchigen Sprachkurs sowie ein betriebliches Vollzeitpraktikum mit Arbeitszeugnis und arbeiten im Anschluss in einem zweiwöchigen sozialen Projekt. Von Juni bis September steht schließlich die Nachbetreuung an. / Foto: pixabay.com/ KlausHausmann


Mit Stutenkerlen Gutes bewirken
AUFRUF. Stutenkerle gehören zum Nikolausfest wie das Feuerwerk zu Silvester. Alljährlich am 6. Dezember erfreut das Gebäck mit der unverkennbaren Pfeife Kinder in der ganzen Republik. Doch in diesem Jahr können Sie, liebe Leserinnen und Leser, mit dem Kauf eines Stutenkerls bei „Die Bäckerei“ Hövelmann nicht nur ihren eigenen Nachwuchs beglücken, sondern gleichzeitig auch noch benachteiligten Menschen im Kreis helfen. Denn der Kurier zum Sonntag und die Traditionsbäckerei führen gemeinsam eine Spendenaktion durch, wobei zehn Cent eines jeden verkauften Stutenkerls an das Recklinghäuser „Gasthaus“ gehen, das unter anderem Wohnungslosen und weiteren Menschen, die es sich finanziell nicht leisten können, einen täglichen Mittagstisch anbietet.
Für den Kurier und die Bäckerei ist es nicht die erste Aktion dieser Art. Bereits 2015 verkaufte man Stutenkerle für soziale Vereine im Kreis. Insgesamt 1.000 Euro waren seinerzeit für den Verein WiLmA in Recklinghausen und die Lebenshilfe Recklinghausen/Herten e.V. zusammengekommen. „An diesen Erfolg wollen wir nun anknüpfen und hoffen natürlich, dass noch mehr Geld für Menschen im Kreis zusammenkommt, die nicht ohne Weiteres ein fröhliches Weihnachtsfest feiern können“, erklärt Kurier-Anzeigenleiter Matthias Kötter. Und Klaus Hövelmann, Inhaber der gleichnamigen Bäckerei, die mit 20 Filialen im Kreis vertreten ist, ergänzt: „Unsere vorangegangene Aktion war sehr erfolgreich und ich freue mich, diesmal das Gasthaus unterstützen zu dürfen.“
Das soziale Engagement von Gasthaus und Gastkirche, in der Recklinghäuser Altstadt gelegen, ist vielfältig: Für Hinterbliebene bietet die Einrichtung eine Trauergruppe an. Die „Knast-Gruppe“ unterhält Kontakt zu Gefängnisinsassen und unterstützt diese, wenn sie wieder auf freien Fuß kommen. Im Eine-Welt-Laden werden fair gehandelte Produkte verkauft und gemeinsam mit weiteren Partnern ist das Gasthaus Träger eines Second-Hand-Ladens, in dem sich auch Menschen, deren finanzielle Situation nicht den Kauf von neuer Ware zulässt, mit Kleidung eindecken können.
„Das Geld aus dem Stutenkerl-Verkauf wird für unseren täglichen Mittagstisch verwenden“, erzählt Pfarrer Ludger Ernsting. Wohnungslosen, Menschen, die es sich finanziell nicht leisten können, oder psychisch Kranken, die sonst keine oder kaum soziale Kontakte haben, wird hier an sieben Tagen in der Woche eine warme Mahlzeit serviert. „Innerhalb der Woche nutzen 25 bis 35 Personen das Angebot, an den Wochenenden können es bis zu 50 werden“, führt Ernsting näher aus. Zwar bekomme das Gasthaus auch Lebensmittelspenden, „doch allmonatlich müssen wir für rund 1.200 Euro Lebensmittel dazukaufen“, so der Pfarrer weiter. Da sei man natürlich auf Spenden angewiesen.
Nun hoffen alle Beteiligten, dass Sie, liebe Leserinnen und Leser, viele Stutenkerle kaufen, damit möglichst viel Geld für den guten Zweck zusammenkommt. Also auf zur nächsten Hövelmann-Filiale!
Die Spendenaktion des Kurier zum Sonntag und der Bäckerei Hövelmann läuft vom kommenden Montag, 27. November, bis einschließlich Samstag, 16. Dezember. Von jedem Stutenkerl, den Sie in einer Hövelmann-Filiale kaufen, gehen zehn Cent an das Gasthaus Recklinghausen. Weitere Informationen zur Einrichtung unter www.gastkirche.de.  Foto: André Przybyl


Nachwuchs für die Vereinten Nationen
POLITIK. Für Schülerinnen und Schüler an weiterführenden Schulen im Kreis gibt es Ende November ein Simulationsspiel an der der Westfälischen Hochschule in Recklinghausen, das ihnen die Organe, Regeln und den speziellen Wortschatz der Vereinten Nationen – kurz UN – näherbringt. Chefplaner ist Prof. Dr. Andreas Müglich vom Fachbereich Wirtschaftsrecht der Hochschule, der bereits seit 15 Jahren die Beteiligung von Studierenden an einem entsprechenden Simulationsspiel einer Sitzung der Vereinten Nationen in New York organisiert.
Die Vereinten Nationen kommen mit ihrem internationalen Kürzel UN in den Weltnachrichten in vielen Institutionen vor: dem Flüchtlingshilfswerk UNHCR, dem Kinderhilfswerk UNICEF oder der Bildungs-, Wissenschafts- und Kulturorganisation UNESCO, um nur drei Beispiele zu nennen. Die Geschichte der UN und wie sie arbeitet, muss jedoch von jeder Generation immer wieder neu gelernt werden, damit dieser weltumspannende Zusammenschluss von fast 200 Staaten zur Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit wirken kann.
Regelmäßig führt die UN auch Simulationsspielen für Schüler und Studierende durch. Bereits seit anderthalb Dekaden nimmt der Recklinghäuser Fachbereich Wirtschaftsrecht unter der Leitung von Prof. Dr. Andreas Müglich an dem entsprechenden Spiel für Studierende in New York teil. Jetzt hat Müglich ein UNO-Spiel für Schülerinnen und Schüler und an weiterführenden Schulen im Kreis Recklinghausen organisiert und rund 100 Schüler von Gymnasien und Berufskollegs aus Recklinghausen sowie Herten werden voraussichtlich teilnehmen. Außerdem haben sich Schüler aus dem Recklinghäuser Partnerkreis Wodzislaw in Polen und über das Projekt „Vielfalt verbindet“ aus dem lettischen Verwaltungsbezirk Jelgavas angemeldet. Vor dem großen Tag des Spiels kommen die Schüler zweimal auf den Recklinghäuser Campus der Westfälischen Hochschule zur Vorbereitung zusammen. Am 30. November findet das eigentliche Spiel dann im Kreishaus Recklinghausen statt.
Die Beteiligung von Landrat Cay Süberkrüb und eine in der UNO-Sprache Englisch gehaltene Grußrede von Hochschulpräsident Prof. Dr. Bernd Kriegesmann sollen dem Spiel einen offiziellen Charakter verleihen. Als Sponsor beteiligt sich die Sparkasse Vest Recklinghausen, vertreten durch Vorstandsmitglied Christian Zumschilde. Nach der Konferenz im Kreishaus treffen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dann zum „Delegates Dance“ im Ratskeller. Müglich: „Denn wer arbeitet, soll auch feiern!“ / Foto: WH/Andreas Müglich


Überzeugendes Unternehmenskonzept
WIRTSCHAFT. Vier Jungunternehmerinnen aus dem Kreis Recklinghausen sind mit dem Unternehmerinnenbrief NRW ausgezeichnet worden. Christin Grote aus Datteln, Marie-Theres Hübner aus Herten, Doris Kruck aus Marl und Michelle Schwabe aus Recklinghausen überzeugten mit ihrem Unternehmenskonzept und ihrer Authentizität. „Mit dem Weg ins Unternehmertum geht man auch immer ein Wagnis ein. Die Auszeichnung soll Ihnen die Bestätigung geben, weiter zu machen“, sagte Landrat Cay Süberkrüb. „Mit Ihrem Unternehmertum stärken Sie unsere Region.“
Der Unternehmerinnenbrief NRW ist eine Auszeichnung des Landes, für den sich Gründerinnen aus neun Regionen in ganz Nordrhein-Westfalen bewerben können. Damit erhalten die Frauen Unterstützung bei ihrer Unternehmensplanung, werden von einer Patin oder einem Paten im betrieblichen Alltag begleitet und können ihre Kontaktnetzwerke erweitern.
Christin Grote erhielt die Auszeichnung für die Gründung ihrer eigen logopädischen Praxis für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Datteln. Von sich überzeugen konnte auch Marie-Theres Hübner, die Ergotherapie und Jobcoaching („Ergocoach“) miteinander verbindet und mit einer bestehenden Ergotherapie-Praxis in Herten fusionierte. Ebenfalls mit dem Unternehmerinnenbrief ausgezeichnet, arbeitet Doris Kruck selbstständig als Trauerbegleiterin und Trauerrednerin in Marl. Und Michelle Schwabe bekam durch die Auszeichnung Unterstützung bei ihrer Selbstständigkeit als Fotografin in Recklinghausen.
Das Startercenter des Kreises betreute das Quartett bereits im Vorfeld. „Wir sind sehr stolz auf unsere Unternehmerinnen. Die Arbeit des Startercenters trägt Früchte: Bleiben Sie sich treu, Sie sind gute Vorbilder für andere Frauen“, erklärte Petra Bauer, Beraterin des Startercenters und wünschte den vier Gründerinnen alles Gute für die Zukunft. / Foto: Kreis RE

„Ein kultureller Gemischtwarenladen“
KULTUR. Pünktlich zum Jahresende, erwarten Kulturfans aus Datteln und Umgebung ungeduldig und mit Spannung das neue Dattelner Kulturprogramm. Das Warten hat sich auch in diesem Jahr geloht. Für 2018 kann das Kulturbüro wieder zahlreiche Höhepunkte und Vorpremieren vermelden. Ob Comedy, Kabarett, Konzerte, Varieté, Open-Air-Kino, Kleinkunst oder Kindertheater: Das Jahr 2018 wird großartige Künstler, hervorragende Auftritte und selbstverständlich begeisterte Besucher hervorbringen.
Die Besucher dürfen hochklassige Konzerte mit Musikern von Weltrang erwarten: Jazz-Trompeter Till Brönner und Kontrabassist Dieter Ilg oder Salut Salon, das ungewöhnlichste Frauenquartett im Reich der Klassik, – alle Echo-Preisträger in verschiedenen Kategorien – oder den legendären Manfred Mann und seine Earth Band, die zusammen mit der Dattelner Musik-Nacht für Gänsehautatmosphäre sorgen.
Ebenfalls kommen René Marik, Kaya Yanar, Matze Knop, Wilfried Schmickler, Herbert Knebels Affentheater, Storno und die Bullemänner – allesamt Wortakrobaten „par excellence“ aus den Bereichen Kabarett und Comedy. Außerdem gibt es weder viele leckere NachtSchnittchen und Kindertheater mit dem kleinen Gespenst. Den Startschuss feiert, wie in jedem neuen Jahr, die Dattelner Varieté-Nacht am 16. Januar.
Dattelns Bürgermeister André Dora ist vom Programm beeindruckt: „Was das Kulturbüro Jahr für Jahr auf die Beine stellt, ist absoluter Wahnsinn. Mit einem kleinen Etat zaubert das Kulturbüro ein Angebot mit vielen Hochkarätern.“ Das weiß nicht nur Bürgermeister Dora. Auch namhafte Künstler fragen selbst an, ob sie ihre Vorpremieren in Datteln spielen dürfen. „Kaya Yanar hat persönlich im Kulturbüro angefragt“, erklärt der Bürgermeister weiter.
Zwar liegt in diesem Jahr der Schwerpunkt wieder mehr auf musikalischen Veranstaltungen, dennoch ist das vielseitige Angebot gut durchdacht. „Wenn diese Zeiten etwas brauchen, dann sind es guter Humor und beste Unterhaltung“, so Michael Hans vom Kulturbüro, der das Kulturprogramm als kulturellen Gemischtwarenladen bezeichnet.
Das komplette Kultur-Programm gibt es online unter www.datteln.de.
Karten können im Internet unter www.imVorverkauf.de oder telefonisch unter ( 0209/14 77 999 erworben werden./ Foto: NBM


Falsche Polizisten am Telefon
POLIZEI. Die Masche ist nicht neu: Kriminelle geben sich am Telefon als Polizeibeamte aus und versuchen so, an Geld und weitere Besitztümer der Angerufenen zu gelangen. Neu ist hingegen das Ausmaß dieser Machenschaften: Über 50 derartiger Vorfälle gab es allein in den vergangenen Tagen im Kreis und in Bottrop, weshalb die Polizei alle Bürgerinnen und Bürger zur Vorsicht ermahnt.
Das Schema war bei allen Anrufen ähnlich: Der Anrufer und in manchen Fällen auch eine Anruferin teilten mit, dass sie von der Polizei seien und in der Nachbarschaft Einbrecher festgenommen worden wären. Weiter versuchten sie, die Angerufenen nach ihren Besitztümern und ihrem Vermögen auszufragen. Als Anrufnummer war in den meisten Fällen die jeweilige Ortsvorwahl und dann die 110 eingeblendet – zum Beispiel 02361 – 110. Die Angerufenen reagierten zumeist jedoch richtig – sie legten auf und verständigten über die 110 die Polizei. „Bislang ist noch kein Fall bekannt geworden, in dem die Täter Beute machen konnten“, so die Polizei Recklinghausen, die dennoch warnt: „Fallen Sie nicht auf die Masche herein – die echte Polizei fragt nicht am Telefon nach Besitztümern und fordert auch nicht auf, die Sachen an Kollegen zu übergeben.“
Für all jene, die einen solchen Anruf erhalten, hat die Behörde einige Verhaltenstipps: „Falls im Telefondisplay die Rufnummer der Polizei 110 – eventuell mit Vorwahl – erscheint, handelt es sich nicht um einen Anruf der Polizei. Denn dabei erscheint nie die 110 im Display. Gibt sich der Anrufer als Polizeibeamtin oder Polizeibeamter aus, lassen Sie sich den Namen nennen und wählen Sie selbst die 110. Schildern Sie der Polizei den Sachverhalt. Geben Sie ferner unbekannten Personen keine Auskünfte über Ihre Vermögensverhältnisse oder andere sensible Daten. Übergeben Sie unbekannten Personen niemals Geld oder Wertsachen – auch nicht Boten oder angeblichen Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern der Polizei oder Staatsanwaltschaften, von Gerichten oder Geldinstituten, was die Anrufer manchmal fordern.
Erfahrungsgemäß nutzen die Täter Telefonbucheinträge (im Internet) für ihre Suche nach Opfern. Überlegen Sie daher genau, ob ein Eintrag im Telefonbuch sinnvoll und nötig ist und lassen Sie Ihre Nummer gegebenenfalls löschen.“ / Foto: pixabay.com/Mimzy


Anspruchsvolles Erbe
KULTUR. Ein Festival für alle wolle er machen, erklärt Olaf Kröck, das Jugendliche, Arbeiter und Intellektuelle gleichermaßen anspricht und anlockt. „Ich möchte, dass die Ruhrfestspiele das größte Fest der Stadt werden“, führt der 45-Jährige weiter aus, der ab August 2018 die Nachfolge von Frank Hoffmann als Intendant des Recklinghäuser Theaterfestivals antritt. Das sei natürlich ein Maximalziel, ein utopischer Anspruch. „Doch wer, wenn nicht die Kunst, soll Utopien formulieren?“ Die Entscheidung für Olaf Kröck fuße nicht nur auf den Wünschen und Ideen des Aufsichtsrates der Ruhrfestspiele. „Wir haben uns auch von erfahrenen Kultur-Schaffenden aus der ganzen Republik beraten lassen“, erklärt Aufsichtsratsvorsitzender Stefan Körzell vom DGB. Für Recklinghausens Bürgermeister Christoph Tesche ist Kröck die richtige Wahl. „Er kennt das Ruhrgebiet und die Menschen, die hier leben – und mit dieser Erfahrung wird er die Ruhrfestspiele weiterentwickeln.“ Kröck, der seit 2005 in der Region arbeitet und seit der aktuellen Spielzeit auch das Bochumer Schauspielhaus leitet, sei sich der Aufgabe durchaus bewusst, die ihm da bevorsteht. „Die Ruhrfestspiele sind eines der wichtigsten Theaterfestivals Deutschlands, wenn nicht gar Europas“, betont der designierte Leiter. Das sei auch Frank Hoffmann zu verdanken, der es geschafft habe, die Festspiele einem breiten Publikum zu öffnen. „Diese Zuschauerzahlen sind ein anspruchsvolles Erbe“, räumt Kröck ein. „Andere Festivals werden angesichts dieser Dimensionen blass.“ Neben der Breite des Publikums würde laut Olaf Kröck die Ruhrfestspiele noch ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ausmachen: „Die Ruhrfestspiele sind ein Schauspieler-Festival – möglicherweise das einzige in Europa.“ Das solle auch in Zukunft so bleiben. „Wir werden weiterhin namhafte Schauspieler und Ensembles einladen, national mit großen Häusern und international mit bekannten Kompanien zusammenarbeiten“, konkretisiert der 45-Jährige seine Pläne. Dabei sollen auch weiterhin Hollywood-Stars auf der Bühne stehen. „Diese dürfen nur nicht zum Selbstzweck werden“, fügt er hinzu. Doch aktuell würden für die Spielzeit 2019 bereits Gespräche mit einem derartigen „Hochkaräter“ geführt werden. Ob es was wird? „Das kann ich noch nicht sagen.“ Das Fringe-Festival, von Frank Hoffmann ins Leben gerufen, will Kröck nicht nur weiterführen, sondern sogar noch ausweiten. „Einige Formate brauchen eine größere Bühne“, führt der 45-Jährige näher aus, „wie sie zum Beispiel das Theater Marl bietet.“ Und auch die Lesungen im Großen Haus sollen weiterhin ihren Platz im Festivalkalender haben.  Den Uraufführungen hingegen steht Olaf Kröck kritisch gegenüber. „Mit den Mühlheimer Theatertagen haben wir bereits ein Festival in der Region, das jungen Autoren eine Bühne bietet“, so Kröck. „Mit diesen müssen wir nicht in Konkurrenz treten.“
Zu defensiv empfinde er auch den Auftritt des Festivals in der Öffentlichkeit. „Denkbar wäre ein sinfonisches Picknick im Park“, stellt der 45-Jährige in Aussicht. Alle Interessierten wären eingeladen, mit ihrem Picknick-Korb auf Recklinghausens „grünen Hügel“ zu kommen, um hier unter freiem Himmel einem Konzert zu lauschen. „Der Eintritt wäre dabei natürlich frei – und selbstverständlich würde auch die Sonne scheinen.“
Bei all diesen Plänen sei es jedoch wichtig, das Ruder nicht zu schnell rumzureißen. „Die Ruhrfestspiele müssen sich im Spannungsverhältnis zwischen Poesie und Politik positionieren“, erklärt Kröck. Sie müssten einerseits ihrem politischen und künstlerischen Anspruch gerecht werden und andererseits die Schwelle für die Zuschauer möglichst niedrig halten, sodass sie auch weiterhin ein breites Publikum ansprechen. Schließlich wolle er ein Festival für alle machen, das Jugendliche, Arbeiter und Intellektuelle gleichermaßen anlockt. 
Olaf Kröck wurde 1971 im niederrheinischen Viersen geboren. Er studierte an der Universität Hildesheim. Nach seinem Diplom-Abschluss leitete er in Hildesheim das europäische Theaterfestival „transeuropa 2000“. Nach Tätigkeiten als Regisseur und Dramaturg am Hildesheimer Stadttheater und Projekten in der Freien Szene wechselte er 2001 an das Luzerner Theater. 2005 ging er als Dramaturg ans Schauspiel Essen und wechselte im Jahr der Kulturhauptstadt 2010 zum Schauspielhaus Bochum, wo er zunächst als Dramaturg, ab 2013 dann als Chefdramaturg arbeitete. Seit der aktuellen Spielzeit hat er dort die künstlerische Leitung inne. Kröck hat zwei Kinder und wohnt in Bochum.
/Foto: André Przybyl


Kartons für benachteiligte Kinder
RECKLINGHAUSEN. In dem kleinen Zimmer stapeln sich warme Mützen, Schals und Socken sowie Miniatur-Eulen und -Söckchen – über 200 der Kleidungsstücke und Accessoires haben Brigitte Kraft und ihre Tochter Birgit allein in diesem Jahr gefertigt. „Wir stricken auch bei 30 Grad im Schatten“, erklärt die engagierte Recklinghäuserin. All die Strickwaren sind jedoch nicht für den Eigenbedarf bestimmt. Vielmehr unterstützt Kraft damit soziale Einrichtungen und Aktionen, wie die bundesweite Geschenkaktion „Weihnachten im Schuhkarton“, die weltweit benachteiligten Kindern eine Freude machen will.
In diesem Jahr findet die Aktion des christlichen Vereins Geschenke der Hoffnung bereits zum 22. Mal statt. Allein im vergangenen Jahr wurden weltweit rund 11,5 Millionen Kinder mit einem individuell gepackten Schuhkarton erreicht. Überreicht werden die Päckchen in der Vorweihnachtszeit von Kirchengemeinden unterschiedlicher Konfessionen, die dafür extra geschult werden und ein Berichtswesen einhalten müssen. In diesem Jahr gehen die Päckchen unter anderem in die Ukraine, nach Serbien, Montenegro und in die Mongolei.
Mitmachen ist ganz einfach: Zunächst Deckel und Boden eines Schuhkartons separat mit Geschenkpapier bekleben. Das Päckchen dann mit Geschenken – nur Neuwaren wie Kleidung, Spielsachen, Schulmaterialien, Hygieneartikeln und Süßigkeiten dürfen in den Karton – für einen Jungen oder ein Mädchen der Altersklasse zwei bis vier, fünf bis neun oder zehn bis 14 Jahren füllen. Außerdem 8 Euro pro beschenktes Kind zurücklegen – damit wird die Durchführung der Gesamtaktion finanziert. Schließlich die Päckchenspende bis 15. November zur nächstgelegenen Abgabestelle bringen.
Die Sammelstellen-Leitung in Recklinghausen hat Simone Bartilla inne, die bereits seit zehn Jahren Kartons entgegennimmt. „Das Gros meiner Arbeit beginnt am 15. November, wenn alle Spenden eingetroffen sind“, erklärt die Recklinghäuserin. „Dann gilt es die Kartons zu kontrollieren und versandfertig zu machen, denn am Ende des Monats werden diese abgeholt.“ Viele Päckchen würden sie auch aus Herne und Gelsenkirchen erreichen, wo sie sich eine „Annahmenetz“ aufgebaut habe. „Insbesondere Kirchengemeinden sind hier eifrige Spender“, erzählt die engagierte Frau. „Allein im vergangenen Jahr habe ich über 200 Kartons aus Gelsenkirchen und rund 100 aus Herne erhalten.“ Auch selbst packt Bartilla Päckchen – rund 50 waren es 2016. „Über das Jahr verteilt erhalte ich Sachspenden wie Stofftiere und Hygieneartikel, die sich mittlerweile wieder bei mir stapeln und ebenfalls für ‚Weihnachten im Schuhkarton‘ verwendet werden.“ Und auch eine Kirchengemeinde aus Herten würde sie tatkräftig unterstützen.
Kartons nimmt auch Brigitte Kraft an. Doch sie macht noch mehr. „Immer im November und Dezember verkaufen wir unsere Strickwaren zu günstigen Preisen“, erklärt die Recklinghäuserin. „Den Reinerlös – rund 1.000 Euro kommen pro Jahr zusammen – spenden wir dann.“ Neben „Weihnachten im Schuhkarton“ bedenkt sie auch das Kinderpalliativzentrum Datteln, das evangelische Kinderheim an der Overbergstraße sowie das Hospiz zum Heiligen Franziskus – beide in Recklinghausen.
Weitere Informationen unter www.weihnachten-im-schuhkarton.org. Dort sind auch alle Annahmestellen in der Umgebung zu finden.
Hier verkauft Brigitte Kraft ihre Strickwaren für den guten Zweck:
Samstag, 11. November: REWE Markt, Bochumer Straße 138
Freitag, 1. Dezember: Sparkasse Vest Recklinghausen, Hauptstelle Recklinghausen-Süd, Theodor-Körner-Straße 2 - 4
Samstag, 2. Dezember: Handwerker Stammtisch am Neumarkt
Dienstag, 12. Dezember: Sparkasse Vest Recklinghausen, Hauptstelle Recklinghausen-Süd, Theodor-Körner-Straße 2 - 4
Freitag, 15., und Samstag, 16. Dezember: REWE Markt, Bochumer Str. 138 / Foto: NBM



20 neue Staatsbürger im Kreis
BEVÖLKERUNG. Landrat Cay Süberkrüb begrüßte gemeinsam mit weiteren Vertretern des Kreises und seiner Kommunen 20 neue Staatsbürgerinnen und Staatsbürger. Im Oer-Erkenschwick Rathaus erhielten die Frauen, Männer und Kinder ihre Einbürgerungsurkunden.
„Ich glaube an die Menschen in diesem Land – und damit auch an Sie alle. Wenn wir mutig sind, unseren Verstand einsetzen und aufeinander Achtgeben, bleibt Deutschland die sichere Heimat, in der Populismus, Fremdenhass und Rassismus keine Chance haben“, sagte Süberkrüb. Er wünschte den neu Eingebürgerten viel Glück und Zuversicht für ihre Zukunft: „Es ist schön in unserem Kreis – und ich freue mich, dass Sie hier Ihren Lebensmittelpunkt haben.“
Von den 20 neuen Staatsbürgerinnen und -bürgern kommen vier aus Oer-Erkenschwick, zwei aus Datteln, neun aus Haltern am See und fünf aus Waltrop. Die Eingebürgerten sind zwischen zehn und 57 Jahre alt, die Hälfte davon ist jünger als 30. Sie stammen aus insgesamt zehn verschiedenen Nationen, aus Rumänien, der Türkei, Polen, Italien, Thailand, Kosovo, Sri Lanka, den Niederlanden, Marokko und Mexico. Neun von ihnen sind im Kreis Recklinghausen geboren. Die Ausländerbehörde des Kreises ist für ausländische Bürger in Datteln, Haltern, Oer-Erkenschwick und Waltrop zuständig. / Foto: Stadt Oer-Erkenschwick, Andre Thyret


Schüler schreiben Friedensbriefe
AKTION. Als Klaudia Dederichs, Schulseelsorgerin am bischöflichen Berufskolleg Liebfrauenschule in Coesfeld, die Studierenden bat, für den Eröffnungsgottesdienst des Schuljahres 2016 „Friedensbriefe“ zu schreiben, hatte sie den Katholikentag noch nicht im Blick. Doch ihre Idee zieht Kreise.
Schulseelsorger Siegfried Löckener vom Bocholter August-Vetter-Berufskolleg hatte von der Idee erfahren und das Projekt für alle Berufskollegs in kirchlicher Trägerschaft für den Katholikentag vorgeschlagen. Nun werden bistumsweit in den kommenden Monaten ebenso Friedensbriefe entstehen – aus dem Kreis mit dabei ist die Alexandrine-Hegemann-Schule in Recklinghausen.
Geplant ist, die Ergebnisse während des Katholikentags, der vom 9. bis 13. Mai in Münster stattfindet und unter dem Motto „Suche Frieden“ steht, in einem Raum als Installation aufzuhängen. „Die Wünsche befinden sich dann sozusagen zwischen Himmel und Erde“, berichtet Dederichs. Für sie ist der Brief eine Kunstform und eine Möglichkeit, beispielsweise auf Krieg und Terror aufmerksam zu machen. „Wer schreibt heute noch einen Brief?“, fragt die Schulseelsorgerin. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg war der Brief beispielsweise meist die einzige Möglichkeit, Kontakte aufrecht zu erhalten. Die Feldpostbriefe waren etwas Individuelles und Persönliches in all dem erlebten Chaos. Eine Briefkultur ist weitgehend der weltweiten Kommunikation im Netz gewichen.
Die Verantwortlichen an den Berufskollegs wollen mit ihrer Aktion „Aufbruch zu einer Kultur des Friedens“ ein Zeichen setzen. „Unsere Studierenden beschäftigen sich fächerübergreifend mit dem Thema und der Sprache. Wir haben ihnen berühmte Zitate und Texte beispielsweise von Ernesto Cardenal oder Nelson Mandela vorgestellt. Davon lassen sie sich inspirieren“, vermutet Dederichs. Gerichtet sind die Briefe an Gott, an ein Du, an die Gesellschaft oder auch die Schulgemeinschaft.
So wie die Briefe einer besonderen Klasse an der Liebfrauenschule, die zurzeit von 19 Flüchtlingen besucht wird. Auch sie hat Dederichs gebeten, sich zu beteiligen. „Allerdings sprechen sie noch nicht so gut Deutsch“, informiert sie. Deshalb hat sie einige Schülerinnen und Schüler gebeten, die ihre Ausbildung zu Heilerziehungspflegern absolvieren, die jungen Flüchtlinge zu unterstützen. Und so sitzen sie zusammen, tauschen sich aus, sprechen über Gefühle und über den Frieden. Dabei wird schnell deutlich, dass sich die Wünsche der jungen Flüchtlinge, die ihre Heimat in Syrien, in Afghanistan, im Irak, in Nigeria oder Aserbaidschan verlassen haben, deutlich von denen ihrer deutschen Mitschüler unterscheiden. „Unsere Briefe haben sich mehr auf die Gegenwart bezogen. Der Wunsch nach Frieden ist bei den Flüchtlingen konkreter. Sie hoffen, dass die Zukunft besser wird als die Vergangenheit“, hat ein Schüler im Gespräch erfahren. Viele Schüler der Klasse haben Krieg und Flucht erlebt. Sie wünschen sich Freiheit, ein sicheres Zuhause und eine gute Ausbildung.
An den Berufskollegs ist nun geplant, in einer Aktionswoche vom 13. bis zum 17. November die Studierenden aufzurufen, sich zu beteiligen.  pbm/mek / Foto: Michaela Kiepe/Bischöfliche
Pressestelle



Busbahnhof soll sicherer werden
ÖFFENTLICHKEIT. Sicherer und sauberer soll der Busbahnhof in Recklinghausen werden. Dazu hat die Stadt ein Maßnahmenpaket verabschiedet, das jetzt nach und nach umgesetzt werden soll. Bereits in Kraft getreten ist ein Alkoholverbot.
„Das Alkoholverbot ermöglicht dem Kommunalen Ordnungsdienst, viel wirksamer gegen Alkoholmissbrauch vor Ort vorzugehen – wer dort trotzdem trinkt, wird des Platzes verwiesen“, erläutert Recklinghausens Bürgermeister Christoph Tesche. Zudem ist das Trinken von Alkohol eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld geahndet werden kann. Das Verbot gilt nicht innerhalb sogenannter Freischankflächen von Gastronomien. Auch Veranstaltungen, bei denen Alkohol ausgeschenkt werden darf, Rosenmontag und die Silvesternacht sind ausgenommen.
Als weitere Maßnahme ist die Beleuchtung im Oval erneuert und mit LED-Technik ausgestattet worden. Eine Ausweitung der Beleuchtung ist in Planung, auch die Umfahrung der Bahnsteige soll heller werden. Außerdem sind die Durchgänge am Busbahnhof nun 24 Stunden am Tag beleuchtet. Hier sollen auch Kameras installiert werden. Anstrich- Reparatur- und Reinigungsarbeiten sollen ferner Sauberkeit und Erscheinungsbild verbessern. Der Beschluss geht auf eine Initiative von Stadtverwaltung, Polizei und des Nahverkehrsanbieters zurück. / Foto: André Przybyl


Auf sozial benachteiligte Kinder achtgeben
SCHULE. Rund 4.600 Kinder, die derzeit die Grundschulen im Kreis Recklinghausen besuchen, hatten bei den Einschulungsuntersuchungen eine ausgeprägte sprachliche Entwicklungsverzögerung. Damit haben 25 Prozent der Einschulungskinder Probleme, dem deutschsprachigen Schulunterricht folgen zu können. 15 Prozent zeigen auch in anderen, nicht sprachlichen Bereichen, einen ausgeprägten Entwicklungsrückstand. So ein Ergebnis des ersten integrierten Gesundheits- und Bildungsberichts, den der Kreis jetzt veröffentlicht hat.
Bei den 25 Prozent handelt es sich laut Bericht nicht nur um Kinder aus zugewanderten Familien, in denen sie nicht ausreichend Deutsch lernen können. Denn es ist nicht vorrangig die Familiensprache, die einen Einfluss auf die Entwicklung und auf den schulischen Werdegang der Kinder hat. Vielmehr hängt es davon ab, welchen Bildungsstand die Eltern haben und wie sehr sie sich darum kümmern können, dass ihre Kinder gefördert werden.
Die ungleichen Lebensbedingungen sind für viele Kinder mit ungerechten Entwicklungschancen verbunden. Es beginnt bereits damit, dass Kinder später in die Kita gehen, obwohl sie nachweislich von einem möglichst frühen Kita-Eintritt profitieren würden. Und es setzt sich darin fort, dass auch die Grundschulempfehlungen für den weiteren Schulbesuch eng damit verbunden sind, in welchem Stadtteil sich die Schule befindet und wie stark dieser Stadtteil von sozialen und strukturellen Problemlagen geprägt wird.
Der Gesundheits- und Bildungsbericht zeigt aber auch: Die meisten Kinder im Kreis leben in Familien, in denen sie sich gut entwickeln können. Sie werden darin gestärkt, sich auszuprobieren und ihre Fähigkeiten zu entwickeln. Diese Kinder zeigen bei den Schuleingangsuntersuchungen, dass sie ein gutes Fundament haben, um ihren schulischen Bildungsweg zu beginnen.
„Wir müssen aber auf die Kinder besonders achtgeben, die in belastenden sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen aufwachsen“, betont Dr. Sabine Wadenpohl, die den Bericht erarbeitet hat. „Denn bei ihnen zeigen sich bereits bei den Schuleingangsuntersuchungen häufiger Entwicklungsverzögerungen oder gesundheitliche Probleme. Für diese Kinder ist auch das Risiko größer, dass sie einen sonderpädagogischen Förderbedarf in den Bereichen Lernen oder emotionale und soziale Entwicklung benötigen.“
INFO:  Zum ersten Mal legt der Kreis Recklinghausen mit dem 218 Seiten starken Werk einen Integrierten Gesundheits- und Bildungsbericht vor, der die Bereiche Gesundheit und Bildung von Kindern im Sozialraum zusammenführt. Die vergangenen Berichte über die Lebenswelten der Kinder waren entweder aus der Perspektive der Bildung oder der Gesundheit geschrieben. Nun wurden beide Bereiche zusammengeführt, verknüpft und gemeinsam interpretiert. Der Bericht ist online unter www.recklinghausen.rbn.nrw.de/info/gub.pdf zu finden. / Foto: pixabay.com/klimkin


Patenschaft für einen Tag
AKTION. Jugendliche zu motivieren, sich mit HIV und AIDS auseinanderzusetzen und zum ehrenamtlichen Engagement anzuregen – dieses Ziel verfolgt die „Patenschaft für einen Tag“. Die Beratungsstelle Sexuelle Gesundheit – AIDS/STI, der Fachdienst Gesundheit, pro familia und die Drogenberatung Westvest laden zu diesem Aktionstag ein.
Mit Blick auf den Welt-AIDS-Tag am 1. Dezember sollen sich Schülerinnen und Schüler eigenständig mit dem Thema HIV/AIDS beschäftigen und gleichsam als „Patin“ oder „Pate“ Verantwortung für eine Aktion übernehmen. Das Projekt soll Jugendliche ermutigen, eigene Aktionen an den Schulen oder in der Öffentlichkeit durchzuführen. Dies können beispielsweise ein selbst erarbeiteter Vortrag, mit dem Jugendliche ihre Mitschüler informieren, ein eigenes kleines Theaterstück, ein Informationsstand, ein eigenes Plakat oder eine Fotoreihe, ein Kuchenverkauf als Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen oder eine Befragung in der Fußgängerzone sein – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.
Angesprochen für die „Patenschaft für einen Tag“ sind vor allem Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen und die Jugendzentren im Kreis Recklinghausen. Die Kooperationspartner stehen hierbei begleitend und beratend zur Seite, bieten kostenlose Informationsmaterialien, Postkarten sowie Plakate und übernehmen eine koordinierende Pressearbeit, damit das Engagement auch entsprechend bekannt und gewürdigt wird.
Anmeldungen werden noch bis zum 10. November unter ( (02365) 935 75 40 oder per E-Mail an aidsberatung@kreis-re.de entgegen genommen. Die Projektideen sollen bei einer Abschlussveranstaltung am 4. Dezember im Kreishaus vorgestellt werden.


Barrieren abbauen
RECKLINGHAUSEN. Seit 20 Jahren gibt es in Recklinghausen die Wohnberatung, die dafür sorgt, dass Wohnungen, Häuser und Wohnumfelder älterer, kranker und behinderter Menschen barriereärmer werden.
Eine Befragung ergab bereits Anfang der 1990er-Jahre, dass die Recklinghäuser Seniorinnen und Senioren am liebsten so lange wie möglich in ihrem gewohnten Umfeld leben möchten. Oftmals stehen jedoch bauliche Hindernisse im Weg, beispielsweise Barrieremängel in Badezimmern oder Stolperfallen beim Zugang zu Wohnungen und Balkonen. In vielen Fällen kann der Wohnraum an die neuen Bedürfnisse angepasst werden, etwa durch die Beseitigung von Schwellen, den richtigen Bodenbelag, Haltegriffe oder bauliche Veränderungen. Dabei brauchen aber viele Betroffene Hilfe.
Nach dem Vorbild des Dortmunder Kreuzviertel-Vereins entwickelte die Stadtverwaltung ein Konzept für die Wohnberatung, das 1997 die Zusage für eine Modellförderphase bekam, die anschließend zu einer Regelförderung führte. Inzwischen gibt es im Stadthaus A eine zentrale Anlaufstelle für Senioren, Behinderte und Angehörige. Auch Mitarbeiter ambulanter Dienste und anderer Beratungsstellen, Architekten und Planer, Mieter und Vermieter sowie Wohnungsgesellschaften können sich hier informieren und beraten lassen.
Das Team der sogenannten Wohnraumanpassungsberatung besteht aus der Innenarchitektin Kordula Kuballa und dem Diplom-Sozialarbeiter Michael Feja. Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen der Sozialen Beratungsleistungen bearbeiten die beiden mehr als 100 Beratungsfälle im Jahr, wobei im Lauf der Jahre ein großes Netzwerk aufgebaut wurde. Die Wohnberatung begleitet Betroffene unter anderem bei Antragstellungen, der Auswahl geeigneter Hilfsmittel, dem Ein- und Umbau von Wohnbereichen, Finanzierungsmöglichkeiten oder Verhandlungen mit Vermietern. / Foto: Stadt RE


Olaf Kröck beerbt Frank Hoffmann
KULTUR. Die Ruhrfestspiele haben einen Nachfolger für Frank Hoffmann gefunden: Olaf Kröck, der seit dieser Spielzeit künstlerischer Leiter des Bochumer Schauspielhauses ist, wird ab August 2018 das Recklinghäuser Theaterfestival leiten.
Kröck hat Angewandte Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis an der Universität Hildesheim studiert. 2000 übernahm er die künstlerische Leitung des dritten europäischen Theaterfestivals transeuropa in Hildesheim, anschließend war er als Dramaturg am Stadttheater Hildesheim, am Luzerner Theater, am Schauspiel Essen und am Schauspielhaus Bochum tätig. 2013 wurde Kröck Chefdramaturg am Bochumer Schauspielhaus, in der Spielzeit 2017/2018 übernahm er dessen Intendanz. Zum 1. August 2018 wird Olaf Kröck seine Intendanz bei den Ruhrfestspielen antreten. Der Aufsichtsrat des Theaterfestivals sprach sich einstimmig für den 45-Jährigen aus.
Frank Hoffmann, der seit 2005 die Ruhrfestspiele leitet, hatte angekündigt, seinen Vertrag nicht verlängern zu wollen (Kurier zum Sonntag berichtete). Die Spielzeit 2018 wird somit seine letzte sein. / Foto: Knotan


„Wir verkaufen uns zu oft unter Wert“
RECKLINGHAUSEN. Zwei Fragen standen im Mittelpunkt der ersten Recklinghäuser Tourismuskonferenz in der Halle König Ludwig III: „Wo steht Recklinghausen?“ sowie „Wohin kann sich die Stadt touristisch entwickeln?“ Eingeladen waren die unterschiedlichsten Akteure aus Hotel, Gastronomie, Handel, Kultur, Freizeiteinrichtungen, Politik und Verwaltung. In mehreren Arbeitsgruppen wurde darüber diskutiert, was gut ist, was besser werden kann und welche Chancen sowie Risiken es gibt.
„Wir haben viele gute Einrichtungen in unserer Stadt, die wir aber noch mehr und noch besser ins richtige Licht setzen müssen“, sagte Beigeordneter Ekkehard Grunwald in seiner Eingangsrede. „Wir verkaufen uns einfach zu oft noch unter Wert, da haben wir auf jeden Fall noch Nachholbedarf.“
Die Anregungen aus den Arbeitsgruppen reichten von einer Touristen-Info, über eine vor allem auch ausgeweitete digitale Kommunikation sowie professionellere Werbung und Vermarktung bis hin zu dem Ziel, dass alle Akteure im Bereich Tourismus an einen Tisch gebracht werden müssen, aber auch eine zentrale Koordination brauchen. Ebenfalls wichtig fanden viele Teilnehmer, dass Sauberkeit und eine Willkommenskultur für eine touristisch attraktive Stadt wichtig seien.
Alle Anregungen fließen nun in ein Handlungskonzept Tourismus, das von der Abteilung Stadtmarketing/Fachbereich Wirtschaftsförderung erarbeitet und erstellt wird. Anfang 2018 soll der Entwurf öffentlich gemacht werden, sodass sich Interessierte erneut mit Ideen oder Änderungswünschen einbringen können. Der dann nochmals überarbeitete Entwurf wird anschließend den politischen Gremien zur Beschlussfassung vorgelegt. Das Handlungskonzept Tourismus soll als roter Faden in der Zusammenarbeit von Verwaltung und den Akteuren dienen.
An der Tourismuskonferenz teilgenommen hat auch Axel Biermann, Geschäftsführer der Ruhrtourismus GmbH. „In den vergangenen Jahren hat sich das Ruhrgebiet als Reiseziel etabliert“, so Biermann. „Die erfolgreiche Vermarktung der Metropole Ruhr wird besonders dank der guten Zusammenarbeit mit den lokalen Partnern möglich. Wir begrüßen das gute und motivierte Engagement in Recklinghausen.“ / Foto: Stadt RE


Die Religion zum Beruf machen
KIRCHE/JUGEND. Als Jugendlicher wollte Matthias Grammann nach seinem kurzen Engagement als Messdiener in seiner Heimatgemeinde St. Antonius in Herten mit der Kirche eigentlich nichts mehr zu tun haben.
„Aber die Frage nach Gott ist in mir immer wieder in verschiedenen Formen aufgetaucht. Nach gutem Religionsunterricht in der Oberstufe und dem Zivildienst in der Altenpflege war für mich dann klar: Ich will Religion zu meinem Beruf machen“, berichtet der neue Leiter des christlichen Jugendcafés Areopag in Recklinghausen.
So studierte der heute 31-Jährige Germanistik und katholische Religionslehre auf Lehramt und schloss diese Ausbildung mit einem Referendariat am Max-Planck-Gymnasium in Gelsenkirchen-Buer ab.
Später folgten zweieinhalb Jahre Ausbildung in der Pfarrei St. Peter in Recklinghausen. Seit Anfang August leitet der Pastoralreferent nun das jugendpastorale Zentrum „Areopag“. „Ich freue mich auf die Zeit und darauf, dass wir als neues Team viel gestalten können“, blickt er nach vorn. Vor zehn Jahren öffnete das „Areopag“, das von den drei Pfarreien in Recklinghausen getragen wird, erstmals seine Türen. „Für die Jugendarbeit ist das eine sehr lange Zeit. Da bietet es sich jetzt an, mit einem vollständig neuen Team alle Bereiche auf den Prüfstand zu stellen“, erklärt der Pastoralreferent. Denn im Umfeld des Jugendcafés hat sich viel verändert. Das Berufskolleg ist beispielsweise an einen neuen Standort umgezogen, und das Gymnasium Petrinum verfügt inzwischen über eine eigene Mensa. „Wir werden in der nächsten Zeit viele Gespräche mit den Pfarreien, den Schulen und verschiedenen Gruppen führen. Da ist es gut, dass ich in Recklinghausen durch die Ausbildung schon viele Menschen kenne“, sagt Grammann. Für ihn soll das Areopag ein Haus von und für Jugendliche sein. Aber er will nicht nur Angebote vor Ort machen, sondern auch dorthin gehen, wo die jungen Menschen sind.
Die christliche Botschaft hält er auch für Jugendliche für aktuell und relevant: „Der Glaube bietet ihnen einen guten Gegenentwurf zu ihrem Alltag, in dem oft der, der nichts leistet, auch nichts wert ist“, erklärt der Pastoralreferent und fügt hinzu: „Das sehen wir als Christen anders: Sie sind etwas wert, ohne dass sie eine Leistung abliefern müssen.“ / Foto: Michaela Kiepe/Bischöfliche Pressestelle


„Konkrete Ergebnisse“
DIGITALISIERUNG. „Wir freuen uns, dass Umbau 21 in nur zweieinhalb Jahren so viele konkrete Ergebnisse liefert“, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende der WiN Emscher-Lippe GmbH, Landrat Cay Süberkrüb. „Das Ziel des gemeinsam mit der Landesregierung entwickelten Aufrufs ‚Smart Region‘ ist es, die Potentiale der Digitalisierung für die Emscher-Lippe-Region zu heben und mit der Profilierung als smarte Region einen zukunftsweisenden Beitrag zur Standortsicherung und -entwicklung zu leisten“, so Süberkrüb weiter.
Das passe hervorragend zu den Aktivitäten der gesamten Region, mit einer gemeinsamen Koordination auch die Breitband-Infrastrukturen auf hohe Bandbreiten und Glasfaser auszubauen. „Von der großen Resonanz mit über 30 Bewerbungen auf den Aufruf waren wir alle begeistert“, so Süberkrüb.
Die 14 Projekte, die mit Zuwendungen aus dem Projektaufruf „Umbau 21 - Smart Region“ unterstützt werden können, sollen die Wettbewerbs- und Innovationskraft des Wirtschaftsstandortes und der in der Region angesiedelten Unternehmen festigen und entwickeln. Zu diesen Maßnahmen gehören verschiedene Projekte von Unternehmen, beider Hochschulen der Region, der digitalen Verwaltung und ein Projekt, dass Initiativen in einem smarten Netzwerk zusammenführt.
Ein Projekt der Handwerkskammer (HWK) Münster soll in den kommenden drei Jahren Betriebe für die Digitalisierung sensibilisieren und sie in die Lage versetzen, neue Wege zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit zu erkennen und im Idealfall auch anzuwenden. „Handwerksbetriebe können digitale Lösungsansätze nutzen und so ihre betrieblichen Abläufe und ihre Marktposition optimieren“, betont HWK-Präsident Hund. Zwei Prozessscouts werden mit Unterstützung eines externen Dienstleisters einen Check entwickeln, mit dem künftig möglichst viele Handwerksbetriebe auf verschiedene Aspekte der Digitalisierung aufmerksam gemacht werden sollen. Der Zugang zu den Service-Angeboten ist für alle Handwerksbetriebe der Region offen. Im Anschluss an den Check sorgen unter anderem Workshops für einen Austausch zwischen den Firmen. Parallel dazu soll der Verweis an regionale Akteure, beispielsweise an die Hochschulen oder das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum, dazu beitragen, die Einführung digitaler Prozesse bzw. Maßnahmen zu strukturieren. Neben dem Handwerk beteiligen sich auch die kommunalen Wirtschaftsförderungen, die beiden regionalen Hochschulen, die WiN Emscher-Lippe GmbH und die IHK Nord Westfalen.
„Der digitale Transformationsprozess kann zur Stärkung der Region als innovativen Wirtschafts- und Lebensraum beitragen“, so Regierungspräsidentin Dorothee Feller. „Ein wichtiger Schritt auf dem Weg des Strukturwandels ist unserer Region zu einem starken Mittelstand zu verhelfen. Hier sehe ich in dem Projektvorhaben der Handwerkskammer Münster große Chancen.“ / Foto: Andreas Buck/Handwerkskammer Münster